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Mülltrennung in Deutschland Die gelbe Revolution

Wohin mit Verpackungen? Alternativen zur gelben Tonne
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5. Teil: Projekt Gelb in Grau: Eine Tonne weniger

Bei Mertesdorf in der Nähe von Trier gibt es einen Recyclinghof, der den Großen der Branche gar nicht gefällt: Max Monzel, Geschäftsführer des kommunalen Abfallentsorgers ART Trier, betreibt hier seit April 2009 eine Versuchsanlage, die Wertstoffe aus dem Hausmüll fischen kann - ohne dass die Bürger diesen vorher sortiert haben. Den gelben Sack hält Monzel für überflüssig. Mit der Kampagne "Gelb in Grau" möchte er zeigen, dass Maschinen den Müll besser trennen als die Verbraucher.

Bis zu 20 Prozent des Mülls in der Restmülltonne seien gut wiederverwertbar und zu schade zum Verbrennen. Zwei Monate lang hat Monzel im November und Dezember 2009 den Restmüll von 230.000 Einwohnern mit dem Inhalt ihrer gelben Säcke vermischt und ihn dann von der Versuchsanlage wieder voneinander trennen lassen. "Das Nachsortieren funktioniert technisch ohne Probleme", sagt er. Aus dem Müll könne ein zu rund 97 Prozent reines Kunststoffgemisch gewonnen werden.

Der Trick der mechanisch-biologischen Trocknungsanlage (MBT): Mikrobakterien trocknen den Müll, bevor die verschiedenen Materialien voneinander getrennt werden. So wird verhindert, dass der Abfall aneinander festklebt. Begleitet wird der Versuch von Wissenschaftlern um Thomas Pretz von der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen (RWTH). Die endgültige Auswertung soll in Kürze erfolgen.

Bereits ein Vorversuch 2004 in kleinerem Maßstab hatte gezeigt, dass die Müllsortierung technisch möglich ist. Und sie soll, das hatte eine Schätzung ergeben, rund acht Prozent der Gesamtkosten für die Müllentsorgung in Trier einsparen.

"Man muss das Beste aus dem Abfall machen"

"Es muss ein Umdenken stattfinden", sagt Monzel. "Abfallwirtschaft muss heißen, das Beste aus dem Abfall zu machen - unabhängig von den Interessen etwaiger Systeme." Im Ausland ist das Modellprojekt auf Interesse gestoßen, Delegationen aus verschiedenen europäischen Ländern haben die Anlage in Trier schon besichtigt.

So erfolgversprechend sich Monzels Projekt anhört, so wenig wird es von den Bundesämtern und anderen Entsorgern beachtet. Bei einer Studie des Wirtschaftsministeriums zu alternativen Müllsystemen wird das Projekt nur am Rande erwähnt. Ein Vertreter des Umweltbundesamtes weist auf ein mögliches Problem der gemeinsamen Sammlung von Restmüll und Wertstoffen hin: Die guten Wertstoffe könnten den Restmüllgestank annehmen. Besonders Kunststoffe seien bekannt dafür, schnell Geruch aufzunehmen. Vor kurzem wurde in Wiesbaden ein weiterer Modellversuch für die gemeinsame Verwertung von Restmüll und gelbem Sack kurzfristig abgeblasen - die Kosten seien zu hoch, hieß es aus dem Landesumweltministerium.

Ob die Sortieranlage aus Trier das Abfallsystem wirklich revolutionieren wird, ist deshalb fraglich.

Fazit:

Vorteile Gelb in Grau: Wertstoffe in der Restmülltonne lassen sich maschinell trennen - die Bürger müssen nicht mehr selbst sortieren. Vor dem Haus stünden weniger Tonnen.

Nachteile Gelb in Grau: Alles wird vermischt, es gibt keine extra Tonne für eklige Abfälle mehr, und die Wertstoffe könnten anfangen zu stinken.

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insgesamt 150 Beiträge
xhoch2 21.07.2010
Eine der wichtigsten Errungenschaften nach dem 1945.
Eine der wichtigsten Errungenschaften nach dem 1945.
Gast101 21.07.2010
Mal so nebenbei: Ist sonst noch jemandem aufgefallen, dass der Grüne Punkt von fast allen Verpackungen verschwunden ist? Woran liegt das?
Mal so nebenbei: Ist sonst noch jemandem aufgefallen, dass der Grüne Punkt von fast allen Verpackungen verschwunden ist? Woran liegt das?
rkinfo 21.07.2010
Es wird einfach immer Fehlwürfe geben bei Sortierungen und damit schon lange die Pflicht zur Nachsortierung bei den Verarbeitern. Der Schritt gleich alles erst später zu sortieren ist da nicht mehr weit. Heute kann man selbst [...]
Zitat von sysopDoch macht die Trennung von Werstoffen überhaupt Sinn? Ein neues Gesetz soll jetzt die Abfallwirtschaft revolutionieren.
Es wird einfach immer Fehlwürfe geben bei Sortierungen und damit schon lange die Pflicht zur Nachsortierung bei den Verarbeitern. Der Schritt gleich alles erst später zu sortieren ist da nicht mehr weit. Heute kann man selbst Glas noch als Bruchstücke automatisch nach Farbe sortieren und gute Qualität für Neuglas zu erhalten. Vorsortierung spart Behandlungsaufwand aber man Aufwand und Ergebniss kritisch bewerten. Sicherlich ist es politisch und emotional leichter bei Sortierung zu bleiben. Aber technisch und vor allem weltweit ist die Nachsortierung in gezielt gesäuberte Fraktionen des Müll effizienter.
gemini56 21.07.2010
wie soll das gehen, dezimiert sich davon etwa der Müllberg Es werden größere graue Tonnen benötigt wodurch die jährl. Müllgebühren steigt. Prima Gewinnmaximierung!
wie soll das gehen, dezimiert sich davon etwa der Müllberg Es werden größere graue Tonnen benötigt wodurch die jährl. Müllgebühren steigt. Prima Gewinnmaximierung!
mm2112 21.07.2010
Nein, die Trennung von Müll hat sich überholt. Auch den Bürgern stinkt dieses überholte System, wie man an den Petitionen an den Bundestag erkennen kann, z.B. [...]
Nein, die Trennung von Müll hat sich überholt. Auch den Bürgern stinkt dieses überholte System, wie man an den Petitionen an den Bundestag erkennen kann, z.B. https://epetitionen.bundestag.de/index.php?action=petition;sa=details;petition=9008 (Mal alphabetisch sortieren und nach 'Abfallwirtschaft' suchen) Hier ist dringend Handlungsbedarf - auch um die Pfründe zu kappen, denn Abfall ist doch wohl ein gutes Geschäft für einige.
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Die Abfallrahmenrichtlinie bildet die Basis für das Abfallrecht in der Europäischen Union. Die aktuelle Richtlinie muss von den EU-Mitgliedstaaten bis zum 12. Dezember 2010 in nationales Recht umgesetzt werden. So lange gilt parallel noch die alte Abfallrahmenrichtlinie 2006/12/EG. Ziel der Richtlinie ist es, die Abfallvermeidung und das Recycling in Europa zu fördern und einheitliche Standards in der Abfallwirtschaft zu schaffen.





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