Transport auf dem Neckar Atomkraftgegner stoppen Castor-Schiff

Aktivisten der Organisation "Robin Wood" haben den umstrittenen Transport von hochradioaktivem Atommüll auf dem Neckar aufgehalten. Am Mittwochmorgen waren erstmals Castor-Behälter auf ein Schiff verladen worden.


Mit einer Protestaktion in Bad Wimpfen in Baden-Württemberg haben Atomkraftgegner den Schiffstransport mit hochradioaktivem Atommüll auf dem Neckar vorübergehend gestoppt. Das bestätigte die Polizei am Mittwoch.

Vier Aktivisten hatten sich demnach mit einem großen Transparent von einer Brücke abgeseilt. Das Schiff mit dem Atommüll habe daraufhin außer Sichtweite der Brücke gestoppt, teilte die Polizei mit. Nach etwa einer Stunde konnte es seine Fahrt um kurz vor 13 Uhr fortsetzen.

Zuvor hatte die Polizei die Demonstranten zum Rückzug aufgefordert und mit einem Platzverweis sowie dem Einsatz von Spezialkräften gedroht. "Wir bleiben, solange es geht", sagte ein Sprecher der Aktivisten. Unter der Brücke patrouillierten Polizeiboote, auf der Brücke und am Ufer setzten sich Sicherheitskräfte mit den Aktivisten auseinander.

Erster Castor-Transport auf dem Wasser

In der Nacht zum Mittwoch war der Schubverband am stillgelegten Kernkraftwerk Obrigheim (Neckar-Odenwald-Kreis) mit drei Castor-Behältern beladen worden und hatte am Morgen abgelegt. Es ist der erste Transport von hochradioaktivem Atommüll in Deutschland auf dem Wasser.

Die Container mit verbrauchten Brennelementen sind für das Zwischenlager Neckarwestheim (Kreis Heilbronn) bestimmt. In den Castoren befindet sich unter anderem Plutonium. Ein Behälter wiegt in beladenem Zustand 107 Tonnen. Die drei Transporter mit je einem Castor-Behälter seien bei der Verladung in Obrigheim direkt auf das Schiff gerollt und würden dort während der gesamten Fahrt neckaraufwärts verbleiben, teilte EnBW mit. Für die etwa 50 Kilometer lange Strecke auf dem Neckar wird eine Fahrzeit von etwa zwölf Stunden erwartet.

Proteste auch in Heilbronn

Atomkraftgegner hatten die Proteste im Voraus angekündigt. Die Polizei bewacht den Transport. "Der riesige Aufwand der Polizei widerlegt alle Beteuerungen, das Schiff wäre ausreichend gegen Terrorattacken gesichert. Wenn dem so wäre, dann würde es völlig ausreichen, ein paar Beamte abzustellen", sagte Jochen Stay von der Anti-Atom-Organisation "ausgestrahlt". Der Transport auf dem Fluss sei "eine Verantwortungslosigkeit sondergleichen".

Fotostrecke

10  Bilder
Transport auf dem Neckar: Castor an Bord

Auch in Heilbronn protestieren Dutzende Atomkraftgegner gegen den Transport. Redner warfen bei einer Kundgebung insbesondere dem baden-württembergischen Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) Versagen vor. "Eine Atomaufsicht, die diesen Namen verdient, gibt es nicht", sagte ein Redner.

Das Umweltministerium in Stuttgart teilte unterdessen mit, die Strahlenmessungen an der Strecke des Atommülltransports deuteten auf einen "einwandfreien" Ablauf hin. "Gleiches gilt für das Schiff selbst", hieß es per Twitter.

Wendemanöver vor der Schleuse

Nach dem Ablegen in Obrigheim kurz nach sechs Uhr fuhr der Schubverband zunächst neckarabwärts zur etwa zehn Kilometer entfernten Schleuse Guttenbach und wendete dort. "Riskante Experimente auf dem Wasser", kritisierte die Organisation "Robin Wood" per Twitter. EnBW widersprach: "Das Manöver wurde beim Funktionstest im Februar und März 2017 erprobt."

EnBW hält die Beförderung per Schiff für eine sichere Lösung. Das Unternehmen argumentiert, der Transport des Atommülls nach Neckarwestheim mache den Bau eines Zwischenlagers in Obrigheim überflüssig. Das Unternehmen plant in den nächsten Wochen insgesamt fünf Transporte mit je drei Castoren.

Zuvor hatte auch die Gemeinde Neckarwestheim versucht, die Castor-Transporte auf dem Neckar zu verhindern, war aber vor dem Berliner Verwaltungsgericht gescheitert. Für den Zeitraum bis Ende November 2018 hatte das Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit dem Energieversorger EnBW fünf Transporte von insgesamt 15 Castor-Behältern genehmigt.

Das Gericht wies den Eilantrag mit der Begründung zurück, das öffentliche Interesse an einem zügigen Rückbau von Obrigheim überwiege die von der Gemeinde Neckarwestheim vorgetragenen Argumente.

jme/dpa/AFP



TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.