Computersimulation Warum wir monogam leben

Im weitaus größten Teil der westlichen Gesellschaft leben die Menschen monogam. Forscher haben nun eine Theorie entwickelt, warum das so ist.

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Früher ging es manchmal hoch her, so ist es in unzähligen historischen Quellen zu lesen. Selbst in der Bibel verteilte etwa Abraham seine Liebe großzügig unter gleich mehreren Damen, um die Nachkommenschaft zu sichern. Und auch anderswo in der Menschheitsgeschichte durften Männer mehrere Frauen heiraten, mit ihnen leben und Kinder zeugen. Wohl kaum einer hätte sich an der Vielweiberei gestört - so ist es in einigen Gesellschaften schließlich noch heute.

Doch zumindest im allergrößten Teil der westlichen Welt setzte sich irgendwann die Monogamie durch, die Treuebeziehung zwischen Mann und Frau kam in Mode. Warum es dazu gekommen ist, haben nun Forscher aus Kanada und Deutschland in einer Computersimulationen ergründet.

Die Wissenschaftler glauben, dass sexuell übertragbare Krankheiten mit zur Herausbildung monogamer Gesellschaften beigetragen haben. Dies schließen sie aus Computersimulationen, welche die Bevölkerungsentwicklung und den Einfluss von Infektionskrankheiten darauf abbilden. Sie stellen ihre Untersuchung im Fachblatt "Nature Communications" vor.

Syphilis, Gonorrhö oder Chlamydien

Als die Landwirtschaft aufkam und die Menschen sesshaft wurden, setzte sich in einigen Gemeinschaften die Monogamie als soziale Norm durch - und zwar sehr erfolgreich. Ein Großteil des weltweiten Bevölkerungswachstums der vergangenen Jahrhunderte gehe auf solche monogamen Gruppen zurück, schreiben Chris Bauch von der University of Waterloo in Kanada (Provinz Ontario) und Richard McElreath vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig.

Warum die Monogamie in diesen Gemeinschaften entstand, war bisher noch weitgehend unklar. Mit Computersimulationen haben die Forscher nun ihre These von sexuell übertragbaren Krankheiten als Ursache untersucht. Sie fütterten ihre Modelle mit Angaben zur Bevölkerungsstruktur und -entwicklung in kleinen und größeren Gruppen sowie mit Daten zur Ausbreitung der Geschlechtskrankheiten. Außerdem gaben sie dem Modell bestimmte Vorgaben, etwa wie sich unter verschiedenen Umständen Paare bilden oder wie viel Nachwuchs sie bekommen.

Die Simulationen stützen folgende Theorie: Krankheiten wie Syphilis, Gonorrhö oder Chlamydien-Infektionen führten häufig zu Unfruchtbarkeit und können damit die Entwicklung einer Population entscheidend beeinflussen. In kleineren Gruppen mit nicht mehr als 30 Erwachsenen verschwänden solche Infektionskrankheiten relativ schnell wieder, da weitere Ansteckungskandidaten fehlten. Sie hätten mithin kaum Folgen für die Sozialstruktur solcher Gemeinschaften.

Dauerproblem in den Städten

In größeren Gruppen, wie sie mit den sesshaften bäuerlichen Gemeinschaften entstanden, würden sexuell übertragbare Krankheiten hingegen schnell zum Dauerproblem. Unfruchtbarkeit nehme zu, was die Menschen mit nur einem Sexualpartner letztlich begünstigte.

Die Verbreitung ansteckender Krankheiten könne die Entwicklung sozialer Normen erheblich beeinflussen, erläutert Bauch in einer Mitteilung seiner Universität. Soziale Normen seien jedoch ein komplexes Phänomen. Vermutlich gebe es mehrere Mechanismen, die Monogamie gefördert hätten. Die Abnahme häuslicher und anderer Konflikte als Folge monogamer Beziehungen hätten vermutlich ebenfalls monogame Gruppen gestärkt.

joe/dpa



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Seite 1
henry_xii 12.04.2016
1. Bezug
Welchen Beitrag kann die Studie bezogen auf Gegenwart oder Zukunft liefern? Braucht es bezüglich eines erhöhten Infektionsrisikos durch selbstverursacht gesteigerte oder schrankenlose "Verkehrsfluktuation" in Zeiten epidemischer Seuchen ohne [hinreichenden] Infektionsschutz dazu wirklich eine Computersimulation? Also wozu liefert die Studie einen Beitrag? Wem oder wo würde ich mein Gehirn bitte anvertraut oder abgegeben haben dürfen?
jujo 12.04.2016
2. ...
Ist das denn abgeklärt worden mit den Kirchen? Es mag was dran sein. Ich lebe seit über vierzig Jahren monogam, HIV war für mich nie ein Thema!
flingern 12.04.2016
3. Goethe (im Faust) auch dazu:
Wenn Ihr's nicht fühlt, Ihr werdet's nicht erjagen.
johannesbueckler 12.04.2016
4. In das Simulationsprogramm
würde ich gerne vergangene Unterhaltsrechte einspeisen. Btw und an die Autoren, wann kam denn wohl die Syphilis in die "westliche" Welt? BC: id est before Columbus? Not....
silverhair 12.04.2016
5. Viele Gründe ... Und Massive Kritik am Model
Es gibt sicherlich viele Gründe für diese Form, aber wohl eher keine dieser Krankheiten. Wir haben ja noch Kulturen die seit Jahrtausenden leben wie zu Abrahams zeiten, siehe Amazonas Indianer, und diese kennen solche Krankheiten überhaupt nicht! Auch ist dieses "sesshaft werden" etwas zweifelhaft. Die Menschen hatten in der Zeit nach diesen reziproken Gesellschaften wie man diese erstkulturen nennt verschiedene Entwicklungsmodelle. Das eine waren die Hirten , die mit ihrem Vieh über Land zogen (Siehe Juden) zb: und die anderen die Ackerbau betrieben und sesshaft waren! Nur hatten die Hirten , genau wie wir das auch anderswo kennen zwei Probleme , erstens sie störten die sich entwickelnde Ackerbau gesellschaft .. und das passierte bei den Cowboys die ihre Rinderherden durchs Land trieben genauso wie in einigen Afrikanischen Kulturen, und deshalb entstanden regelrechte Weide-Kriege - beide Ökonomien vertragen sich nicht . der Bauer der sein bebautes Feld sichern wollte , und der Hirte der freien Zugang zu ALLE Weideplätzen brauchte! Und das zweite Problem, solche Hirtenkulturen müssen zwangsweise minimalresourcen teilen - wasser und wasserstellen sind nicht beliebig gross , und man muss deshalb die Gemeinschaften von Hause aus möglichst klein halten während die Ackergesellschaften sich an Flüssen und Seen entwickelten, und keinerlei Resourcen probleme mit mehr Menschen hatten, im gegenteil, eher davon profitierten das immer mehr Menschen Hand anlegen und Felder umfangreicher bebauen konnten! Und da hackt die Studie ebenfalls. Nachweislich waren sogar noch zur Zeit der Griechen und der Römer die Sexuellen Kontakte und auch die Vielweiberei weitaus üblicher, als da eigentlich nur von den Juden betriebene Monogame Model! In Bäuerlichen Gesellschaften waren es immer mehr als eine Frau die im Haushalt tätig waren es waren immer ganze Generationen vorhanden , und auch viele Hilfskräfte und es ist mehr als zweifelhaft das dort reine monogamie betrieben wurde - es wäre ökonomisch ein desaster geworden, weil gerade die Kinder und Frauensterblichkeit in diesen Zeiten gewaltig war! Hört sich für heutige Zeiten etwas grausam an, aber um einen nachkommen sicher zu bekommen mußte es 2 bis 3 frauen geben, die in der relativ kurzen Zeit des damaligen Lebens (40..50) jahre so um die 6 bis 8 Kinder zur welt brachten, nur damit ein oder zwei überlebten! An diesem Computer model stimmen also einige der Voraussetzungen keineswegs mit der damaligen Realität überein, den wenn man mit einer so hohen Frauen+Kindersterblichkeit rechnen muss, dann spielen solche dann doch seltenen Erkrankungen eher eine Nebenrolle für die Entwicklung!
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