Neue Art entdeckt Bakterien leben in Haarspray

Eine bisher unbekannte Bakterienart hat einen ungewöhnlichen Lebensraum erobert: Sie lebt in Haarspray, wie japanische Forscher jetzt herausgefunden haben. Dort sind die Mikroben nicht allein.


Reading - Ihre nächsten Verwandten bevorzugen Milch, Käse, Rindfleisch und Eier - die Bakterienart Microbacterium hatanonis hat sich als Lebensraum auch lange, mit Haarspray gefüllte Metalldosen ausgesucht. Entdeckt wurde die bislang unbekannte Art von Forschern in Japan. Ob die Bakterien eine Gefahr für den Menschen darstellen, können Mohammad Bakir und seine Kollegen vom Riken-Forschungsinstitut in Saitama noch nicht sagen.

Styling aus der Dose: In Haarspray können Bakterien lauern
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Styling aus der Dose: In Haarspray können Bakterien lauern

Microbacterium hatanonis ist stäbchenförmig, lässt sich mit bestimmten Farbstoffen anfärben und benötigt zum Überleben Sauerstoff. Zudem gedeiht es am besten bei 30 Grad Celsius und einem neutralen pH-Wert, zeigt eine Analyse des entdeckten Bakteriums. Seine Gene deuten darauf hin, dass es zwar verwandt mit anderen Microbacterium-Arten ist, sich seine Entwicklungslinie jedoch irgendwann in der Vergangenheit von denen der anderen abgetrennt hat, schreiben die Forscher im Fachblatt "International Journal of Systematic and Evolutionary Microbiology" vor (Bd. 58, S. 654).

M. hatanonis ist nicht der einzige Keim, den Bakir und seine Kollegen in Haarsprayproben identifizierten: Sie fanden außerdem die eng verwandte Bakterienart Microbacterium oxydans, die normalerweise in Material aus Krankenhäusern vorkommt. Ob, und wenn ja, welches Gefährdungspotential für die Gesundheit von den Bakterien ausgeht, soll nun im nächsten Schritt geklärt werden. Problematisch könnten die Mikroben vor allem für Menschen mit schlechtem oder unterdrücktem Immunsystem sein - beispielsweise Leukämie-, Transplantations- oder Aids-Patienten. So wurden andere Microbacterium-Arten bereits im Blut von Leukämie-Patienten, auf Kathetern und im Knochenmark nachgewiesen, berichten die Forscher.

Kontaminationen von Kosmetikprodukten mit Bakterien sind insgesamt sehr selten, betont Studienleiter Bakir, das gelte auch für Haarspray und M. hatatonis. Allerdings gab es in der Vergangenheit bereits überraschende Mikrobenfunde: So hatten deutsche Wissenschaftler im Jahr 2006 nachgewiesen, dass sich das Bakterium Pseudomonas aeruginosa auch von Seife und Shampoos ernähren kann - Substanzen, die für die meisten anderen Mikroorganismen tödlich sind. Pseudomonas-Mikroben spielen in der Atmosphäre eine wichtige Rolle: Sie bilden Kondensations- und Eiskeime in höheren Schichten der Atmosphäre und sorgen auf diese Weise für Schneefall.

hda/ddp



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