Ausgegraben

Ausgegraben - Neues aus der Archäologie Hopewell-Indianer hatten Hang zum Luxus

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4. Teil: Steinzeitliche Fürsorge

4000 Jahre altes Skelett: Der Mann litt am Klippel-Feil Syndrom Zur Großansicht
Lorna Tilley

4000 Jahre altes Skelett: Der Mann litt am Klippel-Feil Syndrom

Liebe und Fürsorge sind unserer Natur offenbar ebenso eigen wie der Hang zu Mord und Totschlag. Australische Archäologen haben in Vietnam ein weiteres Beispiel dafür gefunden, dass sich schon in prähistorischer Zeit Menschen aufopferungsvoll um einen behinderten, allein nicht lebensfähigen Menschen kümmerten.

Lorna Tilley und Marc Oxenham von der Australian National University in Canberra fanden das 4000 Jahre alte Skelett eines Mannes, dessen Rückenwirbel zusammengewachsen waren und der schwache Knochen hatte. Der Mann lag zusammengekrümmt in seinem Grab - in der Körperhaltung, die er wahrscheinlich auch im Leben innehatte. Bei allen anderen Begräbnissen der Nekropole lagen die Toten lang ausgestreckt - das war diesem Mann schon lange nicht mehr möglich gewesen. Der Tote litt am Klippel-Feil Syndrom und war von seiner Jungend an von der Hüfte abwärts gelähmt. Seine Arme konnte er - wenn überhaupt - nur wenig benutzten. Alleine Essen oder sich waschen konnte er nicht. Trotzdem lebte er nach dem Einsetzen der Lähmung noch gut zehn Jahre weiter. Seine Mitmenschen lebten zu der Zeit von der Jagd, dem Fischen und den ersten domestizierten Schweinen. Insgesamt sind weltweit etwa 30 Fälle von Menschen bekannt, die zu Lebzeiten über einen langen Zeitraum hinweg intensiver Pflege bedurften.

Die Ergebnisse ihrer Untersuchung haben die Forscher jetzt im "International Journal of Paleopathology" veröffentlicht. Sie schreiben, dass der Fund nicht nur davon zeugt, dass seine Umgebung tolerant und kooperativ war, sondern auch, dass der Mann sich zu Lebzeiten seines eigenen Wertes bewusst gewesen war und einen starken Lebenswillen besessen haben muss. Ohne diese, folgern sie, hätte er nicht überlebt.

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2 Leserkommentare Diskutieren Sie mit!
herkurius 23.12.2012
alemannehochdrei 23.12.2012
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Archäologische Methoden der Datierung
Radiokarbondatierung
Das radioaktive Kohlenstoffisotop C-14 wird in der Atmosphäre ständig durch kosmische Strahlung erzeugt und gelangt in Form von Kohlendioxid (CO2) in die Biosphäre. Pflanzen, die CO2 aufnehmen, werden von Tieren und Menschen gegessen. Sie enthalten eine niedrige Aktivität, die überall und über lange Zeiträume gleich ist. Stirbt ein Lebewesen, nimmt es kein C-14 mehr auf und die Aktivität klingt in 5730 Jahren um die Hälfte ab. Je älter ein Fund, desto geringer seine Aktivität. Man kann damit bis zu einem Alter von circa 50.000 Jahren datieren.
Lumineszenzdatierung
Sie beruht auf einem Strahlenschaden durch die fast überall vorhandenen radioaktiven Elemente Uran, Thorium und Kalium. Die Halbwertszeiten der Radionuklide dieser Elemente sind so lang, dass man von einem konstanten Radioaktivitätspegel ausgehen kann. Als Sensoren für die Strahlenschäden verwendet man meist Quarz und Feldspäte, die in Keramik und in Sedimenten immer vorhanden sind. Diese Minerale senden Licht aus, wenn sie erhitzt werden (Thermolumineszenz) oder beleuchtet werden (optisch stimulierte Lumineszenz). Je älter die Keramik, desto stärker das Leuchten.
Stratigraphie
Über die Stratigraphie wird das Alter eines Gegenstands anhand der Erdschicht bestimmt, in der er vorgefunden wurde. Die Schichten (lateinisch Straten) entstehen durch natürliche Ablagerungen und menschliche Aktivitäten. Die Stratigraphie kann deshalb gut mit den anderen Methoden kombiniert werden. Wurde beispielsweise ein Holzstück mit der C-14-Methode präzise datiert, kennt man auch das Alter eines Fundstücks, das in direktem Zusammenhang in derselben Erdschicht lag.