Nanopulse Stromschläge gegen Krebs und Fett

Extrem kurzlebige und starke Stromstöße könnten nach Meinung von US-Forschern zur medizinischen Allzweckwaffe werden. Die "Nanopulse" sollen Geschwüre schrumpfen, Wunden heilen und Fettpolster schmelzen lassen.


Sterbende Krebszelle: Nanopulse sollen Tumoren den Garaus machen
NCI

Sterbende Krebszelle: Nanopulse sollen Tumoren den Garaus machen

Die Technik steckt zwar noch in den Kinderschuhen, wie die beteiligten Wissenschaftler betonen. Erste Experimente an Mäusen aber seien äußerst viel versprechend verlaufen. Die kurzen, sehr starken Pulse veränderten offensichtlich innere Strukturen von Zellen und lösten so unter anderem ein zelluläres Selbstmordprogramm aus, berichtet das Wissenschaftsmagazin "New Scientist" in seiner aktuellen Ausgabe.

"Der Effekt der Pulse ist dramatisch", sagte Tom Vernier von der University of Southern California in Los Angeles. "Es ist so, als ob man in die Zelle eingreift und intrazelluläre Strukturen verändert." Der Mediziner und seine Kollegen wollen erste Ergebnisse ihrer Forschung im März bei einer Nanotechnologie-Konferenz in Boston vorstellen.

Forscherteams unter der Leitung von Vernier, Karl Schoenbach von der Old Dominion University und Stephen Beebe von der Eastern Virginia Medical School haben laut "New Scientist" gezeigt, dass Nanopulse Krebszellen töten können. Die elektrischen Felder würden die Zellen nicht einfach zerstören, sondern Enzyme aktivieren, die ein Selbstmordprogramm auslösen.

Wurden die Felder mit nadeldünnen Elektronen bei Mäusen in der Nähe von Tumoren erzeugt, wuchsen die Geschwülste dem Bericht zufolge bis zu 60 Prozent langsamer als bei Mäusen ohne die Behandlung. Die Wissenschaftler haben nach eigenen Angaben außerdem Hinweise darauf gefunden, dass die Pulse die Wundheilung beschleunigen können.

Dem Team von Stephen Beebe sei es darüber hinaus gelungen, die Vorläufer von Fettzellen mit der Nanopuls-Methode abzutöten. Was genau dabei in den Zellen geschieht, ist derzeit noch unklar, wie die Forscher einräumen. Die Pulse seien so kurz, dass sich keine Ladung an der äußeren Zellmembran ausbilden könne. Offensichtlich reichten sie aber aus, innere Vorgänge zu beeinflussen. Als nächstes wollen die Wissenschaftler eine Methode entwickeln, mit der sie Nanopulse auch im Inneren des Körpers gezielt erzeugen können.



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