Ausgegraben

Ausgegraben Heilige Kühe aßen schon vor 4000 Jahren Curry

Bereits in der frühen Indu Kultur waren Gewürzmischungen sehr beliebt. Forscher fanden den Nachweis in Kochtöpfen und an Kuhzähnen. Außerdem im archäologischen Wochenrückblick: Indianische Mega-Hügel und tödliche Reißleinen.

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Was ist eigentlich Curry? Heute verstehen wir darunter allgemein jene Gewürzmischung, die britische Händler in Indien kennenlernten, als sie dort im 17. Jahrhundert die einheimischen Gerichte kosteten. In unterschiedlichen Mischungsverhältnissen gehören dazu Zwiebeln, Ingwer, Kurkuma, Knoblauch, Pfeffer, Chilies, Koriander, Kreuzkümmel, Nelken und wahlweise noch andere Gewürze. Doch diese Mischung scheint bei weitem nicht indisch, sondern ein internationales Produkt.

Kuh in Indien: Heilige Feinschmecker schon seit Jahrtausenden Zur Großansicht
AP

Kuh in Indien: Heilige Feinschmecker schon seit Jahrtausenden

Indische Händler importierten die Gewürznelken aus Südostasien, die Portugiesen sind für die Chilies verantwortlich, die sie im 16. Jahrhundert aus der Neuen Welt mit in die Handelsniederlassungen an der indischen Westküste brachten. Das Wort selbst stammt wahrscheinlich vom tamilischen "kai" und bedeutet schlicht Soße.

Nun haben Archäologen einen Nachweis gefunden, dass die Menschen der Indus Kultur bereits 4000 Jahre vor Ankunft der Europäer auf dem indischen Subkontinent offenbar eine Vorliebe für Gewürzmischungen mit Ingwer, Knoblauch und Kurkuma hatten. Die Indus Kultur blühte zwischen 2500 und 1800 v. Chr., etwa zur gleichen Zeit wie die Ägypter ihre Pyramiden bauten und die Mesopotamier Großstädte an Euphrat und Tigris.

Arunima Kashyap und Steve Weber von der Washington State University in Vancouver (Kanada) schauten für ihre Forschung in die Kochtöpfe der Stadt Farmana, zwei Stunden westlich von Delhi. Sowohl an den Wänden der Gefäße aus dem späten dritten Jahrtausend vor Christus als auch an Zähnen, gefunden auf dem Friedhof der Stadt entdeckten sie Stärkereste.

Die stammen von den gekochten, beziehungsweise später dann verzehrten Pflanzen - jede mit ihrer ganz spezifischen Molekularstruktur. So konnten die Forscher die Zutaten bestimmen: Ingwer und Kurkuma. Zum Vergleich kochten die Forscher traditionelle Gerichte in ihrer eigenen Küche nach und untersuchten die Reste an den eignene Topfwänden. Verkohlten Knoblauch entdeckten die Archäologen dagegen in Kochstellen.

Erstaunlicherweise klebten auch an Kuhzähnen in Harappa, einer der größten Städte der Indus Kultur, Ingwer und Kurkuma. Doch Weber hat dafür eine einleuchtende Erklärung: Noch heute stellen die Leute in der Region die Reste ihres Essens nach draußen, damit frei herumwandernde Kühe davon naschen können. Zahllose Abbildungen von Kühen auf Tonsiegeln der Indus Kultur deuten darauf hin, dass schon bei ihnen die Tiere vermutlich als heilig galten. Vielleicht labten sich also bereits damals die heiligen Kühe schon an dem, was wir heute als Curry kennen und lieben.

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3 Leserkommentare Diskutieren Sie mit!
man_vs_ape 03.02.2013
Schlaflöwe 03.02.2013
hatomune 03.02.2013
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Zur Autorin
  • Sabine Bungert
    Angelika Franz ist Archäologin. Als freie Autorin schreibt sie meistens über Kriege, Seuchen und alles, was verwest, verrottet und verfallen ist. Trotzdem ist sie keineswegs morbide veranlagt, sondern findet vielmehr, dass Archäologie die praktischen Dinge des Lebens lehrt. Bei Bedarf kann sie ein Skalpell aus Flint schlagen, in einer Erdgrube Bier brauen oder Hühner fachgerecht mumifizieren.
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