Namens-Überraschung: Gestatten, Marx Planck

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Sonderbriefmarke zu Ehren von Max Planck: "Mich bringt das nicht aus der Ruhe"

Aufregender Fund im Kieler Kirchenarchiv: Max Planck, einer der berühmtesten Physiker Deutschlands, hieß offiziell gar nicht Max, sondern Marx Planck. Was nach einem späten Aprilscherz klingt, haben Historiker jetzt bestätigt. Gibt es bald Marx-Planck-Institute?

Kurz vor der Pensionierung noch solch eine Aufregung. Doch Anneliese Detlefsen, Sachbearbeiterin beim Kirchenkreis Kiel, bleibt entspannt und ausnehmend freundlich. "Mich bringt das nicht aus der Ruhe", sagt sie lächelnd. Dabei hätte sie allen Grund für einen schnellen Puls, denn in ihrem Archiv wurde eine sensationelle Entdeckung gemacht: Der NDR-Reporter Karl Dahmen will in alten Kieler Kirchenbüchern des Jahres 1858 herausgefunden haben, dass der Physiknobelpreisträger Max Planck, der Entdecker der Quantenphysik, in Wirklichkeit ganz anders hieß - nämlich Marx Planck.

Marx war eine früher gebräuchliche Übertragung des ursprünglich lateinischen Namens Marcus ins Deutsche. Unter anderem trägt ein Wiener Stadtteil diesen Namen: Sankt Marx, benannt nach dem Heiligen und Evangelisten. Der Komponist Wolfgang Amadeus Mozart etwa ist auf dem Sankt Marxer Friedhof beerdigt.

In Kiel scheint die Sache klar: "Wir haben zwei Einträge", sagt Anneliese Detlefsen: Karl Ernst Ludwig Marx Planck, Rufname Marx, getauft in der St.-Nikolai-Gemeinde zu Kiel. Im Original des Kirchenbuchs, geschrieben in lateinischen Buchstaben, wie auch in dessen zeitnah angefertigter Kopie - abgefasst in der altdeutschen Schrift - heiße es ganz eindeutig: Marx. Abgezeichnet von Pastor Carl Friedrich Hasselmann und damit bis heute amtlich gültig. Einwohnerämter wurden in Schleswig-Holstein nämlich erst 1874 eingeführt, 16 Jahre nach Plancks Geburt am 23. April 1858.

"Kann man kaum glauben, nicht wahr?", fragt Detlefsen voller Freude. Matthias Wünsche, der Pastor von Sankt Nikolai, hat das Original des Kirchenbuchs eben erst aus dem Archiv holen lassen. Auch er will sich die ganze Angelegenheit noch einmal genauer ansehen.

"Ich habe zunächst nicht begriffen, dass da Marx stand"

NDR-Reporter Dahmen hat keine Zweifel an seiner Entdeckung, auch wenn sie ihm am Anfang ebenfalls merkwürdig vorkam. Eigentlich hatte er nur herausfinden wollen, wer die Taufpaten von Planck waren, der in diesem Jahr seinen 150. Geburtstag gefeiert hätte. Um das herauszufinden, stöberte Dahmen zunächst in der Schreibschrift-Kopie des Kirchenbuchs, denn das Original ist für Hobbyforscher und Journalisten eigentlich zu wertvoll und damit tabu. "Ich habe zunächst überhaupt nicht begriffen, dass da Marx stand", sagt Dahmen zu SPIEGEL ONLINE. Erst Experten der schleswig-holsteinischen Landesbibliothek hätten schließlich diese Entdeckung gemacht.

Nach der ersten Aufregung folgten weitere Untersuchungen, unter anderem beim Nordelbischen Kirchenarchiv in Kiel, in dessen Tresor das Original des Kirchenbuchs verwahrt wurde. Und auch hier: Ungläubiges Köpfeschütteln, Überraschung - und schließlich eine Bestätigung der wundersamen Namensthese. "Das ist nicht wie bei den Hitler-Tagebüchern, das ist eindeutig", betont Archivchefin Annette Göhres. "Wir haben lange darüber gebrütet. Da gibt es keinen Zweifel."

Doch welche Folgen hat die Entdeckung nun? In der Pressestelle der Max-Planck-Gesellschaft in München hat man erst durch den Anruf von SPIEGEL ONLINE von der Sache erfahren. Pressechef Bernd Wirsing äußert sich zurückhaltend: "Das müssen wir prüfen. Die Historiker müssen sich damit befassen. Wenn das auf gesicherter Grundlage steht, müssen wir uns überlegen, wie wir damit umgehen."

Vielleicht muss die ruhmreiche Institution ja bald neue Namensschilder an ihre 78 Institute und Forschungseinrichtungen in ganz Deutschland schrauben: Marx-Planck-Gesellschaft müsste dann wohl darauf stehen. Schließlich steht die Wissenschaft in der Pflicht, neue Erkenntnisse stets aufzunehmen und umzusetzen.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 22 Beiträge
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1. Frage
rio_riester 24.04.2008
Was mich doch interessieren würde: Max Planck hat doch nicht mit seinem echten Vornamen unterschrieben, sich nicht mit seinem echten Vornamen vorgestellt, sondern mit "Max". Warum? Warum nicht mit "Marx"? Das muß doch einen Grund gehabt haben. Mochte er "Marx" einfach nicht - oder hatte er etwa von dem bösen Karl Marx gehört? Seltsam.
2. Es stellt sich die Frage
Baptist 24.04.2008
Es stellt sich die Frage wie Ma_x Planck von seinen Eltern genannt wurde und Ma_x Planck selbst immer unterschrieben hat oder ob sich bei dem Eintrag in das Kirchenbuch ein Fehler eingeschlichen hat.
3. Max Planck
theotrödel 24.04.2008
Hallo, ich werde mal den Artikel an unser Rathaus weiterleiten. Schließlich wohne ich in der Max - Planck - Straße. Und davon dürfte es eine Menge geben. Aber uch jetzt schon haben einige Menschen Probleme mit der Schreibweise. Ab und zu bekomme ich Post in die Max - Plank - Straße.
4. Marx oder Max
RobbiTobbi, 24.04.2008
Ist es nicht vollkommen gleichgültig, ob er Marx, Max, Markus, oder Maximus hiess? Bekannt ist er unter "Max Planck", diesen Namen trug er, damit unterschrieb er, und mit diesem Namen ist er gestorben.
5. Marx Planck - Max Blanck ?
RJFreytag 24.04.2008
Jedem nur halbwegs erfahrenen Familienforscher ist die ständig wechselnde Schreibweise von Vor- und Familiennamen vor der Zeit der Standesämter in Deutschland (Je nach Region um 1870-1875) bekannt. Insofern handelt es sich hier um „Viel Lärm um Nichts“. Bei Personen, die vor der „Standesamtzeit“ geboren und danach noch gelebt haben, zählen einzig hinsichtlich der Schreibweise die später gefertigten amtlichen Urkunden anlässlich Heirat, Tod etc. Auch im Falle von Max Planck gilt als korrekte Schreibweise die, die in seinem ersten „amtlichen“ Dokument, wahrscheinlich seine Heiratsurkunde, aufgeführt ist. Vor Einführung des staatlichen Meldewesens im heutigen Deutschland wurde Taufe, Trauung und Beerdigungen einzig in den Kirchenbüchern dokumentiert (Ausnahme Zivilstandsregister in der recht kurzen „napoleonischen“ Zeit“). Da es im heutigen Sinne keine Ausweise und/oder Urkunden gab, sondern lediglich den eigentlichen Eintrag im Kirchenbuch, kam es mehr als häufig zu unterschiedlichen Schreibweisen von Vor- und Zunamen. Schließlich konnte der Anmeldende, bei einer Taufe meist der Vater oder ein Pate, dem Pastor oder dem Kirchenbuchführer kein Dokument vorlegen, sondern die Namen des Täuflings nur vokal vortragen. Der Pastor schrieb dann die Namen so ein, wie er es gerade vokal aufnahm, meist nicht einmal im reinen „hochdeutsch“. Die Frage „Wie schreibt sich dass“ blieb immer aus. Wer konnte schon schreiben ? So ist es keine Seltenheit, das Vor- und auch Familiennamen einer Person ständig in der Schreibweise wechselten (Zum Beispiel Planck, Plank, Blank, Blanck). Fast jeder heute lebende Deutsche würde bei Nachforschungen mit größter Wahrscheinlichkeit feststellen, dass sich bei seinen agnatischen Vorfahren vor der Standesamtzeit, also etwa ab Urgroßvater rückwärts, die Schreibweise seines heutigen Familiennamens anders darstellt (Schmidt, Schmid, Schmied, Schmitt usw.) Niemand käme auf die daraus folgernde Idee, seinen heutigen Namen in frage zu stellen. Die Frage, warum im Falle eines "Promis" ein derartig normaler Vorgang nur derartig jounalistisch aufgebläht wird, möge jeder für sich beantworten.
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