Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Neue Bestattungstechnik: In Lauge auflösen und ab in den Abfluss

Verbrennen, begraben, auf hoher See versenken - vielfältig sind die Sitten beim Bestatten der Toten. Nun könnte eine neue Methode dazukommen, die an Mafia-Praktiken erinnert: das Auflösen in Lauge. Experten loben vor allem die gute Ökobilanz.

Ist das ein würdiges Ende? Die Leiche wird in einen Edelstahltank gesteckt, dieser hermetisch abgeschlossen, und dann beginnt die alkalische Hydrolyse. Wasser und Laugensalz verteilen sich. Der Tank wird wie ein Schnellkochtopf auf 150 Grad erhitzt. Nach zwei bis drei Stunden sind nur noch einige Knochenreste übrig - und eine braune Flüssigkeit mit der Konsistenz von Motoröl.

Bestattung mit Lauge: Brad Crain, Chef von BioSafe Engineering, steht vor einem Hydrolyse-Tank für Leichen
AP

Bestattung mit Lauge: Brad Crain, Chef von BioSafe Engineering, steht vor einem Hydrolyse-Tank für Leichen

Seit Mitte der neunziger Jahre werden Tierkadaver und vereinzelt auch Leichenteile auf diese Weise an US-Universitäten und Forschungsinstituten aufgelöst. Nun wollen die Hersteller der Hydrolyse-Tanks groß ins Bestattungsgeschäft einsteigen. Ihr wichtigstes Argument: Das Zersetzen mit einer Lauge sei ökologischer als beispielsweise das Verbrennen. Die braune Brühe stinkt zwar unangenehm nach Ammoniak, kann jedoch angeblich in den meisten Fällen bedenkenlos über den Abfluss entsorgt werden.

In der US-Bestattungsbranche geht bereits mancher davon aus, dass das Auflösen im Tank ein neuer Trend werden könnte: "Es passiert nicht so oft, dass eine völlig neue Technologie bei Bestattern Einzug hält", heißt es im Newsletter "Funeral Service Insider". Aber bei der alkalischen Hydrolyse könne genau dies der Fall sein.

Allerdings dürfte es nicht allzu einfach werden, die Öffentlichkeit von einer Technik zu überzeugen, die an Methoden der Mafia oder brutaler Diktatoren erinnert. Im Bundesstaat New York bekam der Gesetzesvorschlag, der die Hydrolyse erlauben soll, den Namen "Hannibal Lecter's Bill" - eine Anspielung an den Serienmörder in Romanen von Thomas Harris ("Das Schweigen der Lämmer").

Die alkalische Hydrolyse ist bereits in den Bundesstaaten Minnesota und New Hampshire legal. Es gibt mehrere Hersteller der Stahlzylinder, zum Beispiel Resomation Ltd. in Glasgow (Schottland) und BioSafe Engineering in Brownsburg (US-Bundesstaat Indiana). BioSafe-Chef Brad Crain schätzt, dass bereits 40 bis 50 Einrichtungen in den USA die Technik nutzen.

Die Kosten für einen Edelstahlzylinder liegen bei knapp 200.000 Euro. Die Investitionen in die Technik sollen höher sein als bei einem Krematorium, die Bestattungskosten sollen jedoch in etwa gleich.

Bestattungen und Ökologie zu verbinden, ist ohnehin ein Trend in der Branche. Geworben wird mit Särgen aus Korb oder Pappe, auch werden Kühlung statt Einbalsamierung und Leichenwagen mit sparsamen Motoren angepriesen. "Die Leute machen sich Gedanken darüber, wie man am besten leben sollte. Und damit eben auch, wie man am besten sterben sollte", sagt Roslyn Cassidy, Bestattungsdirektorin bei Green Endings - einer britischen Firma, die Ökobeerdigungen anbietet.

Die neue Methode des Auflösens im Tank stößt allerdings auch auf Kritik: "Wir glauben, dass dieser Prozess, der es ermöglicht, Teile des menschlichen Körpers den Abfluss hinunter zu spülen, unwürdig ist", sagt Patrick McGee, Sprecher der römisch-katholischen Diözese von Manchester im US-Bundesstaat New Hampshire.

hda/AP

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: