Ausgegraben

Ausgegraben - Neues aus der Archäologie Nur jede vierte Mumie hat das Herz am rechten Fleck

Laut Geschichtsschreiber Herodot wurden ägyptischen Toten bei der Mumifizierung die Organe entfernt - Forscher von heute haben ganz andere Erkenntnisse. Außerdem im archäologischen Wochenrückblick: ein gesunkener Holländer und die Sterblichkeit von Facebook.

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Entweder haben Herodot und Diodorus Siculus geschwindelt - oder die ägyptischen Einbalsamierer haben die beiden griechischen Geschichtsschreiber angelogen. Zu diesem Ergebnis kommen die Anthropologen Andrew Wade und Andrew Nelson von der University of Western Ontario in der Zeitschrift "Homo - Journal of Comparative Human Biology".

Mumie von Pharao Ramses III.: Mumifizierung verlief nicht immer gleich Zur Großansicht
DPA

Mumie von Pharao Ramses III.: Mumifizierung verlief nicht immer gleich

Die Forscher untersuchten Obduktionsberichte von 150 Mumien sowie 3-D-Rekonstruktionen aus CT Scans von sieben Mumien aus dem alten Ägypten. Und fanden, dass entgegen der Behauptung der alten Griechen bei weitem nicht alle Einbalsamierer die Eingeweide entfernten und auch nicht immer das Herz am Platz ließen. Herodot behauptet, dass den Reichen ihre Organe chirurgisch entnommen wurden, während den Ärmeren die Organe mittels eines Einlaufs aus Zedernöl aufgelöst wurden.

Zwar weisen die Mumien sowohl sozial hochgestellter als auch gewöhnlicher Ägypter die Schnittwunde zum Entfernen der Organe auf. Hinweise für den Einlauf konnten die Forscher aber gar nicht finden. Etwa ein Viertel der Mumien hatte das Herz noch auf dem rechten Fleck. Und bei einem Fünftel der Toten war das Gehirn im Schädel verblieben - wobei Herodot eingehend beschrieben hatte, wie dieses angeblich entfernt werden musste. "Die Beschreibungen der klassischen Autoren können also bestenfalls als 'Schnappschuss' der Mumifikationstechnik einer bestimmten Werkstatt gelten", schreiben die Autoren.

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thanks-top-info 31.03.2013
dhbvfg 31.03.2013
chris4791 31.03.2013
satissa 31.03.2013
Rollvieh 31.03.2013
migei 01.04.2013
Jan Kleinschnieder 01.04.2013
randhesse 02.04.2013
randhesse 02.04.2013
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Zur Autorin
  • Sabine Bungert
    Angelika Franz ist Archäologin. Als freie Autorin schreibt sie meistens über Kriege, Seuchen und alles, was verwest, verrottet und verfallen ist. Trotzdem ist sie keineswegs morbide veranlagt, sondern findet vielmehr, dass Archäologie die praktischen Dinge des Lebens lehrt. Bei Bedarf kann sie ein Skalpell aus Flint schlagen, in einer Erdgrube Bier brauen oder Hühner fachgerecht mumifizieren.
  • Homepage von Angelika Franz

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Archäologische Methoden der Datierung
Radiokarbondatierung
Das radioaktive Kohlenstoffisotop C-14 wird in der Atmosphäre ständig durch kosmische Strahlung erzeugt und gelangt in Form von Kohlendioxid (CO2) in die Biosphäre. Pflanzen, die CO2 aufnehmen, werden von Tieren und Menschen gegessen. Sie enthalten eine niedrige Aktivität, die überall und über lange Zeiträume gleich ist. Stirbt ein Lebewesen, nimmt es kein C-14 mehr auf und die Aktivität klingt in 5730 Jahren um die Hälfte ab. Je älter ein Fund, desto geringer seine Aktivität. Man kann damit bis zu einem Alter von circa 50.000 Jahren datieren.
Lumineszenzdatierung
Sie beruht auf einem Strahlenschaden durch die fast überall vorhandenen radioaktiven Elemente Uran, Thorium und Kalium. Die Halbwertszeiten der Radionuklide dieser Elemente sind so lang, dass man von einem konstanten Radioaktivitätspegel ausgehen kann. Als Sensoren für die Strahlenschäden verwendet man meist Quarz und Feldspäte, die in Keramik und in Sedimenten immer vorhanden sind. Diese Minerale senden Licht aus, wenn sie erhitzt werden (Thermolumineszenz) oder beleuchtet werden (optisch stimulierte Lumineszenz). Je älter die Keramik, desto stärker das Leuchten.
Stratigraphie
Über die Stratigraphie wird das Alter eines Gegenstands anhand der Erdschicht bestimmt, in der er vorgefunden wurde. Die Schichten (lateinisch Straten) entstehen durch natürliche Ablagerungen und menschliche Aktivitäten. Die Stratigraphie kann deshalb gut mit den anderen Methoden kombiniert werden. Wurde beispielsweise ein Holzstück mit der C-14-Methode präzise datiert, kennt man auch das Alter eines Fundstücks, das in direktem Zusammenhang in derselben Erdschicht lag.