Numerator Die Sterne lügen - und manche Ehepartner auch

Es geht um Glück - und viel Geld. Horoskope wollen anhand der Sternzeichen Auskunft darüber geben, wie gut zwei Partner zusammenpassen. Ein Forscher hat nun bei zehn Millionen britischen Ehepaaren überprüft, was die Sterne prophezeien. Sein Resümee: Sie lügen.

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Horoskope sind eine zwielichtige Sache. Dicke Frauen in schimmernden Kleidern verkaufen sie rund um die Uhr auf bizarren Spartenkanälen. Man hört gelegentlich auch Berichte von Kollegen, die bei Frauenzeitschriften arbeiten. Horoskope werden dort angeblich von Praktikanten verfasst oder in der Kaffeepause von Redakteuren, die auch mal den Wahrsager spielen möchten.

Komplett neu erfinden muss man die Texte zum Glück nicht. Es gibt Dutzende Bücher und Zeitschriften, in denen erklärt wird, warum Fischen die Bodenhaftung fehlt, Stier und Krebs für eine dauerhafte und verständnisvolle Liebe gemacht sind, und warum Jungfrau und Zwilling einfach nicht zusammenpassen. Das Geburtsdatum bestimmt demnach über das Schicksal.

Sogenannte Partnerhoroskope findet man auch zuhauf im Internet, etwa auf www.horoskope-direkt.de. Wenn zutrifft, was dort zu lesen ist, dann dürften Partnerschaften nur unter ganz bestimmten Konstellationen von Dauer sein. Menschen mit dem Sternbild Jungfrau müssten demnach gezielt nach Stieren, Krebsen, Löwen, Skorpionen und Steinböcken Ausschau halten, wenn sie eine lang währende, glückliche Beziehung suchen.

Astrologen sind sich jedoch uneins, welche Paarkonstellationen unter einem besonders guten Stern stehen. David Voas von der University of Manchester hat dies zum Anlass genommen, die Thesen über die Liebe der Sternzeichen in der Praxis zu überprüfen. Als Experte für Statistiken und Umfragen weiß Voas natürlich, dass seine Ergebnisse umso ernstzunehmender sind, je größer die Stichprobe ist.

Größter je durchgeführter Astrologie-Test

Und so griff der Wissenschaftler zu einer sehr großen Stichprobe: den Daten der Volkszählung 2001 in England und Wales, erhoben vom britischen Office for National Statistics. Auf einen Schlag hatte Voas so Zugriff auf ausgefüllte Fragebögen von mehr als zehn Millionen Ehepaaren. "Das ist der größte je durchgeführte Astrologie-Test", erklärte er. "Wenn astrologische Zusammenhänge existieren, dann müsste man diese auch beobachten können."

Was Voas zuallererst beobachtete, hatte jedoch wenig mit der Macht der Sterne zu tun, sondern vielmehr mit Bequemlichkeit und Schludrigkeit der Menschen, die sich durch die Fragebögen der Statistikbehörde quälen mussten. Als Voas die Paare in eine 144 Felder umfassende Tabelle mit allen Sternzeichen einsortierte, war sofort ein Trend zur Heirat eines Partners gleichen Sternzeichens zu erkennen. Auch benachbarte Sternzeichen, etwa bei Jungfrau, Löwe und Waage, schienen häufiger aufzutreten.

Als sich der Wissenschaftler die Daten aber genauer ansah, war schnell klar, dass es sich hier offenbar um Fehler handeln musste. Die Fragebögen seien meist von einer Person für alle im Haushalt ausgefüllt worden, erklärte Voas. So gelangte ein und dasselbe Geburtsdatum auf verschiedene Bögen - durch Schludrigkeit, oder weil die Betroffenen die Daten ihres Partners gar nicht kannten.

"Es gibt keinen Beweis"

Auffällig war, dass 21.000 Personen mehr als man statistisch erwarten würde, am selben Tag Geburtstag hatten wie ihr Ehepartner. Es gab aber auch andere Unstimmigkeiten: Der Erste des Monats tauchte besonders häufig als Geburtstag auf - offensichtlich, weil der Fragebogenausfüller das richtige Datum nicht kannte.

Dass ein Teil der Fragbögen grobe Fehler enthält, zeigte auch das Feld Geschlecht. Bei knapp 11.000 Mann-Frau-Paaren waren beide Partner angeblich Männer oder Frauen. Voas' Kommentar: "Wenn Leute beim Geschlecht ihres Ehegatten Fehler machen, dann überrascht es kaum, wenn dies auch beim Geburtsdatum passiert." So bereinigte der Statistikexperte die Daten um die fehlerhaften Datensätze. Aus den ursprünglich 10,3 Millionen Ehepaaren wurden so 9,5 Millionen.

Ergebnis: Eine Wirkung der Sterne, die angeblich unser aller Schicksal bestimmen, lässt sich nicht nachweisen. "Wenn es auch nur die geringste Tendenz gäbe, dass sich Jungfrauen zu Steinböcken hingezogen fühlten oder Waagen zu Löwen, dann hätten wir das in der Statistik gesehen", sagte Voas. "Es gibt aber keinen solchen Beweis."

Besonders dürfte Astrologen grämen, dass die statistische Analyse auch keine Hinweise dafür findet, dass Ehen ausschließlich bei bestimmten Sternzeichenkonstellationen eine Zukunft haben. Weil die Volkszählung alle Ehepaare egal welchen Alters erfasst, müssten sich zumindest unter den länger Verheirateten jene angeblich bevorzugten Kombinationen durchsetzen. Dies sollte sich wiederum auch in der Gesamtstatistik widerspiegeln - tut es aber nicht.

Fazit der Studie: Die Sterne lügen, oder aber die Astrologen, die sich auf sie berufen. Mit Sicherheit lügt aber auf jeden Fall mancher Engländer und Waliser, wenn er das Geburtsdatum seines Ehepartners nennt. Vielen Dank, Mister Voas!



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