Mythos entlarvt Mozart-Musik macht nicht intelligenter

Der sogenannte Mozart-Effekt ist nicht mehr als ein Mythos. Österreichische Wissenschaftler haben endgültig klargestellt, dass die Musik des Salzburger Komponisten die Intelligenz nicht steigern kann.

Neugeborene mit Kopfhörer: "ich empfehle jedem, Mozarts Musik zu hören."
AFP

Neugeborene mit Kopfhörer: "ich empfehle jedem, Mozarts Musik zu hören."


Wien - Der Effekt schien verblüffend: Im Jahr 1993 hatte ein Psychologenteam um Frances Rauscher von der University of Wisconsin in Oshkosh über verbesserte Leistungen nach dem Hören von Mozarts Musik berichtet. Die Wissenschaftler erklärten, das Hören der Sonate für zwei Klaviere in D-Dur (Köchelverzeichnis-Nummer 448) habe bei Probanden kurzfristig das räumliche Vorstellungsvermögen verbessert.

Mozart hatte das Stück 1781 komponiert - und die Ergebnisse der Studie freuten heutige Musikvermarkter zutiefst. Denn der Artikel fand international viel Beachtung. Zumindest in einigen Kreisen wurden die Mozartklänge als magisches Mittel zur Steigerung des IQ von Kindern gefeiert. Viel Geld ließ sich verdienen. Doch es gab auch Zweifler. Kollegen klagten, Rauschers Ergebnisse ließen sich nicht ohne weiteres reproduzieren. Im Jahr 1999 hatte der US-Psychologe Christopher Chabris dann den Einfluss von klassischer Musik auf Menschen systematisch untersucht - und keine Verbesserung bei der Intelligenz feststellen können.

Österreichische Forscher um Jakob Pietschnig von der Universität Wien holten jetzt zum finalen Angriff auf den Mozart-Effekt aus: Für eine Überblicksstudie schauten sie sich insgesamt 39 Einzelarbeiten mit mehr als 3000 Testpersonen zu dem Thema an. Die Ergebnisse werden nun im Fachmagazin "Intelligence" veröffentlicht. Und die sind ernüchternd: Die Musik des Wunderkindes hat de facto keinen positiven Effekt auf das räumliche Vorstellungsvermögen.

Das Fazit von Forscher Pietschnig fällt deswegen eindeutig aus: "Ich empfehle jedem, Mozarts Musik zu hören. Aber die Erwartung, dadurch eine Steigerung der eigenen kognitiven Leistungsfähigkeit zu erzielen, ist nicht erfüllbar."

chs/dpa

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