Neue Ausstellung: Kriegsherr auf großer Fahrt

Es war ein Feldzug der Superlative: Elf Jahre dauerte der Krieg von Alexander dem Großen gegen die Perser. Eine große Ausstellung in Mannheim zeigt nun, wie die zentralasiatischen Völker mit der griechischen Kultur und Lebensweise in Kontakt kamen - und umgekehrt.

Ausstellung in Mannheim: Antiker Mega-Kriegszug Fotos
ddp

Mannheim - Den Krieg hatte er geerbt. Als Alexander der Große im Jahr 336 vor Christus neuer makedonischer König wurde, übernahm er von seinem Vater Philipp II. nicht nur die Herrschaft. Gezwungenermaßen, sozusagen, machte er sich auch dessen Pläne für einen Feldzug gegen das Persische Reich zu eigen. Elf Jahre sollte das Unternehmen dauern, rund 30.000 Kilometer musste das Heer dafür zurücklegen.

Der Kriegszug steht nun im Mittelpunkt einer opulenten Ausstellung in den Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen. "Der Feldzug führte zu tiefgreifenden kulturellen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umbrüchen", sagt Museumschef Alfried Wieczorek. "Nichts war mehr wie zuvor."

Durch die Truppen Alexanders kamen die zentralasiatischen Völker mit der griechischen Kultur und Lebensweise in Kontakt - und umgekehrt. Die Schau " Alexander der Große und die Öffnung der Welt. Asiens Kulturen im Wandel" stellt diese turbulente Zeit vor. Sie läuft bis 21. Februar 2010 - und verspricht einige bisher noch nicht in Europa gezeigte Ausstellungsobjekte. "Wir wollen den Besuchern das Gefühl für die damaligen Lebensumstände vermitteln", sagt Kuratorin Nicola Crüsemann. Vier Jahre lang hat sie zusammen mit ihrer Kollegin Gunvor Lindström die Exponate zusammengetragen.

Babylon ersteht im Computer wieder auf

Das Ergebnis kann sich sehen lassen: In Mannheim sind unter anderem reichverzierte persische Gold- und Silberbecher sowie das 300 Kilogramm schwere Relief eines Bogenschützen aus dem Pariser Louvre zu sehen. Außerdem gibt es kostbare Leihgaben wie Münzen und Schmuck, Waffen und Reliefs aus der Eremitage in St. Petersburg, aus Kabul und Tadschikistan.

Ausgangspunkt der Ausstellung ist die antike Metropole Babylon, das Tor zu einer für die Griechen bis dahin unbekannten Welt. Im Computer ersteht die Stadt mit ihrem berühmten Turm nun wieder auf. Eine spektakuläre digitale Rekonstruktion zeigt den Ausstellungsgästen Mauern und Straßen in realistischen Proportionen. Die Ausstellung folgt Alexander dann auf seinem Eroberungszug durch das riesige persische Reich. Das wurde zu dieser Zeit von den achämenidischen Großkönigen beherrscht. Die waren für Alexander zwar einerseits Feinde, ihre Kultur und ihre politische Struktur wirkten auf den jungen Griechen aber auch faszinierend. Er übernahm nicht nur das achämenidische Wirtschafts- und Verwaltungssystem, sondern sah sich schließlich auch in der Nachfolge der persischen Großkönige.

Eine gewaltige Karte in der Ausstellung veranschaulicht den Verlauf des Eroberungszuges. Damit die Besucher die Bedingungen der antiken militärischen Aktion besser verstehen können, dürfen sie auch sechs Meter lange Lanzen in die Hände nehmen oder sich Helme auf den Kopf setzen. Am Computer können sie außerdem eine Festung in Usbekistan erkunden. Sie war bis zum vergangenen Jahr ausgegraben worden. Die bis zu 2,5 Meter hohen Mauern des Baus sind bis heute gut erhalten.

Bei den heutigen Geschichtsschreibern käme Alexander nach Ansicht von Museumsdirektor Wieczorek übrigens nicht besonders gut weg: "Würde er heute wieder mit seiner Armee ins Feld ziehen, würde sein Ruf sicherlich nicht die positiven Züge tragen, die er heute besitzt." Trotz seines erfolgreichen Feldzuges würde stärker auch auf die negativen Folgen seines Wirkens eingegangen als dies damals der Fall war, sagte der Museumschef. Damals seien Hofberichterstatter stets an der Seite des makedonischen Königs gewesen. Sie sollten sein Bild für die Nachwelt in den gewünschten Farben zeichnen. "Heute würde ihnen das sicherlich nicht mehr gelingen."

chs/ddp/dpa

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