Neue Studie Wieder keine Krebsgefahr durch Handys

Erneut haben Forscher in einer großangelegten Studie untersucht, ob Handys Krebs verursachen. Das Resultat ist inzwischen ein Standardsatz: Auf kurze Sicht besteht kein Risiko, langfristig müsse noch geforscht werden - mit weiteren Millionenbeträgen.


Die Zahl der medizinischen Studien über das Krebsrisiko durch Mobilfunk geht inzwischen in die Tausende. Doch bisher gibt es im Grunde nur zwei handfeste Ergebnisse. Nummer eins: Kurzfristig kann Handynutzung, auch exzessive, keine Tumoren auslösen. Nummer zwei: Das Krebsrisiko dürfte auch nach Jahrzehnten des Mobilfunkens schlimmstenfalls gering sein - allerdings auch nicht vollkommen auszuschließen. Weshalb weiter geforscht werden müsse.

Mobilfunk-Nutzer: Forscher können erneut keine Krebsgefahr durch Handys nachweisen
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Mobilfunk-Nutzer: Forscher können erneut keine Krebsgefahr durch Handys nachweisen

Diese inzwischen stereotype Doppel-Aussage ist auch das Ergebnis des "Mobile Telecommunications and Health Research"-Programms, kurz MTHR. Das von der britischen Regierung und der Mobilfunkindustrie finanzierte Projekt hat die Ergebnisse von 28 Studien der vergangenen sechs Jahre ausgewertet und auch andere einschlägige Forschungsergebnisse aus aller Welt berücksichtigt. Das Ziel: Hinweise dafür zu finden, dass Mobilfunkstrahlung die Gesundheit beeinträchtigt, etwa durch Veränderungen des Blutdrucks, der Hirnfunktionen oder durch Krebsbildung. Kostenpunkt: 8,8 Millionen Pfund, umgerechnet fast 13 Millionen Euro.

Man habe "keinen Zusammenhang" zwischen der Strahlung und dem Auftreten nachteiliger Symptome finden können, sagte MTHR-Chef Lawrie Challis der britischen Zeitung "The Guardian". Zumindest gelte das für Menschen, die ihre Mobiltelefone weniger als zehn Jahren benutzt hätten. Allerdings habe man einen "schwachen Hinweis" dafür entdeckt, dass es möglicherweise bei den Langzeit-Benutzern ein gewisses Krebsrisiko geben könnte. "Es ist eine schwache Andeutung, der man folgen muss", sagte Challis.

Paul Elliott vom Imperial College London sekundierte seinem Kollegen: "In einigen Studien gab es eine erhöhte Zahl von bösartigen Hirntumoren und Ohrenkrebs", sagte der Epidemiologe dem "Guardian". "Aber der Überhang war an der Grenze der statistischen Bedeutsamkeit." Mit anderen Worten: Die Daten waren so dünn, dass keine wissenschaftlich stichhaltigen Schlussfolgerungen möglich waren.

Wirbel um schwachen Verdacht

Daten dieser Sorte bildeten auch die Basis für den letzten großen Wirbel um das angebliche Handy-Krebsrisiko: "Handys können Krebs auslösen", titelte die "Süddeutsche Zeitung" Ende Januar. Die "Bild" verkündete tags darauf in Riesenlettern die "Krebs-Angst". In einer Studie, die zum selben Befund wie jetzt die MTHR-Untersuchung gekommen war, hatte sich eine kleine Gruppe von Krebspatienten gefunden, die aus dem Gesamtbild herausfiel: Die Betroffenen waren der Meinung, ihr Handy öfter an jene Seite des Kopfes gehalten zu haben, in der sich später ein Tumor bildete.

Ob dieses Ergebnis aber nur der schlechten - möglicherweise vom Krebs getrübten - Erinnerung geschuldet war oder auf statistischen Effekten beruhte, blieb unklar. Gegenkontrollen blieben ohne Befund. Selbst die Forscher bilanzierten über ihre Studie, dass es keinen Verdacht gebe, Handys könnten Krebs verursachen.

Nur: Gänzlich auszuschließen ist in der Medizin bekanntlich selten etwas. Und deshalb wird fleißig weitergeforscht, denn inzwischen hat sich rund um das Handy-Risiko und seine medizinische Begutachtung eine kleine Industrie etabliert. Kein Wunder, denn die Nachfrage in der Bevölkerung ist ungebrochen. Ein Viertel bis ein Drittel der Deutschen äußert sich seit Jahren in Umfragen besorgt über die Handystrahlung, Hunderttausende fühlen sich gar gesundheitlich beeinträchtigt.

Deshalb wird es für die Mobilfunk-Risikoforschung wohl auch künftig Geld geben. Die MTHR-Experten wollen schon im nächsten Jahr weitermachen: Für sechs Millionen Pfund - rund neun Millionen Euro - wollen sie 200.000 europäische Handynutzer untersuchen.

mbe



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