Von Angelika Franz

Teratom einer Frau, die vor 1600 Jahren starb: Geschwulst, in der sich Zähne bildeten
Ein Teratom ist ein seltsames Gebilde: Aus Stammzellen entwickelt sich - meist in Eierstock oder Hoden - ein Geschwulst, das verschiedene Gewebearten, auch Zähne oder Haare, ausbilden kann. Archäologisch sind Teratome schwer zu entdecken, da die Klumpen auch mit Nierensteinen, Arterien, anderen Tumoren oder einfachen Steinen verwechselt werden können.
In der Nekropole der spanischen Stadt La Fogonussa ist es Archäologen nun gelungen, das bisher älteste bekannte Teratom zu finden. Es lag im Becken einer etwa dreißig- bis vierzigjährigen Frau, die vor 1600 Jahren starb. Der unscheinbare Klumpen ist rund und hat einen Durchmesser von rund viereinhalb Zentimetern. Die Oberfläche ist zerfurcht. Von der Farbe her war das Teratom kaum von den umliegenden Knochen zu unterscheiden. Im Inneren der Wucherung aber fanden die Forscher vier Zähne und ein kleines Stück Knochen.
Eine Gruppe von Wissenschaftlern um Núria Armentano von der Universitat Autònoma de Barcelona berichtet im "International Journal of Paleopathology" über den Fund. Ob Die Frau das Teratom jemals spürte, lässt sich nicht sagen. Möglich ist, dass sie die Wucherung nie spürte. Wenn das Teratom jedoch die Funktion von Organen beeinträchtigte oder beispielsweise eine Schwangerschaft behinderte, könnte es auch zum Tod der Frau geführt haben. Zu Lebzeiten war die Frau nicht besonders wohlhabend. Sie lebte in der letzten Phase römischer Präsenz in Spanien und wurde in einem einfachen, mit Kacheln ausgekleideten Grab bestattet.
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