Nano-Füllung Kügelchen gegen empfindliche Zähne

Für Menschen, die an überempfindlichen Zähnen leiden, soll es bald hochtechnologische Hilfe geben: Britische Wissenschaftler wollen das Zahnbein mit Nanokügelchen verstärken und so den Schmerz stoppen.


Zähne: Bald voll mit Nanokügelchen?
DDP

Zähne: Bald voll mit Nanokügelchen?

Winzige Kügelchen aus einem Material namens Hydroxylapatit könnten Schluss machen mit schmerzempfindlichen Zähnen: Die Nanoteilchen sollen die winzigen Löcher im Zahnbein, dem sogenannten Dentin, verschließen und damit die Zähne unempfindlicher gegen Kälte, Hitze und verschiedene Chemikalien machen. Über ihre Idee berichteten Jonathan Earl und seine Kollegen von der University of Leeds auf einer Konferenz von Nanowissenschaftlern in der britischen Stadt.

Zähne werden überempfindlich, wenn das normalerweise vom Zahnschmelz bedeckte Zahnbein offen liegt. Es besteht aus winzigen, flüssigkeitsgefüllten Kanälchen, die vom Nervenende im Zentrum des Zahns nach außen führen. Kommen diese Kanäle mit Hitze, Kälte, Süßem oder auch Saurem in Kontakt, bewegt sich die Flüssigkeit und reizt dabei den Nerv. Die Folge ist ein scharfer, stechender Schmerz. Eine Möglichkeit, dieses unangenehme Leiden zu bekämpfen, ist die Verwendung von fluoridhaltiger Zahnpasta oder Mundspülungen, die den Wiederaufbau des Zahnschmelzes fördern.

Earl und seine Kollegen haben nun jedoch eine elegantere Lösung entdeckt: Sie stellten fest, dass Kügelchen im Nanomaßstab die Löcher weit besser und effektiver verstopfen können als die Fluoridbehandlung. Dadurch wird der Flüssigkeitsfluss in den Kanälen reduziert und die Schmerzen verschwinden. Bisher haben die Wissenschaftler zwar nur mit kommerziell erhältlichen Quarzpartikeln experimentiert, sie planen jedoch, für die endgültige Anwendung Kügelchen aus Hydroxylapatit zu verwenden. Dieses keramikähnliche Material ist der Hauptbestandteil sowohl des Dentins als auch des Zahnschmelzes und würde sich daher optimal in das natürliche Zahnmaterial einpassen.

Lediglich die Herstellung der Nanokügelchen muss noch optimiert werden, berichteten die Forscher. Durch eine Veränderung des pH-Wertes bei der Produktion gelang es ihnen bereits, statt der sonst entstehenden stäbchenförmigen Kristalle rundere, kleinere Partikel zu erhalten, die aber bislang noch zu groß für die Zahnbehandlung sind.

In Zukunft sollen diese Nanokügelchen zusätzlich noch mit Fluorverbindungen ausgestattet werden, so dass sie nicht nur die Kanälchen verschließen, sondern gleichzeitig auch den Zahnschmelzaufbau fördern.



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