Neue Uno-Prognose Weltbevölkerung wächst schneller als erwartet

Im Jahr 2100 werden voraussichtlich 10,9 Milliarden Menschen auf unserem Planeten leben. Das zeigen Vorhersagen der Uno. Das Wachstum findet fast ausschließlich in Entwicklungsländern statt.

Passanten in London (Dezember 2009): Europas Bevölkerung wird schrumpfen
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Passanten in London (Dezember 2009): Europas Bevölkerung wird schrumpfen


Die Weltbevölkerung wird von heute fast 7,2 Milliarden Menschen bis zum Jahr 2050 auf voraussichtlich 9,6 Milliarden Menschen wachsen. Im Jahr 2100 würden dann 10,9 Milliarden Menschen auf der Erde leben. Mit dieser neuen Projektion korrigierten die Vereinten Nationen in einer von der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung vorgelegten Rechnung ihre Vorhersagen aus dem Jahr 2011 um rund 250 Millionen Menschen nach oben - wobei die Experten auch schon damals verschiedene Szenarien im Angebot hatten.

Strategien gegen das Bevölkerungswachstum gibt es viele - doch keine scheint bisher richtig anzuschlagen. Tatsächlich sinken die Fruchtbarkeitsraten weniger stark als noch vor zwei Jahren angenommen. Gleichzeitig bedroht der Klimawandel die globale Nahrungsmittelproduktion.

Das Bevölkerungswachstum der Zukunft findet demnach fast ausschließlich in den Entwicklungsländern statt. In Afrika werde sich die Bevölkerung von heute 1,1 Milliarden auf voraussichtlich knapp 4,2 Milliarden Menschen im Jahr 2100 vervierfachen.

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Landwirtschaft: Weltbevölkerung wächst und hungert
Die Bevölkerung wächst in den ärmsten Ländern der Welt am schnellsten", sagt Thomas Büttner, Ex-Chef der Uno-Bevölkerungsstudien. In Ländern wie Malawi, Nigeria und Uganda würden bis 2100 rund fünfmal mehr Menschen leben als heute - wenn die Fertilitätsraten zurückgehen. "Wenn die Bevölkerung weiterhin so schnell wachsen würde wie heute, wären es zum Beispiel in Uganda sogar mehr als 30-mal so viele Menschen", so Büttner.

"Jedes Jahr werden rund 80 Millionen Frauen in Entwicklungsländern ungewollt schwanger - vor allem, weil sie nicht verhüten können", so Renate Bähr, Geschäftsführerin der Stiftung Weltbevölkerung. Wenn Frauen und Mädchen frei darüber entscheiden könnten, wann und wie viele Kinder sie bekommen, seien sie gesünder, wirtschaftlich produktiver und hätten bessere Bildungschancen.

In Europa leben heute noch 742 Millionen Menschen. Ende des Jahrhunderts könnten es voraussichtlich nur noch 639 Millionen sein. Das entspricht einem Rückgang um 14 Prozent.

Die Uno-Projektionen basieren auf der Annahme, dass die durchschnittliche Fertilität in den Entwicklungsländern von heute 2,6 Kindern pro Frau auf zwei Kinder im Jahr 2100 sinken wird. Bedingung dafür ist, dass Frauen in Entwicklungsländern einen besseren Zugang zu Aufklärung und Verhütung erhalten.

Die Vereinten Nationen gehen in der Projektion davon aus, dass die durchschnittliche Lebenserwartung der Menschen weltweit von heute 70 Jahren auf 82 Jahre im Jahr 2100 steigen wird. In Industrieländern werden die Menschen dann voraussichtlich 89 Jahre alt werden - und damit elf Jahre älter als heute.

chs/AFP



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insgesamt 111 Beiträge
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Seite 1
jalu-2008 13.06.2013
1. Überbevölkerung
Das ist Theorie! Wie soll sich eine vierfache Bevölkerung in Afrika ernähren? Es wird bitter werden, sehr bitter, weil der Hunger zu riesigen Katastrophen führen wird. Und tragisch ist auch, dass die internationale Gemeinschaft dagegen nicht viel tun kann. Selbst wenn man in der ersten "Runde" alle Menschen retten könnte, sie vermehren sich weiter und weiter ...
rkinfo 13.06.2013
2. 4 Mrd in Afrika ...
Minimum sind das 1 Mrd. to Nahrung /a. Auf den kargen regionalen Böden kaum machbar ... aber teils in der EU. Unsere feuchten und gut gedüngten Böden können viel zusätzlich liefern. Wir hatten vor Jahrzehnten noch 50 Mill to/a Kartoffeln mehr und auch bei Getreide sind locker weitere 50 Mill to machbar. Sieht nach kommenden Jahrhundert der EU Landwirtschaft aus.
kraijjj 13.06.2013
3. Schlimm
Zitat von sysopREUTERSIm Jahr 2100 werden voraussichtlich 10,9 Milliarden Menschen auf unserem Planeten leben. Das zeigen Vorhersagen der Uno. Das Wachstum findet fast ausschließlich in Entwicklungsländern statt. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/neue-prognose-weltbevoelkerung-waechst-schneller-als-erwartet-a-905630.html
denn letztendlich läuft es auf neue Kriege hinaus. Um Ressourcen, Land, Macht. Und ich weiß nicht wie das Bewusstsein den diesen Ländern ist bzgl. des Problems der Überbevölkerung.
Phartiphukborlz 13.06.2013
4. das ist ja wirklich Wahnsinn ...
... was für eine Katastrophe. Nicht nur für diese Menschen, sondern auch für den Planeten.
Wololooo 13.06.2013
5.
Zitat von jalu-2008Das ist Theorie! Wie soll sich eine vierfache Bevölkerung in Afrika ernähren? Es wird bitter werden, sehr bitter, weil der Hunger zu riesigen Katastrophen führen wird. Und tragisch ist auch, dass die internationale Gemeinschaft dagegen nicht viel tun kann. Selbst wenn man in der ersten "Runde" alle Menschen retten könnte, sie vermehren sich weiter und weiter ...
Die internationale Gemeinschaft ist doch gerade das Problem. Würde es keine Nahrungsmittellieferungen geben, würde sich das Bevölkerungswachstum zwangsmäßig auf ein normales Maß einpendeln. Nahrungsmittellieferungen kommen mir eher wie Benzin vor, mit dem man versucht ein Feuer zu löschen.
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