Nachhaltigkeit im Alltag Obst und Gemüse klüger einkaufen

Die Kiwis schmecken so lecker, die Äpfel aus Südafrika auch! Aber ist es gut, sie zu essen? Im Nachhaltigkeitstraining von SPIEGEL WISSEN erfahren Sie, wie Sie Frisches einkaufen und zugleich Ressourcen schonen.

Clara de Villiers/SPIEGEL WISSEN


Den eigenen Alltag so ausrichten, dass Ressourcen geschont werden? Das finden laut Statistiken drei Viertel der Deutschen wichtig. Wenn Sie sich für dieses Training angemeldet haben, gehören Sie wahrscheinlich zu dieser Mehrheit. Dennoch ist das Thema Nachhaltigkeit für die meisten von uns auch ambivalent: Es soll nicht zu kompliziert werden, uns nicht zu viel Zeit oder Komfort kosten - und dennoch wollen wir gern etwas tun.

Unser Acht-Wochen-Training setzt deshalb ausschließlich an Punkten an, die Sie leicht und ohne viel Zeitaufwand verändern können - und die Umwelt effektiv schützen. "Viele der Aufgaben und Übungen werden Ihnen wahrscheinlich sogar Freude machen", sagt Leena Volland, die zusammen mit Florian Schreckenbach das Blog NACHHALTIG-SEIN.info betreibt. Die beiden haben das Training in Zusammenarbeit mit SPIEGEL WISSEN entwickelt.

In der ersten Woche geht es um den Einkauf von frischen Produkten. Wir alle wissen, dass die Obst- und Gemüsetheken in den Supermärkten voll mit Grünzeug aus Übersee sind, das hier gar nicht wächst oder gerade keine Saison hat. Bei manchen Angeboten wissen wir sofort, dass sie nicht besonders ökoverträglich sind - und lassen sie liegen.

Häufig kaufen wir aber auch so gewohnheitsmäßig ein, dass uns entgeht, wenn Trauben oder Zwiebeln aus Südafrika oder Australien in unserem Einkaufskorb landen. Hier setzen wir an: Wir starten damit, frische Ware von Birne bis Brokkoli (noch) bewusster und klüger einzukaufen als bisher.

Basis-Übung

Kaufen Sie sieben Tage lang nur regionales und saisonales Gemüse und Obst. Ein Blick auf den Saisonkalender zeigt: In dieser Woche werden bei uns Blumenkohl, Tomate, Gurke, Spargel, Fenchel und Champignons frisch geerntet. Außerdem Kopf- und Feldsalat. Beim Obst sind es vor allem Erdbeeren und Äpfel (aus Lagerbeständen), die regional zu kriegen sind, mit Glück auch erste Süßkirschen.

Greifen Sie in dieser Woche bewusst zu diesen saisonalen Produkten. Und nehmen Sie sich ein wenig Zeit, im Supermarkt die Herkunftsländer auf den Etiketten zu studieren. Registrieren Sie dabei auch, was normalerweise nach Gewohnheit in Ihrem Einkaufswagen landen würde. Oft wundert man sich bei genauerer Betrachtung, wie viel Obst auch Ende Mai noch von anderen Kontinenten stammt (Trauben, Melonen, Äpfel).

Wenn Sie unter Ihren Gewohnheitskäufen ein paar echte Fehlgriffe entlarven: Gut so! Sie wissen nun mehr. Und werden merken, dass Sie in Zukunft eher zwei Mal aufs Etikett schauen werden. Ansonsten: viel Freude beim Einkaufen und Zubereiten. (Saisonkalender gibt es übrigens als Apps, etwa GrünZeit oder Saisonkalender)

Weiterführender Tipp

Ausnahmen machen. Sie lieben Ananas, Kiwis, Bananen? Oder brauchen auch in Herbst und Winter ab und zu frische Tomaten zu Ihrem Glück? Lassen Sie Ausnahmen für sich zu: Kaufen Sie sich aber Ihre Ananas aus Übersee oder Tomaten außerhalb der Saison auf jeden Fall in der Bio-Variante. Und genießen Sie diese besonderen Produkte bewusst!

Nutzen

Was bringt es der Umwelt? Wenn Sie frische Produkte vorwiegend regional und saisonal kaufen, bewirken Sie viel:

  • Sie fördern den Klimaschutz und helfen, Energie zu sparen (kurze Transportwege, reduzierter CO2-Verbrauch). Saisonal nämlich bedeutet auch, dass Obst und Gemüse nicht im beheizten Gewächshaus angepflanzt werden.
  • Wenn Sie zu Bio-Lebensmitteln greifen, bedeutet das: keine Pestizide, der Anbau schützt damit beispielsweise auch Bienen und andere Insekten.
  • Sie fördern den Bodenschutz: Denn Öko-Landwirtschaft führt zu verbesserten Böden.

Kleine Veränderungen können also eine ziemlich große Wirkung haben. In diesem Sinne wünschen wir Ihnen eine schöne Woche und ein schönes Training.

Das SPIEGEL-WISSEN-Team

In machbaren Schritten zu mehr Nachhaltigkeit? Mit dem Training von SPIEGEL ONLINE und SPIEGEL WISSEN ist das spielend leicht möglich.

Jeden Freitag bekommen Sie eine neue, einfache Anregung für umweltfreundlicheres Verhalten im Alltag. Bestellen Sie direkt hier:

Mehr zum Thema
Newsletter
Nachhaltigkeitstraining


insgesamt 6 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
taglöhner 26.05.2017
1. Fake News
Bio heißt nicht keine Pestizide, sondern andere Pestizide. Wichtig heutzutage, korrekt zu bleiben. Bei mehrfach höherem Landschaftsverbrauch übrigens.
Zitrone! 26.05.2017
2.
Deutsche Tomaten Ende Mai ohne beheiztes Gewächshaus? Das ist doch wohl ein Witz. Selbst beim Blumenkohl habe ich Zweifel. Wann soll denn der gewachsen sein? Na, vielleicht am Oberrhein, wir jedenfalls hatten kürzlich noch Nachtfrost. Vielleicht ist italienischer Blumenkohl (Freiland) doch nicht so viel schlechter als deutscher (Gewächshaus oder Folie). Aber der Grundgedanke, lokal und saisonal einzukaufen, ist natürlich richtig. Und man könnte natürlich auch überlegen, ob europäischer Leinsamen nicht mindestens genauso gut ist wie mexikanische Chiasaat ...
wdiwdi 26.05.2017
3. Äpfel aus Lagerbeständen?
Ich dachte, es wäre mittlerweile geklärt, dass gegenüber einer mehr als halbjährigen Kühlhauslagerung hierzulande ein frischer Apfel sogar aus Neuseeland die bessere Ökobilanz hat...
cindy2009 26.05.2017
4. So isses
Zitat von wdiwdiIch dachte, es wäre mittlerweile geklärt, dass gegenüber einer mehr als halbjährigen Kühlhauslagerung hierzulande ein frischer Apfel sogar aus Neuseeland die bessere Ökobilanz hat...
Genau so ist es. Es gibt keine endgültigen Regeln. Selbst der Bauer im Nachbarhaus kann für seine Sau "schweinischer" produzieren, als der nächste Nachbar in Großraumställen. Ach Moment - es ging ja um Obst und Gemüse. Sorry für den Vergleich;-)
joernthein 27.05.2017
5. Anstoß
Ich war neugierig auf Euer Nachhaltigstraining. Eigentlich habe ich nichts Besonderes erwartet. Bin also überrascht ob der Güte eurer Empfehlungen. Ihr schreibt mir nicht vor, was richtig und falsch ist. Ihr gebt mir "nur" die Anleitung hinzusehen, nachzudenken und Bewusstsein zu entwickeln um ressoucenschonende/nachhaltige zu leben. Also, auch eine soziale und somit gemeinschaftliche Lebensweise zu "betreiben". Zu begreifen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.