Statistik Naturkatastrophen erhöhen Kriegsrisiko

Hitzewellen und Dürren können in sozial gespaltenen Ländern bewaffnete Konflikte befördern. Den Zusammenhang zeigen 98 von 241 Konflikten aus 30 Jahren.

Krieg in Libyen
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Krieg in Libyen


Gier, Armut, soziale Unruhen - die Ursachen für Kriege können vielfältig sein. Doch auch das Wetter und seine Extreme können bewaffnete Konflikte heraufbeschwören.

Das bestätigt eine Studie, der zufolge Hitzewellen und Dürren das Kriegsrisiko besonders in ethnisch zersplitterten Gebieten erhöhen.

Für ihre Studie nutzten die Forscher des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) und der Humboldt Universität (HU) Berlin einen statistischen Ansatz: Sie betrachteten 241 Konflikte von 1980 bis 2010, etwa in der Zentralafrikanischen Republik oder Peru und auch zwischen Ländern wie beispielsweise zwischen Eritrea und Äthiopien.

Fast ein Viertel der Konflikte in ethnisch sehr gespaltenen Ländern fielen mit natürlichen Wetterdesastern zusammen, schreiben die Forscher im Wissenschaftsmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences".

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"Klima-Desaster führen nicht direkt zum Ausbruch von Konflikten, aber sie können das Risiko für einen Ausbruch erhöhen, der seine Wurzeln in den jeweiligen Rahmenbedingungen hat", sagt Leitautor Carl-Friedrich Schleussner vom PIK.

Die Studie beruhte unter anderem auf ökonomischen Schadensdaten zu Naturkatastrophen, gesammelt von einer Rückversicherung. Dort fand sich laut Schleussner unter anderem ein "statistisch robustes Ergebnis für 23 Konfliktausbrüche".

Diese geschahen in besonders ethnisch zersplitterten Ländern, und zwar im gleichen Monat, in dem es auch eine wetterbedingte Naturkatastrophe gab, etwa eine Dürre. Insgesamt waren 98 der 241 analysierten Konflikte in ethnisch gespaltenen Regionen ausgebrochen.

Zur Frage nach möglichen Zufällen sagte Schleussner: "In einzelnen Fällen ist das Zusammentreffen sicher Zufall, aber dass es bei der Gesamtheit der betrachteten Daten Zufall ist, ist äußerst unwahrscheinlich." Die Studie könne aber keine konkrete Risikoabschätzung für bestimmte Staaten liefern, betonten die Autoren.

Neu ist die Theorie nicht. So hatten bereits frühere Studien ähnliche Zusammenhänge nahegelegt, etwa beim Klimaphänomen El Niño. Und auch historisch gibt es Hinweise auf einen Einfluss des Klimas auf Konflikte: So wird der Untergang der Hochkultur der Maya in Mittelamerika von Archäologen zumindest teilweise so gedeutet.

Dürrephase hätten einen Kampf um die knapper werdenden Ressourcen erzeugt und so Konflikte zwischen den einzelnen Stadtstaaten angeheizt. Auch im Alten Ägypten und in China sind ähnliche Klimakrisen bekannt.

Zudem gibt es schon länger Theorien zu den Entstehungen von Kriegen. So hatte etwa der amerikanische Geheimdienst CIA 1995 ein Untersuchung veröffentlicht, die besagt, dass Krisenherde überall dort drohen, wo überdurchschnittlich viele Vertreter der jungen Altersgruppe bis 24 Jahren leben.

Daraus entwickelte der Wirtschaftswissenschaftler und Soziologe Gunnar Heinsohn eine These, nach der vor allem ein Überschuss an jungen Männern in einer Gesellschaft Konfliktpotenzial berge. Auch diese Theorie ist umstritten, weil die demografische Entwicklung in vielen Ländern sie nicht immer spiegelt.

dpa/joe



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Seite 1
lies.das 26.07.2016
1.
Immer im Sommer, wenn sonst nichts los ist, kommen Klimaforscher mit der Behauptung, Kriege häuften sich in Perioden der Klima-Erwärmung. Dann treten Historiker auf und widerlegen statistisch absurde Behauptungen wie "El-Ninjo-Kriege", mit der sich Klimaforscher wichtig machen, um ihre Wissenschaft zu rechtfertigen. Laut Spiegel-Archiv entstanden Hitze-Krieg-Debatten in den Jahren 2007, 2009, 2011 (usw.) periodisch wie im "Schweine-Zyklus" - und werden von führenden Historikern jedes Mal stiekum überzeugend widerlegt. Ein historischer Rückblick ins Mittelalter "beweist" das Gegenteil. Friedensperiode in der Warmzeit des "Klima-Optimums". 30jähriger Krieg trotz Kälte in Europa. 2. Weltkrieg - trotz kalter Klimaperiode. Wie das?? Schon schieben Terrorismus-Forscher die Häufung von Selbstmord-Anschlägen in Europa auf den Psycho-Druck des Klimas, weil der doch Suizid- und Aggressions-fördernd sei. Sommerloch-PR - made by GFZ Potsdam.
Umbodsmadur 26.07.2016
2. Generationenkonflikt #2
Hab ich schon mal was zu gepostet, nicht immer ernst gemeint;)) Laut Forschung verursachten also frueher die unter 24-jaehrigen Draufgaenger bewaffnete Konflikte. Schaetze heut ist es anders rum. Die unter 24-jaehrigen spielen Pokemon go und sind so ruhig gestellt. Dagegen sind die ueber 50-jahreigen gefaehrlich. Stecken voller Energie, aber keiner gibt ihnen mehr Arbeit, weil jeder Arbeitgeber denkt "der ist zu alt/muede/faul/unbeweglich". Schaetze hier brauchen wir eine bessere Ueberwachung dieser neuen Risikogruppe.
humorrid 26.07.2016
3. Neu ist die Theorie nicht?
z.B. Thomas Robert Malthus "Essay on the Principle of Population" von 1798. Gut, das Wort "Klima" gab es damals in der heutigen Bedeutung nicht. Aber das wars dann auch schon. Hauptsache die Forscher sind weg vonder Strasse, nicht.
Celegorm 26.07.2016
4.
Zitat von lies.dasImmer im Sommer, wenn sonst nichts los ist, kommen Klimaforscher mit der Behauptung, Kriege häuften sich in Perioden der Klima-Erwärmung. Dann treten Historiker auf und widerlegen statistisch absurde Behauptungen wie "El-Ninjo-Kriege", mit der sich Klimaforscher wichtig machen, um ihre Wissenschaft zu rechtfertigen. Laut Spiegel-Archiv entstanden Hitze-Krieg-Debatten in den Jahren 2007, 2009, 2011 (usw.) periodisch wie im "Schweine-Zyklus" - und werden von führenden Historikern jedes Mal stiekum überzeugend widerlegt. Ein historischer Rückblick ins Mittelalter "beweist" das Gegenteil. Friedensperiode in der Warmzeit des "Klima-Optimums". 30jähriger Krieg trotz Kälte in Europa. 2. Weltkrieg - trotz kalter Klimaperiode. Wie das?? Schon schieben Terrorismus-Forscher die Häufung von Selbstmord-Anschlägen in Europa auf den Psycho-Druck des Klimas, weil der doch Suizid- und Aggressions-fördernd sei. Sommerloch-PR - made by GFZ Potsdam.
Mir scheinen die Verbindungen zwischen Naturkatastrophen und Konflikten ja auch eher wacklig, dieser "Beweis" gehört aber effektiv in Anführungszeichen weil er schlicht unsinnig ist. Schliesslich behauptet weder die Studie noch irgendeine mir bekannte Theorie, dass Warmphasen bzw. warme Temperaturen als solche zu Konflikten führen. Sondern wie im Titel erwähnte Naturkatastrophen oder - um es etwas breiter zu fassen - klimatisch ungünstige Phasen, die zu Ressourcenknappheit, Migrationsbewegungen, etc. führen. Womit Ihre Beispiele die These wenn schon eher untermauern. Dass die mittelalterliche Warmzeit mit ihren äusserst günstigen Bedingungen in Europa zu Prosperität führte, während Konflikte in Kältephasen und damit einhergehender Nahrungsknappheit auftraten, passt ja ins Bild. Wohlgemerkt, ich behaupte hier keine Kausalität, es geht lediglich darum, dass die Hypothese besagt "schlechte" klimatische Bedingungen führten zu Konflikten. Was "schlecht" ist hängt dabei vom regionalen Klima und Kontext ab.
prince62 26.07.2016
5. Das einzige wirkliche Problem ist die Bevölkerungsexplosion der 3. Welt
Das einzig wirkliche Problem, das Problem das alle anderen Krisen und Katastrohen wie Kriege, Konflikte, Massenwanderungen nach sich ziehen ist die besonders in der 3. und 4. Welt nach wie vor exorbitante Vermehrung der dortigen Menschen, ohne jegliche Lebensgrundlage dafür zu haben, bzw. geschaffen zu haben, alleine die Wanderungen der nordafrikanischen und afrikanischen Bevölkerung Richtung Europa liegt daran, daß hier jetzt über 70% der Menschen unter 30 Jahre sind fast ohne Bildung, ohne Zukunft und ohne jegliche Perspektive, solange die ungehemmte Bevölkerungsvermehrung nicht gestoppt wird, am besten radikal und kurzfristig, so lange wird die derzeitige Krisensituation besonders in Europa und an den europäischen Außengrenzen nicht nur weitergehen, sondern sogar drastisch zunehmen, wenn nicht sogar eskalieren, denn zig-Millionen die sich an den Grenzen aufmachen diese zu stürmen bzw. überwinden, können nicht aufgehalten werden und dann will ich Herrn Seehofer sehen, wie er die "ordentliche Registrierung" mit seinem Schreibtisch in Freilassing organisieren will.
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