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Evolution des Menschen: Zähne zeigen frühe Trennung vom Neandertaler

Untersuchte Zähne: Enthüllen Details der Hominiden-Evolution Zur Großansicht
PNAS/ Aida Gómez-Robles et. al

Untersuchte Zähne: Enthüllen Details der Hominiden-Evolution

Die Linien von modernem Mensch und Neandertaler haben sich deutlich früher getrennt als bislang angenommen. Das zumindest schließen Forscher aus einer Zahnanalyse. Doch der Stammbaum bleibt unvollständig: Wer war der gemeinsame Vorfahr der beiden Menschen-Spezies?

Washington - Die Suche nach dem gemeinsamen Vorfahren von Neandertaler und modernem Menschen bleibt auch nach einem neuen Zahnabgleich ohne Erfolg. Die Analyse von 1200 Backenzähnen fossiler Hominiden lässt die Forscher schließen, dass die beiden Linien sich schon vor rund einer Million Jahre trennten. Das wäre deutlich früher als bisher angenommen, berichten sie im Fachblatt "Proceedings of the National Academy of Sciences".

Das Team um Aida Gómez-Roblesa von der George Washington University in der US-Hauptstadt Washington hatte die Form der Zähne analysiert und daraus einen Stammbaum erstellt. Keiner der fossilen Zähne habe eine Struktur aufgewiesen, wie sie bei einem gemeinsamen Vorfahren von modernem Mensch und Neandertaler zu erwarten sei, schreiben die Forscher. Dies gelte für Homo heidelbergensis ebenso wie für Homo erectus und Homo antecessor. Der wahre Urahn harre offenbar noch seiner Entdeckung.

Zähne seien eine gute Basis dafür, die Evolution von Hominiden nachzuzeichnen, erläutern die Forscher. Sie kämen an Fundstellen häufig vor und seien meist gut erhalten. Zudem blieben ihre Merkmale während der gesamten Lebenszeit erhalten, Umweltfaktoren beeinflussten sie kaum. Das Team erfasste Struktur und Form der mehr als tausend Zähne und setzte sie in Bezug zu ihrem Alter und dem Fundort.

Erhebliche Abweichung zu molekularen Analysen

Die aus ihrer Analyse resultierenden Ergebnisse zur Verwandtschaft der beiden Linien wichen erheblich von den aus molekularen Analysen gewonnenen ab, berichten die Wissenschaftler. Ihren Daten nach habe der letzte gemeinsame Vorfahr vor etwa einer Million Jahre gelebt - Molekularanalysen datierten die Trennung hingegen auf rund 350.000 Jahre. Es gelte nun, der Ursache dieser Diskrepanz auf den Grund zu gehen, etwa mit morphologischen Vergleichen weiterer Körperteile.

Die Unsicherheiten im menschlichen Stammbaum sind - vor allem wegen der geringen Zahl fossiler Fundstücke - groß. Wie unsicher die Deutung morphologischer Charakteristika sein kann, hat eine erst vor wenigen Tagen im Fachblatt "Science" veröffentlichte Studie gezeigt. Schweizer Forscher kommen darin zu dem Ergebnis, dass die frühen Vorfahren des modernen Menschen möglicherweise zu nur einer Spezies gehört haben.

Der Schädel eines Frühmenschen aus dem georgischen Dmanisi vereine Merkmale, die bisher verschiedenen Arten von Frühmenschen zugeordnet wurden, berichtete der Anthropologe Christoph Zollikofer von der Universität Zürich. "Wären Hirn- und Gesichtsschädel des Dmanisi-Exemplars als Einzelteile gefunden worden, wären sie mit großer Wahrscheinlichkeit zwei verschiedenen Arten zugeordnet worden."

Viele Forscher gingen von bis zu fünf gleichzeitig existierenden Spezies in Afrika aus, darunter Homo habilis, Homo rudolfensis und Homo erectus. Zollikofer glaubt, dass es sich bei diesen Frühmenschen um Vertreter einer Art handeln könnte: Homo erectus.

hda/dpa

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Homininen und Hominiden
Affen- und Menschenartige
Ein Hominid oder Menschenaffe ist ein Mitglied der taxonomischen Familie, zu der Menschen, Schimpansen, Gorillas und all deren ausgestorbene gemeinsame Vorfahren gehören. Der Begriff Hominine umfasst dagegen alle Mitglieder der Gattung Homo und deren ausgestorbene Verwandten, die dem Menschen näher stehen als den Schimpansen. Dazu zählen also nicht Schimpansen und Gorillas sowie deren Vorfahren.
Sahelanthropus tchadensis (7 bis 8 Millionen Jahre)
Dieses bisher älteste bekannte Mitglied der Menschenfamilie entdeckte ein Forscherteam aus Frankreich und dem Tschad im Juli 2001 in der Sahel-Zone in Zentralafrika. Der Fund namens Toumaï könnte aus der Zeit der Trennung der Affen-: und Menschenartigen stammen.
Orrorin tugenensis (6 Millionen Jahre)
Französische und kenianische Wissenschaftler fanden im Oktober 2000 in der Boringo-Region (Kenia) die Reste des "Millennium-Menschen". Er zeigt deutliche Hinweise auf den aufrechten Gang. In der Fachwelt ist jedoch umstritten, ob er ein direkter Vorfahr des Menschen war.
Ardipithecus ramidus (4,4 Millionen Jahre)
"Ardi" revolutionierte das Bild unserer Urahnen: Der Fund aus Äthiopien zählt zu den Menschenartigen (Homininen) und ist weit mehr von den Affen entfernt als bisher vermutet, wie im Oktober 2009 ein Forscherteam im Fachjournal "Science" berichtete.
Australopithecus afarensis (3,2 - 3,6 Millionen Jahre)
Am 30. November 1974 wird in Äthiopien "Lucy" ausgegraben, ein Teilskelett, das als letzter gemeinsamer Vorfahr mehrerer Abstammungslinien von Homininen gilt. Für Furore sorgte auch der Fund eines Kindes im Jahr 2006, das als "Lucys Baby" bekannt wurde.
Homo rudolfensis (2,5 - 2,3 Millionen Jahre)
Dieser Mensch hat ein größeres Gehirn als die Australopithecinen und nutzte auch schon Werkzeuge. Er gilt als die älteste bisher entdeckte Art der Gattung Homo. Doch wie bei Australopithecus sediba streiten sich Forscher noch um die Zuordnung zu einer Spezies. Manche Wissenschaftler zählen ihn zur Art Homo habilis, andere widerum erkennen in ihm gar einen Australopithecinen oder einen Kenyanothropus.
Australopithecus sediba (2 - 1,8 Millionen Jahre)
Am 15. August 2008 entdecken Paläoanthropologen in der Nähe von Johannesburg die knapp zwei Millionen alten Überreste eines Jungen und einer Frau. Sie könnten ein lange gesuchtes Bindeglied zwischen den noch affenartigen Vormenschen und den frühen Menschen darstellen, berichtet ein Forscherteam im Fachjournal "Science" im April 2010.
Homo erectus (1,8 Millionen - 300.000 Jahre)
Mit dem Homo erectus begann eine Wanderbewegung aus Afrika nach Europa und Asien. 1891 entdeckt der Holländer Eugène Dubois einen Javamenschen, der vor 500.000 Jahren gelebt hat. In Georgien finden Forscher seit 1999 mehrere 1,75 Millionen Jahre alte menschliche Überreste, die dem Homo erectus zugerechnet werden.
Homo heidelbergensis (780.000/500.000 Jahre)
Im Oktober 1907 wird im Dorf Mauer bei Heidelberg ein rund 500.000 Jahre alter Unterkiefer dieses Menschen ausgegraben. 1995 werden in Gran Dolina (Spanien) 780.000 Jahre alte Überreste von vier Menschen dieser Art und Werkzeuge gefunden. Sie zählen zu den frühesten Menschen Europas, starben wahrscheinlich aber aus.
Homo neanderthalensis (130.000 - 30.000 Jahre)
Morphologische Eigenschaften, die für Neandertaler typisch sind, fand man bereits in etwa 400.000 Jahre alten Fossilien aus Europa. Doch man geht davon aus, dass die ersten Neandertaler vor etwa 130.000 Jahren entstanden sind. Heute gilt der Neandertaler als ausgestorbene Seitenlinie des Menschen. Er verschwand vor etwa 30.000 Jahren von der Bildfläche - warum, ist noch nicht vollständig geklärt.
Homo floresiensis (120.000 - 10.000 Jahre)
Der als "Hobbit" bekanntgewordene, nur ein Meter große indonesische Urmensch war im Jahr 2004 auf der Insel Flores gefunden worden. Seit Jahren streiten Wissenschaftler, ob es sich um eine eigene Menschenart oder nur einen kranken Homo sapiens handelte.
Denisova-Mensch (50.000 Jahre)
In der Denisova-Höhle in Russland wurden Anfang des Jahrtausends ein Fingerknochen, ein Zahn und ein Zehenknochen gefunden, die offenbar zu keiner bislang bekannten Art gehören. Diese lebte zu Zeiten des Homo neanderthalensis und des Homo sapiens. Noch wurde der Art kein eigener Name verliehen.
Homo sapiens (160.000 Jahre bis heute)
Die bisher ältesten Überreste des modernen Menschen findet ein internationales Forscherteam 1997 in Äthiopien. Die 2003 analysierten Schädelknochen erhärten nach Ansicht der Forscher die Vermutung, dass die modernen Menschen in Afrika entstanden sind und sich von dort in die ganze Welt ausgebreitet haben.
Homo naledi (Alter unbekannt)
In der Rising-Star-Höhle in Südafrika entdeckten Forscher über 1500 Fossilien, die sie 15 Individuen zuordneten. Sie gehören zu einer bislang unbekannten Art, dem Homo naledi. Dessen Alter ist noch unbekannt und damit auch seine Einordnung in den Stammbaum der Menschheit. Die Fundstelle bei Johannesburg könnte die älteste Grabstätte der Geschichte sein.
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Neandertaler: Zu große Augen führten zum Aussterben


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