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Neuroforschung: Hirnstruktur verrät Geselligkeit

Wer viele Freunde hat, führt meist nicht nur ein zufriedenes Leben - sondern verfügt offenbar auch über einen beachtlichen Mandelkern. Eine Studie hat ergeben, dass die Hirnregion bei geselligen Menschen besonders groß ist.

Hirnmodell in New Yorker Ausstellung: Amygdala steuert auch soziale Kontakte Zur Großansicht
AFP

Hirnmodell in New Yorker Ausstellung: Amygdala steuert auch soziale Kontakte

Die Zahl der Freunde hinterlässt offenbar Spuren im Gehirn: Wer viele soziale Kontakte pflegt, besitzt wahrscheinlich einen größeren Mandelkern. Dass diese Hirnregion an der Steuerung des sozialen Verhaltens maßgeblich beteiligt ist, legt eine im Fachblatt "Nature Neuroscience" veröffentlichte Studie nahe. Sie beruht auf den Daten von 58 freiwilligen Versuchsteilnehmern im Alter von 19 bis 83 Jahren, die ihr Gehirn per Magnetresonanztomographie scannen ließen und Auskunft über ihr soziales Netzwerk gaben. Die Forscher stellten dabei einen Zusammenhang zwischen der Größe des Mandelkerns und den Kontakten her, die die Probanden pflegen - das galt für Männer und Frauen, ebenso für Junge und Alte.

Der Zusammenhang ergebe durchaus Sinn, sagt Lisa Feldman Barrett, eine der Autoren der Studie. Auch bei Menschenaffen, die in größeren sozialen Verbänden lebten, sei der Mandelkern überproportional groß, schreiben die Forscher von der Northeastern University in Boston (US-Bundesstaat Massachusetts). Die in beiden Hirnhälften vorhandenen, auch als Amygdala bezeichneten Areale helfen dabei, schnell zwischen einem fremden und einem bekannten Menschen oder zwischen Freund und Feind zu unterscheiden, nehmen die Neuroforscher an.

Was war zuerst da: Großer Freundeskreis oder großer Mandelkern?

Die Frage, ob ein großer Freundeskreis zu einem größeren Mandelkern führt oder ob umgekehrt ein größerer Mandelkern dafür verantwortlich ist, dass der Freundeskreis wächst, kann die Studie nicht beantworten. Möglicherweise trifft ein bisschen von beidem zu, sagt Barrett. Allerdings müssten weitere Untersuchungen angestellt werden, die ihre Ergebnisse untermauern. Möglicherweise könnten die Erkenntnisse eines Tage dazu beitragen, Menschen zu einem aktiveren Sozialleben zu verhelfen.

Arthur Toga von der University of Californien in Los Angeles zeigte sich von den Ergebnissen angetan. Die Arbeit sei gut gemacht und die statistischen Ergebnisse sähen belastbar aus, sagte der Neurowissenschaftler, der nicht an der Studie beteiligt war. Die Idee, die Gehirnstrukturen mit dem menschlichen Verhalten in Beziehung zu setzen, sei interessant und wichtig.

Erst kürzlich berichteten Forscher über eine Frau, die keine Angst empfinden kann. Bei ihr funktionierte die Amygdala nicht mehr.

wbr/dapd

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1. ..
tetaro 27.12.2010
"Die in beiden Hirnhälften vorhandenen, auch als Amygdala bezeichneten Areale helfen dabei, schnell zwischen einem fremden und einem bekannten Menschen oder zwischen Freund und Feind zu unterscheiden, nehmen die Neuroforscher an" Heute hat man ja dank Facebook ausschließlich Freunde, da kommt die These an ihr Ende.
2. Und?
MonaM 27.12.2010
Zitat von sysopWer viele Freunde hat, führt meist nicht nur ein zufriedenes Leben - sondern verfügt offenbar auch über einen beachtlichen Mandelkern. Eine Studie hat ergeben, dass die Hirnregion bei geselligen Menschen besonders groß ist. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,736687,00.html
Und was nützt mir das jetzt, wenn ich das weiß?
3. ...
frau trallala 27.12.2010
Zitat von MonaMUnd was nützt mir das jetzt, wenn ich das weiß?
Langsam ist es echt ermüdend. Irgendeine neue Erkenntnis, und schon kommt einer und und meckert, was das ganze bringt. Meine Güte, dann lesen Sie es halt einfach nicht! Gut, dass es auch Menschen gibt, die mit Interesse und Neugier die Welt um sie herum erforschen. Mit Ihrer Einstellung wüssten wir nämlich überhaupt nichts und würden uns immer noch wundern, wohin die Sonne wohl jeden Abend verschwindet und ob sie morgen wieder kommt...
4. Zum Beispiel
Salochin 27.12.2010
Zitat von MonaMUnd was nützt mir das jetzt, wenn ich das weiß?
ein bißchen mehr Erkenntnis darüber, dass unser Verhalten nicht Produkt eines imaginären "Geistes" und das Bewusstsein nicht Ableger einer (wo auch immer beheimateten) "Seele", sondern ein komplexes neurochemisches Phänomen ist, das organische Korrelate besitzt. Sie müssten sich dann auch weniger Sorgen darum machen, dass sie als Fliege "wiedergeboren" werden oder tausende von Jahren in der Hölle schmoren. Insofern könnten Sie sich gegebenenfalls wenigstens Kirchensteuern, Spenden und Bibel-TV sparen.
5. Welche Schlüsse sind zu ziehen?
MonaM 27.12.2010
Zitat von frau trallalaLangsam ist es echt ermüdend. Irgendeine neue Erkenntnis, und schon kommt einer und und meckert, was das ganze bringt. Meine Güte, dann lesen Sie es halt einfach nicht! Gut, dass es auch Menschen gibt, die mit Interesse und Neugier die Welt um sie herum erforschen. Mit Ihrer Einstellung wüssten wir nämlich überhaupt nichts und würden uns immer noch wundern, wohin die Sonne wohl jeden Abend verschwindet und ob sie morgen wieder kommt...
Und was wissen Sie jetzt mehr, da Sie wissen, dass Ihr Mandelkern größer ist, falls Sie einen großen Bekanntenkreis haben? Wenn ich den Artikel richtig gelesen habe, wird lediglich darüber berichtet, dass die Größe des Mandelkerns (unser "emotionales Gedächtnis") in Beziehung steht zur gesellschaftlichen Natur des individuellen Menschen. Das Interessante ist aber doch: WAS folgt daraus? Welche Schlüsse sind zu ziehen? Oder ganz simpel ausgedrückt: Ist es nun gut oder schlecht für unser Leben, eine große Amygdala zu haben? Darum frage ich, was ich denn weiß, wenn ich das weiß.
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