Ausgegraben

Ausgegraben - Neues aus der Archäologie Hopewell-Indianer hatten Hang zum Luxus

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2. Teil: Römische Souvenirs von der Nordgrenze

Heute kaufen sich Touristen als Andenken an einen Besuch in London das Miniaturmodell eines kleinen roten Doppeldeckerbusses oder bringen sich aus Edinburgh einen Dudelsack-spielenden Plüschteddy mit.

In römischer Zeit war es offenbar üblich, sich von einem Besuch am Hadrianswall eine kleine emaillierte Schüssel als Souvenir mitzubringen. Drei dieser Schüsseln - die sogenannten Rudge Cup, Amiens Patera und Ilam Pan - stellt der Archäologe David Breeze als Herausgeber nun in einem neu erschienenen Buch eingehend vor. Die Trinkgefäße haben in etwa die Größe von Weingläsern und sind mit den Namen der Befestigungsanlagen entlang des Hadrianwalls dekoriert.

Alle drei entstanden schon in den ersten Jahrzehnten nach dem Bau der Schutzmauer im Jahr 122 nach Christus. "Es ist erstaunlich, dass der Hadrianswall schon so bald nach seinem Bau zur Touristenattraktion wurde", schreibt Breeze. "Keines der Gefäße wurde in der Nähe des Walls gefunden, sondern sie stammen aus Südengland oder Frankreich." Die Ilam Pan trägt zusätzlich noch den Namen Draco - entweder der Hersteller des Stückes oder der Besitzer, für den es gefertigt wurde. Außerdem ist der Herkunftsort vermerkt: Vallum Aelium - Wall des Hadrian. Aelius war der Familienname des Kaisers. Sowohl Rudge Cup als auch Amiens Patera sind mit einem geometrischen Muster verziert, das wohl den Wall selber darstellen soll. Das Design ist sogar noch von zwei weiteren Fundstücken ohne Beschriftung bekannt, von einem Trinkgefäß (möglicherweise einer Flasche) aus Hildburgh und von einem Becher aus Bath.

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2 Leserkommentare Diskutieren Sie mit!
herkurius 23.12.2012
alemannehochdrei 23.12.2012
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Buchtipp

Archäologische Methoden der Datierung
Radiokarbondatierung
Das radioaktive Kohlenstoffisotop C-14 wird in der Atmosphäre ständig durch kosmische Strahlung erzeugt und gelangt in Form von Kohlendioxid (CO2) in die Biosphäre. Pflanzen, die CO2 aufnehmen, werden von Tieren und Menschen gegessen. Sie enthalten eine niedrige Aktivität, die überall und über lange Zeiträume gleich ist. Stirbt ein Lebewesen, nimmt es kein C-14 mehr auf und die Aktivität klingt in 5730 Jahren um die Hälfte ab. Je älter ein Fund, desto geringer seine Aktivität. Man kann damit bis zu einem Alter von circa 50.000 Jahren datieren.
Lumineszenzdatierung
Sie beruht auf einem Strahlenschaden durch die fast überall vorhandenen radioaktiven Elemente Uran, Thorium und Kalium. Die Halbwertszeiten der Radionuklide dieser Elemente sind so lang, dass man von einem konstanten Radioaktivitätspegel ausgehen kann. Als Sensoren für die Strahlenschäden verwendet man meist Quarz und Feldspäte, die in Keramik und in Sedimenten immer vorhanden sind. Diese Minerale senden Licht aus, wenn sie erhitzt werden (Thermolumineszenz) oder beleuchtet werden (optisch stimulierte Lumineszenz). Je älter die Keramik, desto stärker das Leuchten.
Stratigraphie
Über die Stratigraphie wird das Alter eines Gegenstands anhand der Erdschicht bestimmt, in der er vorgefunden wurde. Die Schichten (lateinisch Straten) entstehen durch natürliche Ablagerungen und menschliche Aktivitäten. Die Stratigraphie kann deshalb gut mit den anderen Methoden kombiniert werden. Wurde beispielsweise ein Holzstück mit der C-14-Methode präzise datiert, kennt man auch das Alter eines Fundstücks, das in direktem Zusammenhang in derselben Erdschicht lag.