Ausgegraben

Ausgegraben Heilige Kühe aßen schon vor 4000 Jahren Curry

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4. Teil: +++ Das Geheimnis von Poverty Point +++

Lori Roe und Anthony Ortmann am Megalhügel Mound A, Poverty Point Zur Großansicht
Washington University in St. Louis

Lori Roe und Anthony Ortmann am Megalhügel Mound A, Poverty Point

Vor über 3000 Jahren bauten Indianer am Poverty Point auf einer Talebene des Mississippi gigantische Erdwerke. Die sechs konzentrischen Kreise und sechs Hügel verteilen sich auf rund 160 Hektar an einem Hangabbruch zu einem Wasserlauf. Über die Erbauer dieser Erdwerke ist nur wenig bekannt. Sie lebten als Jäger, Sammler und Fischer, konnten einfache Keramik herstellen und bezogen das Material für ihre Steinwerkzeuge aus unglaublichen Entfernungen - bis zu 2000 Kilometer entfernt. Der Lebensraum dieser Kultur - benannt nach dem Fundplatz Poverty Point - erstreckte sich von seinem Zentrum in Louisiana bis nach Mississippi, Arkansas und Florida. Wie schafften es Menschen, die täglich ihr Essen sammeln, jagen oder fischen mussten, solch gewaltige Erdwerke zu errichten?

Eine Theorie war bisher, dass sie über Jahrzehnte hinweg immer wieder Erde aufhäuften - beispielsweise an besonderen Tagen im Jahr. Doch weit gefehlt. Neue Ergebnisse von Forschungen am knapp 22 Meter hohen Mound A zeigen nun ein ganz anderes Bild. Wie Anthony Ortmann von der Murray State University in Kentucky und Tristram Kidder von der Washington University in St. Louis in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift "Geoarchaeology" berichten, gibt es keine Hinweise darauf, dass die Arbeiten unterbrochen wurden. Weder gibt es Spuren von Erosion, noch von natürlichen Ablagerungen oder von Phasen menschlicher Nutzung im Inneren des Hügels. Statt dessen deutet alles darauf hin, dass der Mega-Hügel in nur drei Monaten aufgeschichtet wurde. Das bedeutet aber, dass viele Menschen an diesem Projekt beteiligt gewesen sein müssen - und noch mehr, um diese Bauarbeiter während der Zeit mit Essen zu versorgen.

In einer Jäger-Sammler-Gesellschaft, wie wir sie uns heute vorstellen, wäre so ein Gemeinschaftsakt kaum möglich gewesen. Ortmann und Kidder glauben nicht, dass die Erdwerke von Poverty Point von Sklaven gebaut wurden. "Wir argumentieren stattdessen, dass der Mound A in einem rituellen Akt errichtet wurde", schreiben sie in ihrem Aufsatz.

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3 Leserkommentare Diskutieren Sie mit!
man_vs_ape 03.02.2013
Schlaflöwe 03.02.2013
hatomune 03.02.2013
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Zur Autorin
  • Sabine Bungert
    Angelika Franz ist Archäologin. Als freie Autorin schreibt sie meistens über Kriege, Seuchen und alles, was verwest, verrottet und verfallen ist. Trotzdem ist sie keineswegs morbide veranlagt, sondern findet vielmehr, dass Archäologie die praktischen Dinge des Lebens lehrt. Bei Bedarf kann sie ein Skalpell aus Flint schlagen, in einer Erdgrube Bier brauen oder Hühner fachgerecht mumifizieren.
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