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Nierenversagen: Darmkeim Ehec fordert zwei weitere Todesopfer

Der Ehec-Keim breitet sich aus - in Hamburg und Kiel sind zwei Frauen an den Folgen einer Infektion gestorben. Damit steigt die Zahl der Todesopfer auf acht. Schleswig-Holsteins Gesundheitsminister warnt: Der Höhepunkt der Seuche könnte erst noch bevorstehen.

Ehec-Bakterium: Zwei weitere Todesfälle bestätigt Zur Großansicht
DPA/ HZI/ Manfred Rohde

Ehec-Bakterium: Zwei weitere Todesfälle bestätigt

Hamburg - In Kiel ist eine Frau an den Folgen einer Ehec-Infektion gestorben. Die 38-Jährige starb bereits am Donnerstagabend in einem Kieler Krankenhaus an der Komplikation Hus, wie eine Sprecherin der Klinik nun mitteilte.

Das hämolytisch-urämische Syndrom ist die schwerste Komplikation bei einer Ehec-Infektion, giftige Stoffwechselprodukte des Bakteriums schädigen die Nieren. "Die Frau wurde einige Tage zuvor bereits in einem sehr kritischen Zustand bei uns eingeliefert", sagte die Sprecherin. Die Todesursache sei Nierenversagen. Auch in Hamburg gab es einen weiteren Todesfall: Eine 87-jährige Frau, die an Hus litt, sei in der Nacht zum Samstag gestorben, teilte das Uniklinikum Eppendorf mit.

Bislang wurden deutschlandweit rund 1000 Fälle von Ehec-Infektion registriert - 276 davon bestätigt, der Rest sind Verdachtsfälle. Normalerweise werden in Deutschland im gesamten Jahr etwa 900 Infektionen mit den Bakterien gemeldet.

Mehrere Menschen schweben in Lebensgefahr. Alle acht bisherigen Todesopfer stammen aus Norddeutschland: Drei Frauen kamen aus Niedersachsen, zwei aus Schleswig-Holstein und eine aus Bremen. Das bislang einzige männliche Opfer kam aus Hamburg. Krankheitsfälle gibt es auch im Ausland: Schweden hat bisher 25 nachgewiesene Ehec-Erkrankungen, Dänemark sieben, Großbritannien drei, Österreich zwei und die Niederlande eine.

Spanier dementieren Schließung zweier Betriebe

Der schleswig-holsteinische Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) warnte, dass der Höhepunkt der Krankheitswelle noch gar nicht erreicht sei, da bis zu zehn Tage zwischen einer Ansteckung und dem Ausbruch der Krankheit liegen könnten. Er gehe zudem davon aus, dass es außer den spanischen Salatgurken vom Hamburger Großmarkt noch weitere Ansteckungsquellen geben müsse.

Spanische Behörden haben am Samstag Angaben der EU-Kommission dementiert, wonach zwei Agrarbetriebe in Südspanien wegen Ehec-Verdachts geschlossen worden seien. In den beiden Betrieben in den Provinzen Almería und Málaga seien lediglich bestimmte Mengen von abgeernteten Gurken vorsichtshalber sichergestellt worden, teilte das Gesundheitsministerium von Andalusien mit. Die Produktion in den beiden Betrieben sei in keiner Weise gestoppt worden. Experten entnahmen Boden-, Wasser- und Produktproben. Diese werden derzeit analysiert. Die Betriebe sind laut EU-Kommission für die Verbreitung der mit den gefährlichen Ehec-Keimen befallenen Gurken in Deutschland verantwortlich.

58 Prozent der Deutschen verzichten auf Gemüse

Aus Angst vor dem gefährlichen Durchfallerreger Ehec achtet die Mehrheit der Deutschen einer Umfrage zufolge derzeit besonders auf ihre Gemüseauswahl. 58 Prozent der Deutschen folgen dem Rat des Robert-Koch-Instituts (RKI) und verzichten auf den Verzehr von rohen Gurken, ungekochten Tomaten und Salat, wie eine Emnid-Umfrage für die "Bild am Sonntag" ergab. 41 Prozent folgen dem Expertenrat nicht.

Besonders vorsichtig sind nach der am Samstag veröffentlichten Erhebung Senioren. Während in der Altersgruppe der 14- bis 29-Jährigen nur 44 Prozent angaben, derzeit kein rohes Gemüse mehr zu essen, verzichten 71 Prozent der befragten Senioren ab 60 Jahren darauf. Nur 27 Prozent wollen trotz des Erregers auch weiterhin rohes Gemüse essen, wie aus der Befragung der 500 Menschen ab 14 Jahre hervorgeht.

Bauern und Händler sind sauer

Deutschlands Bauern klagen bereits über massive Absatzprobleme: Der Vizepräsident des schleswig-holsteinischen Bauernverbands Hans-Peter Witt fürchtet "irrsinnige Schäden" bei heimischen Landwirten. Salat sei praktisch nicht zu verkaufen, sogar bei Erdbeeren sei der Verkauf mancherorts um 50 Prozent zurückgegangen. Da es sich bei den Bauernhöfen vor allem um Spezialbetriebe handele, die sich auf den Anbau eines Produktes konzentrieren, sei dies existenzgefährdend.

Auch die Vertreter der Lebensmittelindustrie schimpfen: Die Zusammenarbeit zwischen den Überwachungsbehörden der Länder, dem Bundeslandwirtschaftsministerium und der Wirtschaft habe "nicht optimal" funktioniert, sagte ein Sprecher des Handelsverbandes BVL der "Neuen Osnabrücker Zeitung". "Obwohl wir in der Lebensmittelkette das letzte Glied vor dem Verbraucher sind und deshalb hohe Verantwortung tragen, haben wir vom Ehec-Darmkeim erst aus den Medien erfahren", sagte der Sprecher.

cte/dpa

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insgesamt 179 Beiträge
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1. Genau medizinische Aufklärung
henkeltopf 28.05.2011
Kann endlich mal jemand genau über die Ätiologie,Pathogenese und Therapie dieser Krankheit aufklären?!? - Wer erkrankt? Wie verhält sich der Krankheitsverlauf bei gesunden / kranken / immunsupprimierten? - Wie breitet sich der Erreger aus? - Wie ist der Verlauf, die Symptome? - Wie ist die Therapie? - Wie gesundet man wieder? Immer diese Panikmache, aber noch kein Klinikarzt, der gerade Patienten betreut und die Masse mal aufklärt.
2. ob sieben
janne2109 28.05.2011
Todesopfer reichen damit hier jeder mal den EHEC Erreger und die Folgen ernst nimmt??
3. Hier steht es..
henkeltopf 28.05.2011
Hier wird endlich mal erwähnt, wie es um den bösen Erreger so aussieht: Ein gesunder steckt die Sache in der Regel locker weg. Das erwähnt in den Medien NIEMAND! http://www.aerztezeitung.de/news/article/656097/ehec-pathogenese-klinik-therapie.html Gegen die Panikmache!
4. Ehec
Lindener2001 28.05.2011
Oh mein Gott, schlimm... Die arme Frau, mein Beileid an die Angehörigen. Wo sind eigentlich die ganzen Schreiber hin, die das hier auf Spoon nur als Verschwörung und Panikmache abtaten??(nachzulesen in de älteren Themen hierzu??) Schämen solltet ihr euch!
5. Angesicht s
Susiisttot 28.05.2011
der Inkubationszeit und der Tatsache, dass man heutzutage kaum ein belegtes Brötchen mehr ohne die berühmte Gurkenscheibe (mit Schale!) bekommt und die dann z.B. an Bahnhöfen, brauchen wir uns wohl nicht zu wundern, wenn die Opferzahlen noch steigen werden.
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HZI/ Manfred Rohde
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