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Nordkoreas Atomtest: Experten halten Kims Bömbchen für Fehlschlag

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Das Regime in Pjöngjang jubelt, die USA und Japan drohen, die Uno berät Sanktionen. Doch auch drei Tage nach der Detonation geben Seismogramme und Radioaktivität keinen Hinweis darauf, dass Nordkorea wirklich einen Nuklearsprengsatz gezündet hat. Experten vermuten eher einen Fehlschlag.

Was am Montag in Nordkorea tatsächlich geschah, ist nach wie vor unklar. Außer Russland hat bislang niemand die Angaben aus Pjöngjang bestätigt, wonach das Regime von Diktator Kim Jong Il einen unterirdischen Atomtest unternommen hat.

Auswertung der Seismogramme: Die Schwäche des Signals bereiten Probleme
AP

Auswertung der Seismogramme: Die Schwäche des Signals bereiten Probleme

Probleme bereitet den Seismologen vor allem die Schwäche des Signals. "Wir haben Daten von einer offenen südkoreanischen Station und da ist es in der Tat so, dass das Seismogramm für eine detaillierte Analyse unbrauchbar ist", sagte Winfried Hanka vom Geoforschungszentrum Potsdam im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. "Das Signal kommt gerade so aus dem Hintergrundrauschen heraus."

Immerhin schließt Hanka bereits jetzt aus, dass es sich um ein Erdbeben handelt. "Die Signale sprechen für eine Explosion, aber auch der Ort", erklärte er. Um zu entscheiden, ob es sich tatsächlich um eine nukleare oder um eine konventionelle Explosion handelt, benötige man ein Seismogramm, auf dem das Signal sauber zu sehen sei.

Nach Hankas Informationen könnte dies ein kleines seismografisches Array liefern: ein Netz von Messgeräten, das auf einer amerikanischen Militärbasis in Südkorea stehen soll. "Damit kann man durch Aufsummation das Hintergrundrauschen wesentlich reduzieren und so das Signal hervorheben", erklärte der Wissenschaftler. Diese Daten seien aber nicht öffentlich.

Französische Atomexperten befürchten, dass der angebliche Atombombentest von außerhalb des Landes womöglich nie belegbar sein wird. Für die Bewertung der gemessenen Erschütterungen müssten noch eine Reihe von Tests durchgeführt werden, sagte der Sprecher des französischen Atomenergiekommissariats, Xavier Clément, in Paris.

Es könne sein, dass dies kein eindeutiges Ergebnis bringe - "angesichts der Schwäche der Signale im Vergleich zu den Hintergrundgeräuschen". Die Signalstärke lag laut Clément gerade noch in dem Bereich, den die Messstellen der Organisation des Vertrags über das umfassende Verbot von Nuklearversuchen wahrnehmen könnten.

Für die Zündung einer Atombombe sei die gemessene Energie vergleichsweise schwach, sagte Clément. Sie habe sicher nicht dem entsprochen, "was derjenige erwartet hat, der sie durchgeführt hat". Frankreichs Verteidigungsministerin Michele Alliot-Marie äußerte sich ähnlich: "Wenn es eine Atomexplosion war, dann ist sie misslungen." Angesichts der geringen Sprengkraft sei nur schwer zu sagen, ob es eine große, aber konventionell herbeigeführte Explosion war oder eine Atomexplosion.

Bei einer Atombombe zeigten seismische Bewegungen normalerweise einen sprunghaften Anstieg, bei herkömmlichem Sprengstoff sei dieser dagegen schwächer, erläuterte Clément. "Aber das ist eine Nuance."

Der deutsche Seismologe Hanka erklärt: Auf dem früheren Testgelände in Nevada habe es auch konventionelle Sprengungen gegeben. "Deren Seismogramme sahen völlig anders aus als bei Atomtests." Ein Signal von einer chemischen Sprengung wäre "vermutlich viel verschmierter", weil der Zündvorgang viel komplexer sei.

Atomtest womöglich nur vorgetäuscht

Der Raketenspezialist Robert Schmucker hält es für möglich, dass Nordkorea seinen Atombombentest vom Montag nur vorgetäuscht hat. Alles deute auf eine relativ schwache Explosion hin, sagte der Bundeswehr- und Nato-Berater am Mittwoch im Westdeutschen Rundfunk. "Es kann also eine konventionelle Ladung gewesen sein. Oder es war ein Nukleartest, der nicht ganz gelungen ist. Da hat irgendwas nicht ganz funktioniert."

Schmucker rechnet mit weiteren Tests der Norkoreaner: "Ich glaube, sie müssen nachlegen, um zu zeigen, dass sie etwas haben, das sie in die Diskussion einbringen können." Finanziell stehe dem Land das Wasser bis zum Hals. Auch mit Raketenverkäufen sei Nordkorea nicht mehr erfolgreich: "Was sie anbieten, ist anscheinend nicht mehr akzeptabel", sagte Schmucker.

Erhöhte Radioaktivität bislang nicht gemessen

Ein direkter Nachweis einer nuklearen Explosion wäre auch über in die Atmosphäre ausgetretene Spaltprodukte möglich, also bestimmte Isotope. In dem Gebiet wurde bislang aber keine erhöhte Radioaktivität gemessen.

Ein US-Regierungsvertreter sagte, die Geheimdienste benötigten mehrere Tage, um herauszufinden, was genau geschehen sei. Südkorea rechnet mit rund zwei Wochen, bis Klarheit herrscht. Selbst die Organisation zur Überwachung des Vertrags über einen Stopp aller Kernwaffenversuche in Wien legte sich zunächst nicht fest, ob den nordkoreanischen Angaben Glauben zu schenken ist.

Der deutsche Waffenexperte Schmucker erwartet, dass die Auswertung von Überwachungsdaten in wenigen Tagen Klarheit über die vermeintliche Atombombenexplosion bringen wird. "Wir werden sicher feststellen, ob das was war."

Mit Material von AP, Reuters, AFP

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