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Neugeborene: Warmes Wetter bringt mehr Söhne

Wird es warm, kommen mehr Jungen zur Welt - zumindest im Finnland des 18. und 19. Jahrhunderts, wie Forscher herausgefunden haben. Nur warum das so ist, weiß niemand.

Junge oder Mädchen? Diese Frage stellen sich viele werdende Eltern - nicht zuletzt bei der schwierigen Suche nach dem passenden Vornamen. Dank moderner Medizintechnik lässt sich zumindest die Geschlechterfrage auch schon Monate vor der Geburt klären. Forscher wissen schon länger, dass die Lebensumstände der Schwangeren einen gewissen Einfluss darauf haben, ob das Baby ein Junge oder ein Mädchen wird. In unsicheren Zeiten, etwa während eines Krieges oder bei gesellschaftlichen Umbrüchen, sinkt der Anteil der männlichen Neugeborenen nachweisbar. Beispiel Ostdeutschland: 1990 brach die Wirtschaft zusammen, 1991 gab es ein historisches Tief in der Rate der geborenen Jungen.

Mutter mit Kinderwagen im Schnee: Folgt auf ein warmes ein kühles Jahr, kommen mehr Mädchen zur Welt
DPA

Mutter mit Kinderwagen im Schnee: Folgt auf ein warmes ein kühles Jahr, kommen mehr Mädchen zur Welt

Doch auch das Wetter scheint das Geschlechterverhältnis von Babys zu beeinflussen, wie finnische Wissenschaftler jetzt herausgefunden haben. Samuli Helle von der Universität in Turku und seine Kollegen hatten die demografische Entwicklung der Samen, einem im Norden Skandinaviens lebenden Volk, untersucht. Sie nutzten dabei die Kirchenregistereinträge der Lutherschen Kirche aus den Jahren 1745 bis 1890.

Für die Klimadaten zu den entsprechenden Jahren mussten die Forscher auf Temperaturrekonstruktionen zurückgreifen, die unter anderem die Auswertung von Baumringen mit einbeziehen, denn die Klimaaufzeichnungen im Norden Finnlands begannen erst im frühen 20. Jahrhundert. Da Empfängnis und Geburt nicht im gleichen Kalenderjahr liegen müssen, berücksichtigten die Wissenschaftler sowohl das Geburtsjahr als auch das Vorjahr.

Ein warmes Jahr begünstige Jungen, berichten die Forscher in der Fachzeitschrift "Biology Letters" der Royal Society (Online-Vorabveröffentlichung). Ist es hingegen im Vorjahr wärmer als im Geburtsjahr steige der Anteil von Töchtern.

Pro Grad Temperaturanstieg zwischen dem Jahr der Zeugung und dem Geburtsjahr werden rund ein Prozent mehr Jungen geboren, errechneten die Forscher aus ihren Daten. Obwohl Umweltfaktoren den Trend stark mitbestimmten, sei damit doch ein Effekt der Temperatur auf das Geschlecht von Neugeborenen auszumachen, erklären die Forscher. Jedoch können sie aus den Daten nicht schließen, welche Mechanismen dafür im Detail verantwortlich sind. Um das zu klären, wären monatsgenaue Informationen nötig, betonen die Forscher.

Zumindest bei Krokodilen ist der Einfluss der Temperatur auf das Geschlecht schon genauer untersucht. Ob ein Männchen oder ein Weibchen aus einem Ei schlüpft, hängt davon ab, wie warm es gelagert wird. Bei niedrigen Temperaturen sind die Nachkommen weiblich, bei höheren männlich.

hda/ddp

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