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Neue Regeln: US-Stammzellforscher können auf Bundesmittel hoffen

Wissenschaftler in den USA können in Zukunft einfacher Bundesförderung bekommen, wenn sie mit embryonalen Stammzellen arbeiten. Die neuen Regeln gelten ab sofort - und beenden die Starrköpfigkeit der Ära Bush.

Washington - US-Präsident Barack Obama hatte den Schritt unmittelbar nach seiner Wahl angedeutet, nun wird er Realität: In Zukunft werden es US-Wissenschaftler deutlich einfacher als bisher haben, wenn sie auf Bundesebene Unterstützung für Arbeiten mit embryonalen Stammzellen bekommen wollen. Die neuen Regeln zur Forschungsförderung in diesem Bereich gelten ab sofort. Sie stellen eine weitere Lockerung gegenüber einem im April vorgelegten Entwurf dar.

Stammzellforschung (in Israel): Grundbausteine des Körpers
AP

Stammzellforschung (in Israel): Grundbausteine des Körpers

Wissenschaftler hatten sich beschwert, die damals vorgeschlagenen Regeln hätten dazu geführt, dass bereits eingesetzte Zelllinien vernichtet werden müssten. Im Detail ging es um die Frage, ob die Spender der Embryonen - die etwa bei einer künstlichen Befruchtung übrig geblieben sein können - explizit einer Nutzung zur Stammzellforschung zugestimmt haben müssen. Hier werde nun eine Einzelfallprüfung vorgenommen, teilten die National Institutes of Health (NIH) mit. Neue Zelllinien dürfen die US-Forscher nach wie vor nicht herstellen, die Nutzung existierender Zelllinien ist hingegen erlaubt.

Jahrelanger Streit im Kongress

Die Beschränkungen für Bundesgelder waren vor acht Jahren von Obamas Vorgänger George W. Bush ins Leben gerufen worden. Kritiker warfen Bush vor, die Entscheidung aus religiösen und politischen Gründen getroffen zu haben statt unter wissenschaftlichen und medizinischen Gesichtspunkten. Für private und die von den Bundesstaaten finanzierte Forschung gibt es andere Vorgaben.

Über die Reform der Bundesförderung für Stammzellforscher war im Kongress jahrelang gestritten worden, schließlich hatte es aber einen Konsens über die Grenzen der Forschung gegeben. Auch viele Konservative unterstützen die neuen Regeln. Bush hatte dagegen sein Veto eingelegt - und erklärt, er könne nicht akzeptieren, dass "erstmals in unserer Geschichte die Steuerzahler die mutwillige Zerstörung menschlicher Embryonen unterstützen" sollten.

Embryonale Stammzellen sind Grundbausteine des Körpers, aus denen sich alle Zelltypen des Körpers bilden können. Sie werden aus Embryonen gewonnen - die Hoffnungen an diese Zellen sind groß, man will einmal mit ihnen Krankheiten wie Diabetes, Parkinson und Herzinfarkt behandeln. Auch kaputte Körperteile könnten durch frische aus dem Labor ersetzt werden. In Deutschland ist die Forschung unter Auflagen erlaubt. Forscher arbeiten derzeit aber auch an alternativen Herstellungsverfahren, die einen Verbrauch von Embryonen zur Stammzellherstellung überflüssig machen.

chs/Reuters

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