Satellitenbild der Woche Bevölkerungsexplosion

Satelliten haben eine der am schnellsten wachsenden Metropolen der Erde aufgenommen: Delhi in Indien. Schon bald könnten dort so viele Menschen leben, wie in keiner Region sonst auf der Welt.


Wo früher Felder und Wiesen lagen, sind heute Gebäude, Straßen und Parkplätze zu finden. Die indische Hauptstadt Neu-Delhi gehört zu den am schnellsten wachsenden Städten der Erde. Im Großraum Delhi, zu dem auch Neu-Delhi gehört, leben etwa 29 Millionen Menschen, und die Vereinten Nationen gehen davon aus, dass die Region weiter wächst.

Schon jetzt ist Neu-Delhi mit den angrenzenden Gebieten die zweit bevölkerungsreichste Metropolregion nach Tokio. Mit einem Unterschied: Während Tokio laut aktuellen Prognosen schrumpft, sagen sie für Delhi weiteres Wachstum voraus.

Demnach könnten städtische Regionen in Indien bis 2050 um weitere 400 Millionen Menschen anwachsen. Das wäre die größte Stadt-Migration, die es je innerhalb von 32 Jahren gab. Bereits 2028 könnte Delhi zur größten Metropole der Erde werden.

Delhi 1989 und heute

Die Nasa hat nun die Bilder zweier Satelliten veröffentlicht, die zeigen, wie Delhi bereits in den vergangenen 29 Jahren gewachsen ist (siehe Vergleichsansicht unten). Die ältere Aufnahme stammt vom 5. Dezember 1989 und wurde von "Landsat 5" aufgenommen. Die aktuelle Aufnahme hat "Landsat 8" am 5. Juni 2018 gemacht.

Neben sichtbarem Licht, wurden im Bild auch Informationen aus dem kurzwelligen Infrarotlicht verarbeitet. Mithilfe der Falschfarben kann man städtische und ländlichen Regionen besser unterscheiden.

Das Wachstum geht größtenteils von Neu-Delhi aus. Von 1991 bis 2011 hat sich die Fläche der Metropolregion dadurch fast verdoppelt. Auch die umliegenden Städte, Bahadurgarh (nordwestlich von Neu-Delhi), Ghaziabad (nordöstlich), Noida (südöstlich), Faridabad (südlich), and Gurugram (südwestlich) sind gewachsen, wie der Bildervergleich zeigt.

Bis zu neun Grad wärmer

Das liegt auch daran, dass Delhi eines der höchsten Pro-Kopf-Einkommen in Indien hat. Die meisten Menschen kommen in die Stadt, um zu arbeiten - mit Folgen. Der Verkehr ballt sich in den Städten, die Luftqualität sinkt.

Zudem wirkt sich das enge Zusammenleben auf die Lufttemperaturen aus. Gebäude speichern tagsüber viel Wärme und geben sie nachts an die Umgebung ab. Dicht besiedelte Gegenden Delhis sind dadurch im Winter sieben bis neun Grad wärmer als dünn besiedelte Vergleichsregionen.

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Satellitenbild der Woche: Schnappschüsse aus dem All

Indien ist nur einer von vielen Staaten mit schnell wachsenden Städten. Bis 2050 sollen auch die urbanen Gegenden in China um 250 Millionen Menschen wachsen. In Nigeria gehen Schätzungen von 190 Millionen zusätzlichen Bewohnern großer Metropolen aus. Indien, China und Nigeria werden laut den Prognosen zwischen 2018 und 2050 zu 35 Prozent des weltweiten Bevölkerungswachstums in großen Metropolen beitragen.

jme



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