Nobelpreise Forscher müssen immer länger auf Ehrung warten

Bis wissenschaftliche Arbeiten mit einem Nobelpreis ausgezeichnet werden, vergeht immer mehr Zeit. Viele Forscher erhalten den Preis einige Jahrzehnte später - oder können gar nicht mehr geehrt werden, weil sie vorher sterben.

Peter Higgs: Fast ein halbes Jahrhundert lag zwischen seiner Idee und dem Nobelpreis im Jahr 2013
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Peter Higgs: Fast ein halbes Jahrhundert lag zwischen seiner Idee und dem Nobelpreis im Jahr 2013


Stockholm/Helsinki - Wissenschaftler müssen immer länger darauf warten, einen Nobelpreis zu bekommen. So könnten in Zukunft öfter als bisher verdiente Forscher die Auszeichnung auch deshalb nicht mehr erhalten, weil sie vorher sterben. Dieses Studienergebnis präsentiert Santo Fortunato von der finnischen Aalto-Universität im Fachjournal "Nature".

Zwischen Entdeckung und Nobelpreisverleihung vergehen demnach immer mehr Jahre - in der Regel mehr als 20. Schon jetzt gibt es sogar Beispiele, in denen es mehr als 50 Jahre gedauert hat: Der Russe Witali Ginsburg (1916-2009) bekam den Preis 2003 für "bahnbrechende Arbeiten in der Theorie über Supraleiter und Supraflüssigkeiten", die er maßgeblich 1950 geleistet hatte.

Vor 1940 seien Nobelpreise in Physik, Chemie und Medizin nur in 11, 15 und 24 Prozent der Fälle über 20 Jahre nach der Entdeckung vergeben worden, berichtete Fortunato. Bis 1985 sei das bei 45 Prozent der Medizinnobelpreise und mehr als der Hälfte (52 Prozent) der Auszeichnungen in Chemie der Fall gewesen. In der Physik mussten sogar 60 Prozent der Geehrten mehr als zwei Jahrzehnte auf den Nobelpreis warten.

Was nicht belegt ist, wird auch nicht geehrt

"Mit der Wartezeit steigt auch das Durchschnittsalter, in dem die Preisträger den Preis bekommen", erklärte der finnische Wissenschaftler. Bis zum Ende des Jahrhunderts könnte demnach das statistisch berechnete durchschnittliche Alter bei der Preisvergabe die Lebenserwartung der Forscher übersteigen. Posthum darf der Preis aber nicht vergeben werden.

Eine späte Vergabe ist den Nobel-Jurys zufolge aber oft die einzig gute Lösung. "Es braucht Zeit, bis man die volle Bedeutung einer neuen Entdeckung verstehen kann", hatte der Chef des Chemie-Nobelkomitees, Sven Lidin, der Nachrichtenagentur dpa in einem früheren Interview gesagt. So vermeidet die Jury zum Beispiel, dass eine Vergabe einmal nicht mehr nachvollziehbar ist. Auch Entdeckungen, die nicht belegt sind, bekommen von den Komitees keine Ehrung - ein möglicher Grund dafür, dass der Astrophysiker Stephen Hawking noch keinen Preis für seine Theorien zu Schwarzen Löchern bekommen hat.

Lassen sich die Komitees allerdings künftig noch mehr Zeit, könnten traurige Fälle wie der des Immunforschers Ralph Steinman kein Einzelschicksal bleiben: Wenige Tage, bevor die Nobeljury ihn 2011 als Medizin-Preisträger verkündete, war der Kanadier gestorben. Das wussten die Juroren zu dem Zeitpunkt aber noch nicht. Erstmals seit 50 Jahren bekam ein Wissenschaftler den Nobelpreis so posthum.

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che/dpa

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orthos 10.04.2014
1. Der Nobelpreis wird..
Der Nobelpreis wird auch immer öfter zu politischen und nicht zu wissenschaftlichen Zwecken verteilt. z.B. Obamas Friedensnobelpreis...
Delago 10.04.2014
2. Zum Ausgleich gibt es ja ...
... den Friedensnobelpreis. Da werden sogar schon Leute geehrt, die ihren Beitrag zum Weltfrieden noch gar nicht geleistet haben.
Mathias Brust 10.04.2014
3. Higgs frueh geehrt
Mit Higgs geben sie kein gutes Beispiel. Seine Arbeit ist zwar sehr alt, aber sein Boson ist erst kuerzlich experimentell nachgewiesen worden. Ungewoehnlich ist vielleicht, das keiner der experimentellen Forscher am Preis beteiligt wurde, aber das waren wohl zu viele.
tdmdft 10.04.2014
4. Die Entwicklung des Wissenschaftsbetriebs
hat auch ein exponentielles Wachstum hinter sich. Es gibt viel mehr "bahnbrechende" Arbeiten in jedem Jahr und es wird immer schwieriger eine herauszupicken. Es gibt eine ganze Reihe berühmter Leute, die nobelpreiswürdige Arbeiten in den 60-80er Jahren (z.B Kondo) geschrieben haben, und bis heute nicht geehrt wurden. Nobelpreise sind auch hochgradig politisch. Das Beispiel Higgs zeigt das deutlich. Die Community der Hochenergiephysiker steht unter immensen Druck, die 10Mrd Euro Steuergelder für den LHC am CERN zur rechfertigen. Nur ein Nobelpreis kann kaschieren, das bisher nur alles schon bekannt dort bestätigt wurde, und keine neue Physik gefunden wurde. Eigentlich hätte Phil Anderson auch mit Higgs den Nobelpreis bekommen sollen, weil Anderson entscheidenden Anteil am Verständnis der Massengenerierung hat. Die Hochenergiephysik (Higgs) hat die dynamische Erzeugung einer Masse des Lichtteilchens im Supraleiter, auf die Anderson hingewiesen hat, und die durch den Meisnereffekt nachgewiesen wurde, einfach von der Festkörperphysik auf die Elementarteilchenphysik übertragen. Nur Anderson hat schon 1977 einen Nobelpreis für das Verständnis von Magnetismus und Ungeordnete System erhalten. Und die Elementarteilchenlobby wollte lieber die eigenen Leute pushen.
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