Von Angelika Franz
Am 22. Februar 2011 bebte um 12:51 Uhr die Erde der neuseeländischen Stadt Christchurch. 185 Menschen kamen dabei ums Leben. Bis zu 10.000 Wohnhäuser mussten abgerissen, rund 100.000 weitere repariert werden. Doch was für die Menschen eine Tragödie ist, ist für die Archäologen ein Glücksfall. Denn jedes Mal, wenn ein Haus abgerissen wird, bekommen sie Gelegenheit, den Boden der ältesten europäischen Stadt Neuseelands zu untersuchen.
Unter den Trümmern des Isaac Theatre Royal fanden die Ausgräber beispielsweise Flaschen, Keramik und Schmelztiegel, wie sie von Goldgräbern benutzt wurden. Sie stammen aus der Abfallgrube eines Wohnhauses und datieren um 1870. Kirsa Webb von der Firma Underground Overground Archaeology war vor allem von den Schmelztiegeln beeindruckt: "Das ist sehr seltsam - wir wissen nicht, warum sie dort lagen. Auf alten Karten von 1877 sind in dem Häuserblock nur ganz wenige Häuser zu sehen."
An anderen Stellen der Stadt fanden die Archäologen eine ganze Bandbreite von Gegenständen aus dem Leben der Stadt, von Maori-Artefakten aus einer Zeit lange bevor es Christchurch gab bis hin zu einem modernen Rollschuh, Goldgräberausrüstungen und tausenden von Flaschen. Der Rollschuh stammt von einer Grabung an der New Regent Street, wo tatsächlich eine Rollschuhbahn stand. Besonders viele Flaschen lagen unter unter dem Occidental Hotel in der Hereford Street und dem Oxford on Avon Hotel in der Colombo Street - Zeugnisse vergangenen Alkoholkonsums.
Die Artefakte gehören rechtlich den Eigentümern der Grundstücke, auf denen sie gefunden werden. Nur die Maori-Artefakte gehören der Krone und werden den jeweiligen Vertretern der Maori übergeben.
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