Von Angelika Franz
Offenbar lebten die byzantinischen Mönche in Jerusalem im fünften bis siebten Jahrhundert nicht so asketisch, wie sie sollten. Das ergaben Untersuchungen von Lesley Gregoricka und Susan Guise Sheridan von der University of South Alabama in Mobile. Sie untersuchten die Knochen von 55 Mönchen, die unter dem Kloster des Heiligen Stephan in Jerusalem begraben lagen. Dabei fanden sie heraus, dass viele der Knochen zwar tatsächlich für eine überwiegende Ernährung der Mönche von Brot, Wasser sowie gelegentlich Obst und Gemüse sprachen.
Doch nicht alle: Einige der Überreste waren im Gegensatz dazu reich an dem Isotop Stickstoff-15 - eindeutiger Beleg dafür, dass diese Mönche zu Lebzeiten viel tierische Proteine zu sich nahmen. Tierische Produkte sollten die Mönche aber nach ihren asketischen Lebensvorschriften meiden.
Die byzantinischen Klöster lagen oftmals sogar extra an sehr abgelegenen Orten wie in Wüsten oder entlegenen Bergschluchten, damit die Mönche nicht in die Versuchung weltlicher Genüsse kamen. Das Kloster in Jerusalem war mit seiner Lage in der Stadt eine Ausnahme - und offenbar schafften die Mönche es prompt auch nicht, den weltlichen Verlockungen zu widerstehen.
Mit dem Konsum von tierischem Protein verstießen sie nicht nur gegen die Ernährungsvorschriften. Wie die beiden Forscherinnen in einem im Druck befindlichen Artikel für das "Journal of Anthropological Archaeology" berichten, waren Milchprodukte und Fleisch im Jerusalem des sechsten Jahrhunderts sogar Luxusgüter. Damit setzen sich die gierigen Mönche deutlich auch über das Gebot der Armut hinweg.
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