Neue Methode Forscher färben Mäusehirne bunt

Mit einer Kombination aus Gentechnik und speziell gestalteten Proteinen ist es einem Forscherteam gelungen, Gehirnzellen in nie gekannter Detailschärfe einzufärben. Die Brainbow genannte Technik soll dazu beitragen, eines Tages auch das menschliche Gehirn besser zu verstehen.


Der italienische Neurologe Camillo Golgi war der erste, der einen klaren Blick ins Gehirn möglich machte, einen Blick auf die anatomischen Details, die Nervenbahnen und -zellen. Mit einer damals revolutionären Methode färbte Golgi in den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts Gehirnschnitte so an, dass nicht nur die Gehirnzellen, sondern auch ihre Verbindungen, Axone und Dendriten sichtbar wurden. Nun hat ein Team von der Harvard University Golgis Methode fürs 21. Jahrhundert neu erfunden: in Farbe.

Mit einer Kombination aus genetischen Kunstgriffen und bestimmen Proteinen gelang es den Forschern um Jeff Lichtman, Hunderte einzelner Neuronen mit klar unterscheidbaren Farben zu versehen. Brainbow nennen die Wissenschaftler ihre Technik, zusammengesetzt aus den englischen Begriffen für Gehirn und Regenbogen. Die Methode, die in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins "Nature" vorgestellt wird, hebt die Kartierung einzelner neuronaler Schaltkreise auf eine völlig neue Stufe (Bd. 450, S. 56). Etwa 90 verschiedene Farbkombinationen stehen nun zur Verfügung, um Nervenzellen zu markieren.

Lichtman und seine Kollegen erprobten die Technik an eigens gezüchteten transgenen Mäusen. Zur Demonstration der Methode rekonstruierten sie Hunderte von benachbarten Axonen und Synapsen in winzigen Stücken aus dem Gehirn einer Maus. Die Forscher hoffen nun, dass ihre Entwicklung dazu beiträgt, dass neuronale Schaltkreise in Zukunft einfacher, besser und präziser analysiert werden können - was eines Tages nicht nur zum Verständnis des menschlichen Gehirns beitragen soll, sondern auch zur Entwicklung von Behandlungsmöglichkeiten gegen Erkrankungen.

cis



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