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Nachwuchs: Schlemmen steigert Chance auf Jungen

Frauen, die sich einen Jungen wünschen, sollten vor der Zeugung kräftig essen: Kalorienreiche Speisen sorgen laut einer britischen Studie eher für männlichen Nachwuchs als Diätkost. Steht ein Jahrzehnte altes Rätsel vor der Lösung?

London - Es ist ein Mysterium: In gut entwickelten Ländern sinkt die Zahl der neugeborenen Jungen seit Jahrzehnten langsam, aber merklich. Auf 1000 Geburten kommt jedes Jahr ein Junge weniger. Warum das so ist, war bislang nicht recht klar. Wissenschaftler um Fiona Mathews von der University of Exeter haben nun eine Theorie: Die Forscher, die ihre Ergebnisse im Fachblatt "Proceedings of the Royal Society" vorstellen, glauben, dass die Ernährung der Mütter eine wichtige Rolle spielt.

Schwangere: Von den Frauen, die den höchsten Kalorienkonsum hatten, bekamen 56 Prozent Jungen
DDP

Schwangere: Von den Frauen, die den höchsten Kalorienkonsum hatten, bekamen 56 Prozent Jungen

Mathews und ihre Kollegen hatten 740 schwangere Frauen in Großbritannien nach ihren Essgewohnheiten vor der Zeugung des Kindes und zu Beginn der Schwangerschaft befragt. Alle waren zum ersten Mal schwanger und wussten noch nicht, welches Geschlecht ihr Nachwuchs haben würde.

Die Forscher teilten die Schwangeren entsprechend ihres Kalorienkonsums in drei Gruppen ein. Von den Frauen, die den höchsten Konsum hatten, bekamen 56 Prozent Jungen, von den Frauen mit der kalorienärmsten Ernährung bekamen nur 45 Prozent männlichen Nachwuchs. Auch die Einnahme vieler unterschiedlicher Mineralien, Vitamine und Spurenelemente sowie ein regelmäßiges Frühstück mit Getreideflocken scheinen eher die Geburt eines Jungen zu begünstigen.

Das könnte möglicherweise den stetig sinkenden Anteil von Jungen an Neugeborenen erklären, glauben die Forscher. Denn in den Industrieländern sei die Kalorienaufnahme in den vergangenen Jahrzehnten gefallen - trotz des Trends zu Übergewicht, das eher auf fehlende Bewegung und Lebensmittel mit höherer Energiedichte zurückzuführen sei.

Die Muster, die Mathews und ihre Kollegen beobachtet haben, gibt es auch im Tierreich: In Zeiten des Überflusses steigt die Anzahl männlicher Nachkommen, während sie in Notzeiten sinkt - der Theorie nach eine Strategie, mit der die Tiere ihrem Nachwuchs die größtmöglichen Überlebenschancen sichern.

Dazu passe, dass beim Menschen die Gabe von Zucker bei In-vitro-Befruchtungen das Wachstum von männlichen Embryonen fördert und das von weiblichen hemmt, schreiben die Forscher. Möglicherweise ist es also der höhere Blutzuckerspiegel bei reichhaltigerem Essen, der die Geburt von Jungen begünstigt. Allerdings könnten auch Faktoren, die nur indirekt mit der Ernährung zusammenhängen, nicht ausgeschlossen werden.

chs/AFP/ddp

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