Mysteriöse Mumie Mädchenopfer zu Ehren einer Kriegerin

Ein spektakulärer Mumienfund in Peru gibt Forschern Rätsel auf: Die junge Frau, die vor rund 1600 Jahren gestorben ist, trug komplexe Tätowierungen und wurde mit Waffen auf ihre letzte Reise geschickt. War sie eine adlige Kriegerin?


Als die Frau im Alter von etwa 30 Jahren starb, befand sich die Mochica-Kultur auf ihrem Höhepunkt. Lange vor dem Aufstieg der Inkas ließ das Volk gewaltige Bauten in den Himmel ragen - darunter die 63 Meter hohe Sonnen- und die 42 Meter hohe Mondpyramide, die zu den höchsten historischen Bauten Südamerikas zählen.

In der Nähe einer solchen Pyramide, der Huaca Cao Viejo im Norden Perus, haben Forscher nun auch die Mumie der jungen Frau entdeckt - bestattet in einem prunkvollen Grab, eingewickelt in Hunderte Meter Baumwollstoff, flankiert von dem Skelett eines offenbar geopferten Mädchens. Das Seil, mit dem es erwürgt wurde, hing noch um seinen Hals. Eine Datierung mit dem Radiokarbon-Verfahren hat nach Angaben der beteiligten Wissenschaftler ergeben, dass das Seil aus der Zeit um das Jahr 450 stammt.

Noch erstaunlicher als den Schmuck, die Halbedelsteine und die Tätowierungen auf dem Körper der Bestatteten, die Bären und mythische Wesen zeigen, finden Archäologen eine ganz andere Art der Beigabe: zahlreiche Waffen. Zwei zeremonielle Keulen und 28 sogenannte Speerschleudern - Stöcke, die Reichweite und Durchschlagskraft eines Speers enorm erhöhen - befanden sich in dem Grab.

"Sie ist ein Mysterium"

Obwohl bereits Tausende Mochica-Gräber bekannt sind, haben Forscher noch nie Waffen bei einer Frau dieser Kultur gefunden. "Sie gehörte zur gesellschaftlichen Elite, aber sie ist ein Mysterium", sagte John Verano, Anthropologe der Tulane University und Mitglied des Entdeckerteams. "Vielleicht war sie eine Kriegerin, oder aber die Keulen und Speerschleudern waren Symbole der Macht, die Männer als Grabbeigaben gespendet haben", sagte Verano der "New York Times".

Christopher Donnan, der die Mumie inspizierte, zeigte sich ebenfalls beeindruckt: "Das Grab gehört zu den reichsten, die jemals aus der Zeit der Mochica-Kultur gefunden wurden. Es vereint Dinge, die normalerweise entweder ausschließlich in Frauen- oder in Männergräbern auftauchen", erklärte der Forscher der University of California in Los Angeles. Ein Teil der Forschungsergebnisse soll in der Juni-Ausgabe der Zeitschrift "National Geographic" veröffentlicht werden.

Offen ist, woran die mutmaßliche Kriegerin gestorben ist. Röntgenaufnahmen haben laut Verano ergeben, dass sie eine junge Erwachsene in den besten Jahren war: Viele der Mochica seien 60 oder gar mehr als 70 Jahre alt geworden. Eine Todesursache war aus den Aufnahmen allerdings nicht zu erkennen.

mbe/AP



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