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Nach Angriffen auf Flugzeuge: Laser sollen in Australien als Waffen gelten

Australien reagiert auf Laser-Blend-Attacken gegen landende Flugzeuge: Wer ohne Berechtigung einen Laser mit sich führt, riskiert eine hohe Geld- oder gar Gefängnisstrafe. Mehrfach mussten Piloten beim Landeanflug in Australien durchstarten, weil sie mit Laserstrahlen geblendet worden waren.

Womöglich haben sich ein paar Leute nur einen Spaß gemacht - doch er hätte fatale Folgen haben können: Mehrfach waren in den vergangenen Wochen Flugzeuge in Australien beim Landeanflug mit Lasern geblendet worden. Die Männer im Cockpit sahen nur noch hellgrünes Licht, als sie sich beispielsweise gerade dem Flughafen Sydney näherten. Den Piloten blieb nichts anderes übrig als durchzustarten und auf eine andere Landebahn zu wechseln.

Nachdem vor drei Wochen an einem Abend binnen weniger Minuten gleich sechs Cockpit-Besatzungen der internationalen Qantas Airways und der inneraustralischen Gesellschaften Qantaslink und Eastern Australia Airlines mit Lasern attackiert worden waren, sprach die Flugsicherheitsbehörde Air Service Australia vom "ersten gebündelten Laserangriff".

Nun wollen Politiker des Landes gegen die gefährlichen Angriffe mit neuen Gesetzen vorgehen: Laser sollen künftig in Australien ähnlich behandelt werden wie Schusswaffen. Der Bundesstaat New South Wales (NSW), in dem auch die australische Großstadt Sydney liegt, plant Strafen bis zu 5000 australischen Dollar für all jene, die einen kleinen Laser ohne Grund mit sich führen. Die Strafe entspricht etwa 3000 Euro. Lehrer, Astronomen oder Architekten beispielsweise sollen aber auch weiterhin Lasergeräte besitzen dürfen.

Noch härtere Strafen sind nach Angaben des NSW-Premierministers Morris Iemma für den unberechtigten Besitz leistungsstarker Geräte der Klassen 3 und 4 vorgesehen: Es drohen Gefängnisstrafen bis zu 14 Jahren. "Es dauert nur den Bruchteil einer Sekunde, damit ein Pilot zeitweilig erblindet", sagte Iemma der Zeitung "Sydney Morning Herald". Der Missbrauch der Geräte könne zu Massenmord führen.

In Deutschland unterliegt der Handel mit Lasergeräten keinen gesetzlichen Restriktionen. "Jeder darf einen leistungsstarken Laser der Klassen 3 oder 4 kaufen und zum Beispiel in seinem Keller nutzen", sagte Diethelm Stehr, Experte für Lasertechnik beim TÜV Nord im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Sobald der Laser aber gewerblich oder öffentlich eingesetzt werde, müssten die Betreiber die Fachkunde als Laserschutzbeauftragter nachweisen - der sogenannte Laserführerschein.

Laser der Klassen 3 und 4 sind gefährlich: Sie können die Netzhaut zerstören, Haut verbrennen, Kleidung in Brand setzen. Laserpointer, die zur Klasse 2 gehören, sind im Vergleich dazu harmlos, weil sie zumindest keine dauerhaften Schäden verursachen, wenn man nur kurz in die Lichtquelle blickt.

Potentielle Nachahmer von Laserattacken wie in Australien warnt der TÜV-Experte Stehr ausdrücklich: "Wer mit einem Laser Autofahrer oder Piloten blendet, macht sich strafbar."

hda

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Laserangriff: Pilot geblendet im Landeanflug


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