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Negativer Placebo: Elektrosmog wirkt auch ohne Strahlung

Elektrosmog-Sensible können sogar dann Beschwerden im Umkreis von Handysendern spüren, wenn der Sender ausgeschaltet ist. Zwar sind bisher keine medizinischen Folgen von Mobilfunk-Feldern bekannt, doch britische Forscher fanden heraus: Allein die Furcht davor wirkt wie ein Placebo.

Welche Heilkraft der Glaube an bestimmte Therapien und Behandlungsmethoden freisetzen kann, wissen Mediziner schon lange. Der Erfolg von Akupunktur etwa lässt sich naturwissenschaftlich nicht erklären - aber er ist da, solange die Patienten vom Erfolg der Nadeln überzeugt sind. Auch Pseudomedikamente ohne Wirkstoff können als Placebos zur Heilung beitragen.

Handynutzerin vor Mobilfunkmast: Keinerlei Kurzzeitschädigung nachgewiesen
AP

Handynutzerin vor Mobilfunkmast: Keinerlei Kurzzeitschädigung nachgewiesen

Umgekehrt kann der Glaube an bestimmte krankmachende Einflüsse auch tatsächlich krank machen, wie Elaine Fox und ihre Kollegen von der University of Essex nun in einer Studie zeigen. Es geht darin um die Folgen sogenannten Elektrosmogs. Die Forscher hatten 44 Personen, die über gesundheitliche Beschwerden in der Nähe von Mobiltelefonen geklagt hatten, und 114 Personen ohne solche Beeinträchtigungen untersucht.

Die Forscher hatten im Labor einen Sender aufgebaut, der sowohl im GSM-Netz als auch im UMTS-Netz funken konnte. Den Versuchsteilnehmern wurde erklärt, die Antenne sei für 50 Minuten angeschaltet. Jene Probanden, die sich für strahlungssensibel hielten, berichteten prompt anschließend über Übelkeit, Kopfschmerzen oder grippeähnliche Symptome. Tatsächlich konnten die Mediziner bei den Betroffenen Änderungen der Herzfrequenz und der Hautfeuchtigkeit messen.

Nur waren diese subjektiv empfundenen Beschwerden ganz unabhängig davon, ob die Antenne tatsächlich angeschaltet war oder nicht. Wenn die Teilnehmer gesundheitliche Beeinträchtigungen gespürt hätten, dann nur deshalb, weil sie geglaubt hätten, der Funkmast in ihrer Nähe sei in Betrieb, schreiben Fox und ihre Kollegen in einem Artikel für das Fachblatt "Environmental Health Perspectives", der auch online verfügbar ist.

Keine Sinnesorgane zur Wahrnehmung von Handystrahlung

Die hochfrequente elektromagnetische Strahlung selbst käme als Auslöser von Übelkeit oder Kopfschmerzen nicht in Frage. Dies sei schon rein medizinisch nicht plausibel, erklärte Fox, denn weder verfüge der Mensch über Sinnesorgane zur Wahrnehmung von elektromagnetischen Wellen, noch sei ein Mechanismus bekannt, der die angeblich krankmachende Wirkung von Handystrahlung erklären könne.

"Zumindest bei kurzfristiger Einwirkung sehen wir keinerlei die Gesundheit schädigenden Effekte", sagte die Forscherin dem Online-Nachrichtendienst des Wissenschaftsmagazins "Nature". Sie betonte jedoch, dass weitere Forschung nötig sei, um Langzeitwirkungen auf Personen auszuschließen, die nahe von Funkmasten wohnen oder arbeiten.

In früheren Untersuchungen von Handy-Strahlung ist bisher kein Beweis für eine konkrete Gesundheitsgefährdung gefunden worden. So gab es zuletzt eine großangelegte Studie aus Dänemark, die 420.000 Menschen und deren Gesundheitsdaten aus den letzten 15 bis 25 Jahren umfasste. Ergebnis: Von Handys geht keine Krebsgefahr aus.

hda

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