New York Extrem aggressives Aidsvirus alarmiert Ärzte

Mediziner haben bei einem New Yorker ein extrem aggressives Aidsvirus entdeckt. Der äußerst seltene Virenstamm ist nahezu resistent gegen Aids-Medikamente. Zwischen Infektion und Ausbruch der Krankheit lagen bei dem Mann nur drei Monate.


Modell des HI-Virus: Aidsausbruch drei Monate nach Infektion
DPA

Modell des HI-Virus: Aidsausbruch drei Monate nach Infektion

Die Aggressivität des HI-Virus hat amerikanische Aidsexperten aufgeschreckt. "Wir sehen in dieser Entdeckung ein potenziell gewaltiges Problem", sagte New Yorks Gesundheitsstadtrat Thomas Frieden. "Dies ist ein Alarmruf für alle."

Nach Angaben der New Yorker Gesundheitsbehörde wurde der besonders gefährliche Virenstamm bei einem Mann von Mitte 40 entdeckt. Er habe sich im Oktober damit infiziert, als er ungeschützten Analverkehr mit mehreren Männern hatte. Der Mann, dessen Identität von den Behörden geheim gehalten wird, und viele seiner Partner hätten aufputschende Drogen genommen und so genannte Sex-Marathons veranstaltet. Die Einnahme von Amphetaminen habe möglicherweise den Krankheitsverlauf bei dem Mann beeinflusst, teilte die Behörde weiter mit.

Der Zeitpunkt der Infektion konnte sehr genau bestimmt werden, da sich der Infizierte in den vergangenen Jahren fünf Aidstests unterzogen hatte - alle waren negativ. Nach dem ungeschützten Sex Mitte Oktober fühlte sich der Mann bereits im November unwohl, zwei Mitte Dezember durchgeführte Aidstests waren positiv. Mitte Januar diagnostizierten Ärzte eine starke Resistenz der HI-Viren gegen die üblichen Aidsmedikamente.

Der schnelle Krankheitsverlauf hat die Mediziner alarmiert. Normalerweise dauert es bis zu zehn Jahre, bis sich aus einer HIV-Infektion die Krankheit Aids entwickelt. "Offenbar trägt der Mann ein besonders aggressives Virus in sich, der innerhalb weniger Monate zu Aids führt", sagte Charles Farthing von der Aids Healthcare Foundation.

Die New Yorker Gesundheitsbehörde forderte alle Krankenhäuser und Arztpraxen auf, Personen, bei denen HIV entdeckt wurde, auch auf diesen besonders gefährlichen Stamm des Aids-Virus zu testen. Farthing erklärte, der neue, besonders gefährliche Virenstamm sollte jedem in Erinnerung rufen, stets Safer Sex zu praktizieren und Kondome zu benutzen.

Die Zeitung "New York Times" zitierte zwei Aids-Experten, die erklärten, es könne sich um einen Einzelfall handeln. Der Mitentdecker des HI-Virus, Robert Gallo von der University of Maryland, sagte der Zeitung, es sei zwar klug, den Fall aufmerksam zu verfolgen. Es sei jedoch bekannt, dass Aids bei einigen HIV-Infizierten besonders schnell ausbreche. Fälle, bei denen das Virus gleichzeitig schnell zur Krankheit führe und zusätzlich noch resistent sei, seien selten. "Ich gehe davon aus, dass es viel Lärm um nichts ist", sagte er.

Ein Sprecherin des New York Gesundheitsamtes sagte der Nachrichtenagentur Reuters dazu, die Empfehlung zu zusätzlichen Tests auf den besonders gefährlichen Virenstamm sei erst nach vielen Untersuchungen und Diskussionen mit Experten veröffentlicht worden. "Wir haben viele Fragen gestellt, wir haben viele Labortests gemacht, wir haben viele Dinge überprüft", sagte sie. Die Warnung sei nicht leichtfertig herausgegeben worden.



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