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Nanotechnik: Die kleinsten Fußballfelder Deutschlands

Sie sind 200 Millionen Mal kleiner als das Spielfeld im Berliner Olympiastadion: Forscher haben SPIEGEL ONLINE die vielleicht winzigsten Fußballfelder der Erde geschickt. Damit ist bewiesen: Wissenschaftler können auf engstem Raum dribbeln - und wissen, was ein Virus mit dem WM-Ball zu tun hat.

"Forscher, schickt die kleinsten Fußballfelder!", lautet der Aufruf von SPIEGEL ONLINE an die Freunde des runden Leders in der deutschen Wissenschaft. Anlass waren Bilder von unglaublich kleinen Linien im wohlbekannten Muster: An der Ruhr-Uni Bochum hatten Physiker ein nur zehn Mal sieben Mikrometer kleines Fußballfeld gezeichnet. Ihre Kollegen von der Technischen Universität Chemnitz brachten es gar auf nur zwei Mal anderthalb Mikrometer.

105 Mal 68 Meter misst das Spielfeld im Berliner Olympiastadion, auf dem die deutsche Nationalelf ihr Viertelfinale gegen Argentinien bestreiten wird. Der Größenunterschied zum Chemnitzer Mini-Feld beträgt da etwa eins zu 50 Millionen.

Das geht noch kleiner, dachten sich Wissenschaftler - und brannten, ritzten, ätzten eifrig das Spielfeldmuster in immer kleineren Dimensionen auf feinste Oberflächen. Zwei Teams aus Kaiserslautern - Deutschlands kleinster WM-Stadt - und aus Konstanz unterboten dabei alle anderen. Ihre Spielfelder messen gerade einmal 380 Nanometer in der Breite und rund 500 Nanometer in der Länge.

Unsere Bildergalerie zeigt die acht kleinsten Fußballfelder Deutschlands (siehe oben).

Von zwei Universitäten erhielt SPIEGEL ONLINE gar Videos, die nicht nur Fußballfelder im Kleinstformat zeigen, sondern sogar Spielzüge im Mikrometerbereich. Mit einem fokussierten Laserstrahl - Forscher sprechen von einer optischen Pinzette - zirkelten die Physiker Tobias Sawetzki und Clemens Bechinger ein kaum mehr als zwei Mikrometer großes Partikel durch die Abwehr ins Tor.

Thomas Frommelt von der Universität Augsburg verwandelte in einem Mikrofluid-Experiment einen 4,8-Millimeter-Freistoß. Schockwellen treiben einen blauen Flüssigkeitstropfen als Ball ins Tor. Vorlage war ein Freistoß des Brasilianers Roberto Carlos. Deutlich zu erkennen: die krumme Flugbahn des Schusses.

Unser Aufruf beflügelte die Phantasie der Forscher: "Wir haben zwar kein kleines Fußballfeld, aber wir haben versucht, den Fifa-WM-Pokal nachzubilden", schrieben die Festkörperphysiker Matthias Kemmler, Christian Gürlich und Hanna Pöhler von der Universität Tübingen.

Damit schafften sie es ebenso in unsere Begeisterungs-Galerie wie ein klitzekleiner WM-Pokal und das mutmaßlich kleinste Logo der Welt:

Schließlich erhielten wir noch die Zuschrift einer fiktiven "Hamburger Academy für Nanologie". In guter Fußball-Feierlaune schrieben die Unbekannten: " . <- Hier, das ist das allerkleinste, 3 x 5 Nanometer. Mitten in dem Punkt. Sie müssen es auf einem hochauflösenden Laserdrucker ausdrucken, unter Ihr redaktionseigenes Rasta-Mikrofon legen ... und einfach nur genießen."

Am besten mit einem Bier in der Hand, fügten die Unbekannten an, und schlossen mit der Verheißung: "Wir haben auch noch eine Tischfussballversion (also mit Stangen und Figuren), aber die halten wir vorerst noch geheim - bis wir rausgefunden haben, wie wir die Stangen drehen können."

stx

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Kleinste Fußballfelder: Unter der Mikrometergrenze

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Nano-Fußball: Begeisterung in Klein

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