Ausgegraben

Mumien Ägypter balsamierten Tote bereits vor 5200 Jahren

G. Brunton, Mostagedda / The Tasian Culture (London 1937) Pl. VI.

Die Ägypter begannen erstaunlich früh, ihre Toten einzubalsamieren, zeigt eine Studie. Demnach entwickelte sich die Tradition bereits mehr als tausend Jahre früher als bisher angenommen - am Ende der Jungsteinzeit.

Bevor die Ägypter begannen, ihre Toten einzubalsamieren, überließen sie die Arbeit dem Wüstensand. Die heiße, trockene Erde entzog den Leichen schnell die Flüssigkeit: Das Gewebe konnte nicht verwesen, das Fleisch blieb konserviert. In der späten Jungsteinzeit und der prädynastischen Zeit, 4500 bis 3100 Jahre vor unserer Zeitrechnung, war dies der übliche Weg der Mumifizierung - glaubte man bisher.

Nun haben Forscher Belege dafür gefunden, dass die Ägypter schon viel früher den natürlichen Prozessen mit Einbalsamierungspasten nachhalfen - und zwar über tausend Jahre früher als bisher gedacht. Die ältesten Nachweise stammten zuvor aus dem Jahr 2200 vor Christus.

Die Studie, die im Fachmagazin "PLoS One" veröffentlicht wurde, basiert auf elf Jahren Forschungsarbeit an den Mumien aus dem Friedhof von Mostagedda in Oberägypten. Er gilt als einer der ältesten bekannten Friedhöfe am Nil. In den Leinenbinden, mit denen die Mumien eingewickelt waren, fand das Team um Jana Jones von der australischen Macquarie Universität Spuren von komplizierten Mixturen. "Schon lange war ich fasziniert von den frühen und kryptischen Berichten über die Methoden, mit denen die Toten auf den Friedhöfen von Badari und Mostagedda angeblich behandelt wurden", erklärt Jones.

Bereits im Jahr 2002 hatte sie Proben von Grabtextilien aus den Nekropolen untersucht, die seit den 1930er Jahren auf Museen in ganz Großbritannien verteilt liegen. Unter dem Mikroskop entdeckte sie gemeinsam mit ihrem Kollegen Ron Oldfield Harze, die wahrscheinlich zur Konservierung dienen sollten. Doch um welche Substanzen es sich genau handelte, konnte sie nicht bestimmen. Ebenso wenig wie einige Kollegen aus der Chemie, die sich an den Proben versuchten. Die mysteriöse Paste bestand offenbar aus Zutaten, die so selten vorkommen, dass sie in der gängigen Literatur nicht erwähnt werden.

Das gleiche Rezept über Tausende Jahre

Also bat sie Stephen Buckley von der Universität York in England um Hilfe. Buckley ist Spezialist für organische Verbindungen in archäologischen Kontexten. Er untersuchte die Gewebeproben mit einer Kombination aus biochemischen Analysen. Am Ende konnte er die Substanzen identifizieren, mit denen die Ägypter ihre Toten konservierten: Kiefernharz, ein aromatisches Pflanzenextrakt, Pflanzengummi, eine natürliche Petroleumquelle und ein Pflanzen- oder Tierfett.

Demnach waren die Ägypter wenig experimentierfreudig - denn im Grunde genommen sind dies genau dieselben Substanzen, mit denen sie auch 3000 Jahre später noch ihre Toten einbalsamierten. "Die antibakteriellen Eigenschaften einiger dieser Stoffe und die lokale Konservierung von Gewebe, die sie verursachen, lassen vermuten, dass sie den Anfang einer experimentellen Phase darstellen, die sich in der pharaonischen Zeit zur Mumifizierung entwickelte", deutet Buckley seine Ergebnisse. "Das Erstaunliche ist nur", fügt er hinzu, "dass sie hier in genau denselben Proportionen verwendet wurden, wie die Einbalsamierer sie auch zusammenmischten, als ihre Kunst den Höhepunkt erreicht hatte."

Bemerkenswert ist auch, dass für diese Forschung nicht ein einziger Spaten in die Erde gestochen werden musste. Jones und ihre Kollegen untersuchten lediglich Museumsbestände. "Das zeigt das große Potenzial des Materials, das in den Museumssammlungen lagert", findet Thomas Higham von der Oxford University, der die in der Einbalsamierungspaste getränkten Stoffstücke datierte. "Es kann noch viele neue Informationen über die archäologische Vergangenheit preisgeben. Mit neuen wissenschaftlichen Methoden haben wir ihm noch einmal wertvolle Informationen über die ägyptische Frühgeschichte entlocken können."



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1 Leserkommentar
unimog_andi 17.08.2014

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