Rätsel um Mumie gelöst Sie ist ein Erdling

Die Mumie sieht aus wie ein Wesen von einem anderen Planeten. Eine Erbgutanalyse jedoch offenbart jetzt traurige Details aus einem irdischen Leben.

Mumie aus Chile
DPA/ Bhattacharya S et al./ CSHL

Mumie aus Chile


Die Herkunft der geheimnisvollen kleinen Mumie aus Chile, die manche als Überreste eines Außerirdischen ansahen, ist enthüllt. Die Analyse des Erbguts zeigt: Das 15 Zentimeter kurze mumifizierte Skelett mit dem bizarr langgezogenen Schädel und den übergroßen Augenhöhlen ist eindeutig das eines Menschen.

Der Fund in einem verlassenen Örtchen in der chilenischen Atacama-Wüste hatte 2003 für Aufsehen gesorgt. Sogar ein Dokumentarfilm über die angeblich außerirdische Herkunft des Miniwesens, nach seinem Fundort Ata genannt, wurde gedreht.

Tatsächlich litt das kleine, wohl durch eine Frühgeburt zur Welt gekommene Mädchen an einer Vielzahl genetischer Mutationen, die diverse Knochen- und Schädelfehlbildungen hervorbrachten, berichten Forscher der University of California in San Francisco und der Stanford University nun im Fachjournal "Genome Research".

"Ziemlich beeindruckend"

Von vielen dieser Genveränderungen wüsste man bereits, dass sie eine Rolle bei Kleinwuchs, der Wirbelsäulenverformung Skoliose und Fehlbildungen an Muskeln und Knochen spielten. Andere Mutationen hingegen seien zwar als mögliche Auslöser von Erkrankungen bekannt, aber bisher noch nie mit solchen Entwicklungsstörungen in Verbindung gebracht worden.

Analyse aus dem Jahr 2013

"Ich hatte über einen Freund von dem Körper gehört und mir ein Foto besorgt. Man kann sich das nicht angucken und denken 'das ist uninteressant'; es ist ziemlich beeindruckend", erinnert sich Mikrobiologe Garry Nolan an den Start der DNA-Sequenzierung vor fünf Jahren.

Heute steht nach einem Abgleich mit Referenzgenomen von Schimpanse und Rhesusaffe fest: Ata war ein Mensch, das Geschlecht weiblich. Ein geografischer Populationsabgleich lässt zudem auf chilenische Herkunft schließen.

Vorzeitig gealtert

Schon bei der ersten Untersuchung waren weitere Ungewöhnlichkeiten aufgefallen: Das kleine Skelett weist nur zehn statt der üblichen zwölf Rippenpaare auf. Außerdem fand der Knochenexperte Ralph Lachman beim Röntgen heraus, dass bestimmte Knochenteile Atas überraschenderweise aussahen wie die eines sechs- oder siebenjährigen Kindes.

Sollte die winzige Ata mit den ungewöhnlichen Deformationen tatsächlich so lange gelebt haben? Nein, folgern die Forscher heute: Ata sei ein Fötus gewesen, habe aber an einer seltenen Erkrankung gelitten, die die Knochen vorzeitig altern lasse.

Dies alles festzustellen, war nur möglich, weil die Wissenschaftler aus Atas Rippen intaktes Erbgut extrahieren und sequenzieren konnten. Das gelang, weil das von der Wüstensonne mumifizierte Skelett nur etwa 40 Jahre alt war.

boj/dpa



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