Nach 14 Monaten Reparatur Weltgrößter Teilchenbeschleuniger läuft wieder

Sein Bau verschlang drei Milliarden Euro und dauerte 13 Jahre. Dann fiel der größte Teilchenbeschleuniger LHC erst einmal für 14 Monate aus. Sein Neustart wurde mehrfach verschoben. Doch jetzt verkündet die Europäische Organisation für Kernforschung: Er läuft.

DPA

Genf - Immer wieder hat sich die Wiederinbetriebnahme des defekten Large Hadron Collider (LHC) verschoben, zuletzt im September. Damals hieß es, der drei Milliarden teure Teilchenbeschleuniger solle im Oktober wieder anlaufen. Jetzt ist es noch etwas später geworden.

Nach monatelangen Reparaturarbeiten ist der größte Teilchenbeschleuniger der Welt wieder angelaufen. Die Europäische Organisation für Kernforschung (Cern) in Genf nahm den LHC nach eigenen Angaben am Freitag wieder in Betrieb. Die ersten Versuche hätten am Nachmittag gegen 16 Uhr begonnen, sagte Cern-Sprecher James Gillies. Dabei seien Protonen für den Bruchteil einer Sekunde in den 27 Kilometer langen LHC-Tunnel geschossen worden. Am Samstagmorgen soll ein Protonenstrahl mehrere Minuten lang in dem unterirdischen Rund zirkulieren.

Mit dem Teilchenbeschleuniger an der französisch-schweizerischen Grenze sollen wissenschaftliche Rätsel zur Entstehung des Universums und Struktur der Materie gelöst werden. Er war vor 14 Monaten wegen schwerer Pannen kurz nach der Inbetriebnahme gleich wieder abgestellt worden.

Auf 13 Jahre Bauzeit folgten 14 Monate Reparatur

Der 27 Kilometer lange Beschleunigerring des LHC war im vergangenen Jahr nach 13 Jahren Bauzeit in Betrieb gegangen. Doch schon nach wenigen Tagen kam die Ernüchterung: Am 19. September waren durch eine fehlerhafte elektronische Verbindung zwei Magnete im LHC ausgefallen.

In der Folge strömte eine große Menge Helium in den Tunnel und beschädigte einen Bereich davon schwer. Das Helium soll eigentlich dabei helfen, die supraleitenden Magneten zu kühlen, die den Protonenstrahl auf einer Kreisbahn halten.

Die Reparaturarbeiten konnten nur langsam starten, weil die Magnete des betroffenen Sektors langsam wieder aufgewärmt werden mussten. Nun, so erklärte das Cern, habe man sich entschieden, auch die Magneten in einem weiteren Sektor aufzuwärmen, um sie besser analysieren zu können. Ein spezielles Schutzsystem, das neue Quench Protection System (QPS), soll außerdem dafür sorgen, dass die Folgen bei möglichen zukünftigen Magnetproblemen im LHC weniger gravierend ausfallen. Man hoffe, dass das System ab dem Spätsommer einsatzbereit sei.

In der Anlage sollen Protonen bis fast auf Lichtgeschwindigkeit beschleunigt werden und dann aufeinander prallen. Von den Experimenten erhoffen sich die Wissenschaftler Aufschluss über Fragen wie die Entstehung des Universums und die Struktur der Materie.

otr/AFP



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