Neuroforschung Träumer planen auch im Schlaf

Erlebnisse im Schlaf sind kein passives Kino: Deutschen Forschern ist es gelungen, die Hirnaktivität von Träumenden zu messen. Das Denkorgan der Probanden zeigte überraschende Aktivität.

Schlafender: Forscher haben die Hirnaktivität bei Traumhandlungen gemessen
Corbis

Schlafender: Forscher haben die Hirnaktivität bei Traumhandlungen gemessen


Hamburg - Warum träumen Menschen? Die Frage wird wohl in nächster Zukunft niemand mit Gewissheit beantworten können. Ein großer Schritt bei der Erforschung des Phänomens ist allerdings deutschen Wissenschaftlern gelungen: Sie konnten erstmals sichtbar machen, was bei einer Traumhandlung im Gehirn passiert.

Die Forscher vom Max-Planck-Institut für Psychiatrie und der Berliner Charité nutzten für ihr Experiment eine Gruppe ungewöhnlicher Probanden: Sechs Männer im Alter von 21 bis 38 Jahren, die in der Lage sind, Trauminhalte aktiv zu kontrollieren. Mit diesen Klarträumern, deren Schlaf sie im Rahmen des Experiments überwachten, vereinbarten die Forscher ein Signal: Sobald die Träumer einen luziden Traum hatten, sollten sie die Augen in bestimmter Weise bewegen. Anschließend galt es, im Traum mehrmals abwechselnd die Fäuste für je zehn Sekunden zu ballen. Dies gelang im Schlaflabor allerdings nur zwei Probanden, wie die Forscher im Fachmagazin "Current Biology" berichten.

Was dabei ihm Gehirn der Träumer passierte, maßen die Wissenschaftler einmal per Kernspin sowie einmal mit der sogenannten Nah-Infrarot-Spektroskopie. Zudem maßen sie die Hirnaktivität, wenn die Probanden wach waren und die Hände zu Fäusten ballten.

Tatsächlich wurde im Traum - genauso wie im Wachzustand - ein Bereich in der sensomotorischen Großhirnrinde aktiviert, der für die Ausführungen von Bewegungen zuständig ist, berichtet das Wissenschaftlerteam. Dass die Hände der Schlafenden sich nicht tatsächlich zu Fäusten ballen, ist durch eine Hemmung im Bereich des Hirnstamms zu erklären.

"Unsere Träume sind also kein 'Schlaf-Kino', in dem wir passiv ein Geschehen nur beobachten, sondern sie schließen Aktivitäten in den Hirnregionen mit ein, die für die Traumhandlung relevant sind", sagt Michael Czisch, Arbeitsgruppenleiter am Max-Planck-Institut für Psychiatrie.

Weil das Experiment nur mit zwei Probanden klappte, sind die Forscher vorsichtig bei der Interpretation des Ergebnisses. Es zeigt aber, dass es grundsätzlich möglich ist, die Hirnaktivität während spezifischer Trauminhalte zu messen.

Eventuell wird es also künftig möglich sein, einen Blick auf die Träume anderer Menschen zu werfen. In diese Richtung geht auch ein anderes Forschungsprojekt, das US-Wissenschaftler kürzlich vorstellten: Sie konnten anhand der Gehirnaktivität Filme rekonstruieren, welche die Probanden gesehen hatten.

wbr



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