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Genforschung: Oberstes US-Gericht verbietet Patente auf menschliche DNA

DNA (Illustration): Als "Produkt der Natur" nicht patentierbar Zur Großansicht
Corbis

DNA (Illustration): Als "Produkt der Natur" nicht patentierbar

Synthetische DNA kann patentiert werden, die natürliche DNA dagegen nicht: Das hat der US-amerikanische Supreme Court entschieden. Verhandelt wurde der Fall von Myriad Genetics, die Firma hatte sich zwei Brustkrebsgene patentieren lassen.

Das Oberste Gericht der USA hat in einer Grundsatzentscheidung Patente auf menschliches Erbgut verboten. Die menschliche DNA sei ein "Produkt der Natur", das nicht patentiert werden könne, erklärte der Supreme Court am Donnerstag. Künstlich nachgeahmtes Erbgut, sogenannte cDNA, könne aber sehr wohl patentiert werden, "da es nicht von der Natur hergestellt wird", erklärte das Gericht weiter. Die Entscheidung der neun Richter war einstimmig.

Sie entschieden über eine Klage gegen das Pharmaunternehmen Myriad Genetics, das sich Patente auf zwei krebsauslösende Gene gesichert hatte. Dies gab dem Unternehmen bislang die Möglichkeit, Tests für die Gene mit den Abkürzungen BRCA1 und BRCA2 exklusiv zu vermarkten.

Mutationen in diesen Genen können das Risiko für Brust- und Eierstockkrebs deutlich erhöhen. Angelina Jolie, die kürzlich öffentlich machte, dass sie ihre Brüste abnehmen ließ, trägt eine veränderte BRCA-Variante. Die Schauspielerin hatte geschrieben, dass ihr Brustkrebsrisiko deshalb bei 87 Prozent lag.

Teure Tests

Im Gerichtsverfahren warfen die Kläger dem Unternehmen unter anderem vor, die mehrere tausend Dollar teuren Tests seien für viele Patienten unerschwinglich. Zudem blockiere die Patentierung der Gene deren Erforschung durch andere Unternehmen oder Institutionen. Myriads Patente hätten noch bis 2015 Bestand gehabt.

In Europa hatte Myriad seine Monopolstellung auf die BRCA-Tests schon vor einigen Jahren verloren. Das Europäische Patentamt hatte die Verwertungsrechte nach Protesten von Medizinern und Wissenschaftlern modifiziert.

Das Urteil des Obersten US-Gerichts war mit Spannung erwartet worden, weil es Auswirkungen auch auf zahlreiche andere Bereiche der Gentechnik und der Medizin haben dürfte. Patente wurden unter anderem auch im Zusammenhang mit anderen Krebskrankheiten sowie Alzheimer angemeldet.

Das Urteil kann als Kompromiss angesehen werden, da die Patentierung von cDNA möglich bleibt. Da sich einige von Myriads Patenten auf cDNA beziehen, können diese wahrscheinlich bestehen bleiben.

wbr/AFP/Reuters

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insgesamt 23 Beiträge
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1. Endlich
fritzyoski 13.06.2013
Endlich werden diese kriminellen Machenschaften unterbunden. Hoffentlich stehen den Betreibern von Myriad jetzt diverse Millionen Klagen ins Haus. Die ganze DNA Revolution wurde in den 90er Jahren unter Clinton gestarted und durch Steuergelder finanziert. Wenn jemand ein Gen patentieren kann wieso dann nicht auch Zahlen, das Alphabet oder Sauerstoff? Jedes mal wenn man atmet wird eine Gebuehr faellig. So nicht! Jedes mittelmaessig Labor mit den entsprechende Geraeten kann heute Gen-Mutationen feststellen. Dazu bedarf es keiner speziellen Technik oder Forschung. Bei 23andme koennen Sie Ihre gesamte DNA (550K GWAS) fuer laeppische $100 testen lassen. Die sagen Ihnen auch wie es um BRCA1/2 bestellt ist und APOE (Alzheimer Gen).
2. Oha!
Jacky Thrilla 13.06.2013
Zitat von sysopCorbisSynthetische DNA kann patentiert werden, die natürliche DNA dagegen nicht: Das hat der US-amerikanische Supreme Court entschieden. Verhandelt wurde der Fall von Myriad Genetics, die Firma hatte sich zwei Brustkrebsgene patentieren lassen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/myriad-supreme-court-untersagt-patente-auf-menschliche-dna-a-905616.html
Ich fall' ja noch vom Glauben ab!
3. Wie wäre das ...
janatürlich 13.06.2013
... denn mit möglichen Schadenersatzforderungen? Jemand bekommt Brustkrebs, die Firma hat das Patent auf das Gen ... da müssten die doch eigentlich blechen bis zum gehtnichtmehr? So gesehen schade, dass sie es nicht bekommen haben ...
4. Göttin sei Dank!
blauervogel 13.06.2013
In Maßnahmen wie Patente auf Erbgut, Pflanzen und Saatgut, zeigt sich ungeschminkt die Menschenverachtung von Teilen der Wirtschaft.
5. endlich mal eine gute Nachricht
Communities in Victory 13.06.2013
DANKE!
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Das Erbgut
Genom
Das Genom bezeichnet das gesamte Erbgut eines Organismus. Außer bei einigen Viren besteht es immer aus DNA (Desoxyribonukleinsäure). Das Genom beinhaltet den Bauplan für die Produktion sämtlicher Proteine (Eiweißmoleküle), die ein Organismus zum Leben benötigt. Ein Gen ist ein Sequenzabschnitt auf dem Genom und beinhaltet die Erbinformation für ein Protein. Die einzelnen Bausteine der DNA sind vier verschiedene Basen: A, C, T und G.
Messenger-RNA (mRNA)
Die mRNA ist eine Art Genabschrift oder Blaupause der DNA. Nur die mRNA kann von den Proteinfabriken der Zellen, den sogenannten Ribosomen gelesen werden. Sie gibt ihnen vor, in welcher Reihenfolge Aminosäuren - die Bausteine von Proteinen - für das jeweilige Protein zu verknüpfen sind.
Codon
Ein Codon ist eine Folge von drei Bausteinen (Nukleotiden oder Basen) der DNA und analog auch der mRNA. Ein Codon steht für eine bestimmte Aminosäure oder als Stoppsignal, welches das Ende einer Bauanweisung für ein Protein kennzeichnet.
Genetischer Code
Der genetische Code ist die Zuordnung der Basen-Dreiergruppen und der Aminosäuren. Da vier verschiedene Basen zur Auswahl stehen, umfasst der genetische Code insgesamt 64 Codons. Für die meisten Aminosäuren gibt es daher mehr als ein Codon. So stehen beispielsweise die Codons CAG und CAA für die gleiche Aminosäure, die Glutaminsäure.
Transfer-RNA (tRNA)
Die tRNAs übernehmen eine Adapterfunktion beim Bau der Proteine: Jede tRNA hat auf der einen Seite jeweils ein sogenanntes Anticodon, das passend zum Codon auf der mRNA ist. Auf der anderen Seite ist sie mit der zugehörigen Aminosäure beladen. Auf diese Weise wird der genetische Code auf der mRNA abgelesen und in die entsprechende Aminosäurekette zum Protein verwandelt. Dieser Prozess geschieht in den Ribosomen.


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