Ausgegraben - Neues aus der Archäologie: Kinderknochen erzählen von Maya-Tragödie

Von Angelika Franz

2. Teil: +++ Mit der Dürre kamen die Spanier +++


Weitere Zeugen aus der Endzeit der Maya fanden Archäologen des National Institute of Anthropology and History. In der Nähe der Hotelburgen des mexikanischen Cancún entdeckten sie 47 Bestattete aus dem 16. Jahrhundert. Die Skelette zeigen deutlich, dass hier nicht nur das Klima, sondern auch die Spanier den Maya zusetzten.

Die Spanier siedelten damals im Westen an der Küste und schnitten wichtige Handelsrouten ins Hinterland ab. Dadurch war die Versorgung des Hinterlandes nicht mehr gewährleistet - und die Maya nagten am Hungertuch. Die Kindersterblichkeit wurde extrem hoch, die Knochen zeigen Spuren schwerer Mangelernährung und Anämie. Unter den 47 Beisetzungen aus der Spätzeit der Siedlung waren 30 Kinder zwischen drei und sechs Jahren. Vor Ankunft der Spanier war die Siedlung ein großes Handelszentrum gewesen. Am Ende aber wurde sie einfach aufgegeben.

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
Auf anderen Social Networks teilen
  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
insgesamt 5 Beiträge
joachimmilz 17.11.2012
Das mag zwar richtig sein ist aber zu oberflächlich. Im Zuge ihrer Entwicklung haben die Mayas für landwirtschaftliche Kulturflächen die Wälder massiv gerodet gehabt. Abnehmende Bodenfruchtbarkeit, Kahlschlag und dann dadurch [...]
Das mag zwar richtig sein ist aber zu oberflächlich. Im Zuge ihrer Entwicklung haben die Mayas für landwirtschaftliche Kulturflächen die Wälder massiv gerodet gehabt. Abnehmende Bodenfruchtbarkeit, Kahlschlag und dann dadurch verursachte Trockenheit haben letztendlich die Krise ausgelöst. Montgomery hat dies im übrigen durch Pollenanalysen nachgewiesen (Dirt-The Erosion of Civilazation). J.Milz-Bolivien
deutsch_er 17.11.2012
Es ist doch immer das Gleiche. Kaum wird über die Maya oder die Inka berichtet werden die Spanier als die Bösen dargestellt. Unglaublich! Denen wird ja wirklich alles in die Schuhe geschoben. Würden wir hier in Deutschland solch [...]
Es ist doch immer das Gleiche. Kaum wird über die Maya oder die Inka berichtet werden die Spanier als die Bösen dargestellt. Unglaublich! Denen wird ja wirklich alles in die Schuhe geschoben. Würden wir hier in Deutschland solch eine Sichtweise auf Engländer und Amerikaner übertragen und gerecht sein, müssten wir jeden Tag über die Verbrechen an schwarzen Sklaven und an Massenmorden an Indianern in Nordamerika berichten. Wer sich wirklich mit Geschichte beschäftigt sollte auch das Edikt Philip des Zweiten von Spanien kennen, das den Indianern schon damals ihre Sprache, ihre Kultur und ihre Identiät zusicherte und garantierte. Aber Geschichte schreiben die Sieger und nicht die Vernunft.
kalumeth 18.11.2012
Ja müssten wir. Immerhin finden die restlichen Überlebenden der nordamerikanischen Ureinohner heute wieder etwas mehr zu ihrem Selbstbewusstsein zurück und setzen ihre Rechte mehr und mehr durch. Jedenfalls sehe ich in der [...]
Zitat von deutsch_erWürden wir hier in Deutschland solch eine Sichtweise auf Engländer und Amerikaner übertragen und gerecht sein, müssten wir jeden Tag über die Verbrechen an schwarzen Sklaven und an Massenmorden an Indianern in Nordamerika berichten. .
Ja müssten wir. Immerhin finden die restlichen Überlebenden der nordamerikanischen Ureinohner heute wieder etwas mehr zu ihrem Selbstbewusstsein zurück und setzen ihre Rechte mehr und mehr durch. Jedenfalls sehe ich in der gewaltsamen Eroberung Amerikas ein Versagen europäischer (Religions)Kultur in der frühen Neuzeit. Ähnlich wie bei der Hexenverfolgung wurden nichtmonotheistische Kulturwerte brutal zerstört.
kartoschka 19.11.2012
Wo werden denn die Spanier als die Bösen dargestellt? Die Kultur der Maya war bei Ankunft der Spanier bereits im Untergang (wegen Dürren, Übernutzung der Böden,...). Aber natürlich hatten die Spanier auch ihren Anteil daran, [...]
Zitat von deutsch_erEs ist doch immer das Gleiche. Kaum wird über die Maya oder die Inka berichtet werden die Spanier als die Bösen dargestellt. Unglaublich! Denen wird ja wirklich alles in die Schuhe geschoben. Würden wir hier in Deutschland solch eine Sichtweise auf Engländer und Amerikaner übertragen und gerecht sein, müssten wir jeden Tag über die Verbrechen an schwarzen Sklaven und an Massenmorden an Indianern in Nordamerika berichten. Wer sich wirklich mit Geschichte beschäftigt sollte auch das Edikt Philip des Zweiten von Spanien kennen, das den Indianern schon damals ihre Sprache, ihre Kultur und ihre Identiät zusicherte und garantierte. Aber Geschichte schreiben die Sieger und nicht die Vernunft.
Wo werden denn die Spanier als die Bösen dargestellt? Die Kultur der Maya war bei Ankunft der Spanier bereits im Untergang (wegen Dürren, Übernutzung der Böden,...). Aber natürlich hatten die Spanier auch ihren Anteil daran, nicht zuletzt wegen der Krankheiten, die sie mitbrachten, welche etwa 90% der indianischen Bevölkerung Amerikas auslöschte (s. Jared Diamond: Arm und Reich)
Natürlich haben die Spanier mit ihrem religiösen Messianismus, ihrem kolonialen Latifundiensystem sowie ihrer Ausbeutung der autochthonen Bevölkerung die indianischen Kulturen nachhaltig zerstört. Da helfen auch die wenigen [...]
Natürlich haben die Spanier mit ihrem religiösen Messianismus, ihrem kolonialen Latifundiensystem sowie ihrer Ausbeutung der autochthonen Bevölkerung die indianischen Kulturen nachhaltig zerstört. Da helfen auch die wenigen europäischen Dekrete nicht, die vom König und einzelnen Kirchenhierarchen erlassen wurden, aber sich in der neuen Welt gar nicht auswirkten. Hier zählten letztlich nur die Gewinne, die man aus den Ressourcen herausholen konnte und die Indigenen waren nur als billige Arbeitskräfte gefragt. Was aus den Kolonien herausgepresst wurde, floss nach Spanien und ermöglichte es den Königen, ihre Religionskriege gegen ihre Nachbarn für die katholische Kirche zu führen. Wenn schon Geschichte, dann auch bitte im richtigen Zusammenhang darstellen!
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wissenschaft
alles aus der Rubrik Mensch
alles zum Thema Ausgegraben

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Samstag, 17.11.2012 – 09:41 Uhr
  • Drucken Versenden Feedback
  • Kommentieren | 5 Kommentare
Buchtipp

Angelika Franz:
Der Tod auf der Schippe
oder Was Archäologen sonst so finden.

Theiss; 176 Seiten; 14,90 Euro.

Einfach und bequem: Direkt im SPIEGEL-Shop bestellen.


Archäologische Methoden der Datierung
Das radioaktive Kohlenstoffisotop C-14 wird in der Atmosphäre ständig durch kosmische Strahlung erzeugt und gelangt in Form von Kohlendioxid (CO2) in die Biosphäre. Pflanzen, die CO2 aufnehmen, werden von Tieren und Menschen gegessen. Sie enthalten eine niedrige Aktivität, die überall und über lange Zeiträume gleich ist. Stirbt ein Lebewesen, nimmt es kein C-14 mehr auf und die Aktivität klingt in 5730 Jahren um die Hälfte ab. Je älter ein Fund, desto geringer seine Aktivität. Man kann damit bis zu einem Alter von circa 50.000 Jahren datieren.





TOP



TOP