Von Angelika Franz
Ein Aufschrei der Empörung ging durch die Welt, als im März 2001 die Taliban die Buddha-Statuen von Bamian sprengten. Doch die Zerstörung von Heiligtümern feindlicher Religionen ist kein neues Phänomen.
In Israel haben Archäologen jetzt ein Beispiel dafür aus dem 11. Jahrhundert vor Christus gefunden. Sie entdeckten einen Tempel nahe der Siedlung Beth-Shemesh, der von den anhaltenden Konflikten zwischen Israeliten, Kanaanitern und Philistern in der Region erzählt. Der Name Beth-Shemesh ("Haus der aufgehenden Sonne") weist darauf hin, dass es die Kanaaniter waren, die ihn erbauten. Die Ausgräber fanden Scherben von kostbaren, bemalten Trinkgefäßen, die bei Ritualen benutzt wurden. Zu der Anlage gehörten drei Altarsteine. Um einen lagen viele Knochen von kleinen Tieren herum. Zwei weitere hatten Rinnen, in denen Flüssigkeiten - zum Beispiel Blut von Opfertieren - gesammelt werden konnten.
Doch dann wurde der Tempel offenbar zerstört. Eine Analyse des Bodens ergab, dass in der Folgezeit Vieh in den Tempelruinen gehalten wurde. Die Archäologen glauben, dass die Philister damit bewusst den Tempel entweihen wollten. Dann jedoch wurden Öfen, sogenannte Tabuns in den Ruinen gebaut.
Die Ausgräber Zvi Ledermann und Shlomo Bunimovitz von der Universität Tel Aviv mutmaßten auf dem Jahrestreffen der American Schools of Oriental Research in Chicago, dass die Öfen von den Nachfahren der Tempelerbauer stammen könnten, die den Ort zurückeroberten. Sie könnten darin Brote für religiöse Feste gebacken haben, die in dem alten Tempel erneut abgehalten wurden.
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