Neue Studie Fluglärm steigert Blutdruck im Schlaf

Neue Munition für Gegner von Flughafen-Erweiterungen: Einer aktuellen Studie zufolge belastet Fluglärm den menschlichen Körper auch im Schlaf. Je lauter der Krach, desto höher der Blutdruck der Betroffenen, so das Ergebnis der Messungen.


London/Oxford - Die Wissenschaftler schlichen sich nachts an ihre Probanden heran. Sie beobachteten 140 Menschen, die in den Ein- und Abflugschneisen vier internationaler Flughäfen wohnten. In 15-Minuten-Abständen nahmen sie die Blutdruckwerte und den am Bett herrschenden Schalldruckpegel auf.

Flugverkehr: Lärm lässt Blutdruck steigen.
REUTERS

Flugverkehr: Lärm lässt Blutdruck steigen.

Ihre Messergebnisse sind durchaus beeindruckend: Überstieg der Lärm einen Wert von 35 Dezibel, kletterte der Blutdruck der Schlafenden deutlich. 35 Dezibel werden üblicherweise erreicht, wenn Flugzeuge über das Haus donnern, Autos vorbeirauschen oder aber der Partner schnarcht.

Ärzte geben den Blutdruck immer in zwei Werten an: Der erste, sogenannte systolische Wert bezeichnet den höchsten Druck in den Blutgefäßen durch die Kontraktion des Herzens. Der zweite, diastolische Wert steht für den niedrigsten Druck in den Adern, wenn sich das Herz wieder mit Blut füllt.

Das Forscherteam unter Leitung von Lars Jarup vom Imperial College in London fand heraus, dass der Fluglärm im Durchschnitt eine Steigerung des systolischen Wertes um 6,2 Millimeter Quecksilbersäule (mmHg) verursachte. Der diastolische Wert stieg im Schnitt um 7,4 mmHG. Die Weltgesundheitsorganisation WHO definiert Bluthochdruck ab einem Verhältnis von systolischem zu diastolischem Wert von 140 zu 90. Als optimal gilt 120 zu 80.

Die Messungen ergaben auch den Trend, dass mit steigendem Lärm im Schlaf der Blutdruck stetig wächst. So geht beispielsweise ein Anstieg des Lärmpegels um fünf Dezibel mit einer systolischen Blutdrucksteigerung von jeweils 0,66 mmHg einher, schreiben die Forscher in der aktuellen Ausgabe des "European Heart Journal". Da mit dem Bluthochdruck auch die Risiken für Herzerkrankungen, Schlaganfall, Nierenleiden und Demenz steigen, empfehlen die Wissenschaftler umfangreiche Lärmschutzmaßnahmen, um den Betroffenen einen erholsameren, unbelasteten Schlaf zu ermöglichen.

Einer weiteren Untersuchung zufolge haben Menschen, die Nachtfluglärm ausgesetzt sind, insgesamt häufiger Bluthochdruck als Menschen in ruhigen Wohngebieten. Bereits ein Anstieg des nächtlichen Fluglärmpegels um 10 Dezibel im Schallpegelbereich von 30 bis 60 Dezibel erhöhe das Risiko für Bluthochdruck bei Frauen und Männern um rund 14 Prozent, hatte das Umweltbundesamt im Januar mitgeteilt. Eine Zunahme um 10 Dezibel bedeutet eine zehnfache Schallintensität und entspricht in etwa einer Verdoppelung des wahrgenommenen Lärms.

Beide Studien sind Teil des von der EU geförderten Projektes Bluthochdruck und nächtlicher Fluglärm ("Hyena"). Insgesamt sind daran 5000 Anwohner in der Nähe der Flughäfen von London, Berlin-Tegel, Athen, Mailand, Stockholm und Amsterdam beteiligt.

mbe/ddp/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.