Naturkatastrophen und Schäden 2018 gab es die schwersten Waldbrände der Geschichte

Laut Statistik des Unternehmens Munich Re sind im vergangenen Jahr weltweit 10.400 Menschen bei Naturkatastrophen gestorben - deutlich weniger als im Durchschnitt anderer Jahre. Doch ein Ereignis fiel aus dem Rahmen.

Feuerwehrleute in Ojai im US-Bundesstaat Kalifornien (Archivbild aus dem Dezember 2018)
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Feuerwehrleute in Ojai im US-Bundesstaat Kalifornien (Archivbild aus dem Dezember 2018)


Für die Versicherungsbranche waren die Waldbrände in Kalifornien im vergangenen Jahr die schwersten Feuer aller Zeiten. Der weltgrößte Rückversicherer Munich Re hat die gesamtwirtschaftliche Schadenssumme nun auf 24 Milliarden Dollar beziffert, ein Vielfaches der bei Feuern üblichen Summe. Davon waren 18 Milliarden Dollar versichert.

"Diese Waldbrände waren ein neuer Schadenrekord, auch mit knapp 100 Todesopfern ein trauriger humanitärer Höchststand", so Ernst Rauch, Chef der Klimaforschungsabteilung des Unternehmens. Davor habe es in dem US-Bundesstaat bereits 2017 Rekordschäden durch Waldbrände gegeben. "Es gibt bei Naturkatastrophen immer wieder Ausreißer, aber zwei Jahre hintereinander ein Vielfaches der üblichen Schadenssumme, das ist besonders auffällig."

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Waldbrand in Kalifornien: Rückkehr ins zerstörte Paradise

Die Schäden seien unter anderem deswegen so hoch, weil die Besiedlung der kalifornischen Bergregion weiterhin zunehme. "Aber das ist nicht die einzige Erklärung, es gibt meteorologische Auffälligkeiten." Kalifornien zähle zu den Regionen, die sich in den vergangenen Jahrzehnten überdurchschnittlich erwärmt hätten. "Nicht die Zahl der Brände hat zugenommen, sondern die betroffene Fläche. Es brennt mehr und schneller ab."

Die fünf schwersten Naturkatastrophen 2018

Datum Land/Region Ereignis Todesopfer Gesamtschäden Versicherte Schäden
8.-25.11. 2018 USA Waldbrand (Camp Fire) 86 16.500 Mio USD 12.500 Mio USD*
8.-10.10. 2018 USA, Kuba Hurrikan "Michael" 45 16.000 Mio USD 10.000 Mio USD*
10.-27.9. 2018 USA Hurrikan "Florence" 53 14.000 Mio USD 5.000 Mio USD*
1.-6.9. 2018 Japan, Taiwan Taifun "Jebi" 17 12.500 Mio USD 9.000 Mio USD
5.-9.7. 2018 Japan Überschwemmung 224 9.500 Mio USD 2.400 Mio USD

Quelle: Munich Re. Reihenfolge nach Gesamtschäden. * Schadenschätzung von Property Claim Services (PCS) enthalten

Ein ähnliches Muster ist nach Rauchs Worten in vielen Regionen der Welt zu beobachten, auch in Deutschland. "Die Winter sind insgesamt feuchter geworden und die Sommer trockener." Deutschland sei 2018 mehr als zwei Grad wärmer gewesen als im langjährigen Durchschnitt. "In Deutschland nähern wir uns gewissermaßen in einzelnen Jahren schon dem Zwei-Grad-Wert an, auf den die globale Erwärmung gemäß des Abkommens von Paris begrenzt werden soll", sagte der Geowissenschaftler.

Global betrachtet verursachten Naturkatastrophen 2018 mit 140 Milliarden Dollar geringere Gesamtschäden als im langjährigen Schnitt, der bei 160 Milliarden liegt. Allerdings traf ein höherer Anteil davon die Versicherungsbranche: Die Unternehmen übernahmen 80 der 160 Milliarden, der Durchschnitt in den vergangenen drei Jahrzehnten lag bei 41 Milliarden.

Auch in Europa verursachten Dürre und Waldbrände 2018 hohe Schäden von 3,9 Milliarden Dollar, wovon aber nur ein kleiner Teil versichert war. "Europa und Nordamerika können sich an den Klimawandel relativ gut anpassen, aber 90 Prozent der Weltbevölkerung wohnen außerhalb dieser beiden Regionen", sagte Rauch.

Todesfälle weit unter dem Durchschnitt

Die Wirbelsturmsaison 2018 war laut Munich Re ebenfalls ungewöhnlich - es gab über den Ozeanen der Nordhalbkugel mehr Stürme als üblich. Insgesamt verursachten Wirbelstürme weltweit Gesamtschäden von 56 Milliarden Dollar. Zurückgegangen ist jedoch die Zahl der Todesopfer: Im Schnitt kommen jährlich mehr als 50.000 Menschen ums Leben, im vergangenen Jahr waren es 10.400. Das Einzelereignis mit den meisten Todesopfern waren das Erdbeben und der Tsunami, die Indonesien im September 2018 heimsuchten. Dabei starben den offiziellen Statistiken zufolge 2102 Menschen (Lesen Sie hier mehr zu den Rätseln, die der Tsunami Geowissenschaftlern bis heute aufgibt.)

"Um den langfristig zu beobachtenden Trend höherer Schäden aus Naturkatastrophen global abzudämpfen, muss die Anpassungsfähigkeit an extreme Wetterereignisse zunehmen", sagte Rauch. "Das können beispielsweise Bauvorschriften sein oder eine vorausschauende Landnutzung. Es macht einfach keinen Sinn, in ausgewiesene Überschwemmungsgebiete hinein zu bauen. In Kalifornien müsste mit scharfem Auge darauf geschaut werden, wo gesiedelt wird."

Carsten Hoefer, dpa/chs

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