Nachgebaute Waffe Archimedes' Todesstrahl lässt Schiffe glühen

Die Strahlenkanone des Archimedes gehört zu den Mythen der Antike. Einst soll damit eine ganze römische Flotte in Flammen gesetzt worden sein. US-Forscher haben die Wunderwaffe aus alter Zeit jetzt nachgebaut.


Archimedes war nicht nur ein genialer Mathematiker, sondern auch ein begnadeter Techniker. Als römische Truppen vor 2200 Jahren seine Heimatstadt Syrakus belagerten, entwickelte er diverse Kampfmaschinen, die den Römern Angst und Schrecken eingejagt haben sollen - beispielsweise Wurfmaschinen und Greifarme, die feindliche Boote packten und in Stücke rissen.

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Antike Waffentechnik: Test der Strahlenkanone

Die spektakulärste von Archimedes ersonnene Waffe war jedoch eine Strahlenkanone. Spiegel aus Bronze oder Glas sollen das Licht der Sonne konzentriert und auf die Schiffe der römischen Flotte gerichtet haben. Diese gingen, so die Überlieferung, reihenweise in Flammen auf.

Forscher des Massachusetts Institute of Technology und der University of Arizona sind diesem Mythos der Antike jetzt auf den Grund gegangen. Sie konstruierten zwei verschiedene Spiegel und versuchten damit ein 80 Jahre altes Fischerboot in Brand zu setzen.

Das Experiment misslang jedoch. Der rund 30 Quadratmeter große Spiegel der MIT-Wissenschaftler brachte das Holz der Schiffs aus 50 Meter Entfernung nur zum Glimmen. Erst als die Distanz auf knapp 25 Meter verringert wurde, entstand eine kleine Flamme, die jedoch schnell von allein wieder erlosch.

Der Spiegel, den die Wissenschaftler vom Arizona Lunar and Planetary Laboratory konstruierten, erzeugte weder Feuer noch Rauch. Die Wissenschaftler hatten die Spiegel wie die Blätter einer Blüte angeordnet.

MIT-Professor David Wallace sagte, das Experiment habe gezeigt, dass die Strahlenkanone technisch möglich sei. Die Frage aber, ob Archimedes damit römische Schiffe zerstört habe, sei nicht geklärt worden. "Wer kann sagen, ob Archimedes es getan hat oder nicht?" Man könne lediglich sagen, dass es sich um eine extrem unpraktische Kriegswaffe gehandelt habe.

Peter Rees vom TV-Kanal Discovery Channel sagte, der Todesstrahl des Archimedes sei sehr wahrscheinlich ein Mythos der Antike. Der Fernsehsender hatte die Experimente mit der Spiegelwaffe als Sponsor unterstützt. Rees zeigte sich gleichwohl beeindruckt von den prinzipiellen Möglichkeiten einer Strahlenkanone: "Wenn diese Waffe funktioniert hätte, wäre sie in der antiken Welt das Äquivalent zur Atombombe gewesen."



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insgesamt 113 Beiträge
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Seite 1
Liopleurodon, 24.10.2005
1.
---Zitat von sysop--- Die Strahlenkanone des Archimedes: Vielleicht war sie doch mehr als ein Mythos. US-Forscher experimentierten nach den Plänen des Denkers aus Syrakus. Sollte sich die moderne Wissenschaft wieder mehr mit Ideen der Antike beschäftigen? Liegt hier ungenutztes Wissen brach oder sind solche Unternehmen Zeitverschwendung? ---Zitatende--- Kommt drauf an. Die Strahlenkanone des Archimedes kenne ich zwar nicht. Aber wenn ich mich recht erinnere, ist bis heute immer noch nicht wirklich klar, wo denn das sagenhafte Land "Punt" lag, aus dem die Ägypter ihre Diamanten bezogen. Das würde die heutigen Bewohner von "Punt" aber sicher brennend interessieren... Also warum nicht?
Alena 24.10.2005
2. Myrrhe für Amun!
---Zitat von Liopleurodon--- Kommt drauf an. Die Strahlenkanone des Archimedes kenne ich zwar nicht. Aber wenn ich mich recht erinnere, ist bis heute immer noch nicht wirklich klar, wo denn das sagenhafte Land "Punt" lag, aus dem die Ägypter ihre Diamanten bezogen. ---Zitatende--- Es war der Weihrauch, nicht die Diamanten. :-) Soweit ich weiß, nimmt man heute die Grenzregion zwischen Äthiopien und Sudan für die Lage von Punt an.
Alzheimer, 24.10.2005
3.
Die Archimedische Strahlenkanone klingt mir sehr nach Erich von Däniken. Untergegangene Hochkulturen waren jedoch zu sehr hohen technischen Leistungen fähig. Die alten Römer hatten bereits z.B. an Vorformen der Dampfmaschine experimentiert, von Fußbodenheizung, Aquädukten, Feuerspritzen aus Bronze, etc. pp. nicht zu reden. So richtig lehrreich ist der Niedergang: Die damalige Globalisierung bestand in der Einverleibung von Provinzen. Getreide und andere Lebensmittel, sowie Sklaven wurden von dort billig herangeschafft. Einheimische Bauern wurden nicht mehr benötigt. In Rom bildeten sie das freie Proletariat, das mit "panem et circenses" bei Laune gehalten werden mußte. Heute sind es Harz IV und RTL.
Liopleurodon, 24.10.2005
4. Technisches in der Antike
Sehr interessant ist in diesem Zusammenhang auch das Buch von James Paton Isaac: "Factors in the Ruin of Antiquity. A Criticism of Ancient Civilization". Kernthesen sind dort: a) Die Römer sind in vielen Bereichen, vor allem in Landwirtschaft, Bergbau und Schifffahrt, nicht über das vorrömische Niveau hinausgekommen. b) Gerade Technisches lag den Leuten der Antike gar nicht so sehr - es waren überwiegend Schöngeister. c) Es gab zu römischer Zeit so gut wie keine Anreize, gute Ideen/Erfindungen auch weiterzuführen. Sklaven waren viel billiger, unter manchen Kaisern war es geradezu lebensgefährlich, reich zu sein, und Handelsgesellschaften waren ganz offiziell verboten. d) Durch die finanzielle Auspressung der eigenen Bevölkerung geriet die Mehrheit der Bürger schon zu römischer Zeit wegen Überschuldung in die Leibeigenschaft. Dadurch fehlte ein wesentlicher Motor für Innovationen. e) Dass die Römer trotz des technischen Stillstandes und der permanenten Geldnot des Staates lange Zeit nicht in Schwierigkeiten gerieten, lag hauptsächlich daran, dass ihre äußeren Feinde gerade im 1. und 2. Jahrhundert ungewöhnlich ruhig blieben. f) Der technologische Unterschied zwischen dem Römischen Reich und dem Mittelalter ist geringer als vielfach angenommen, eben wegen des langen Stillstandes zu römischer Zeit.
chutspe, 24.10.2005
5.
Hallo! Vielleicht wäre das Experiment ja gelungen, hätten die Forscher den Strahl auf das Segel gerichtet und nicht auf das Holz. Tschüß Johannes
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