"Octobot" Ein Roboterkrake, weich und gelenkig

Roboter sind kantig und hart - normalerweise. Nun aber haben Forscher ein krakenförmiges Gerät entwickelt, das komplett aus weichem Material besteht und äußerst gelenkig ist.

Roboterkrake "Octobot"
Ryan Truby/ Michael Wehner/ Lori Sanders/ Harvard University

Roboterkrake "Octobot"


Eine neue Klasse weicher, autonomer Roboter zu schaffen, sei eine große Herausforderung, weil sie geschmeidige Bauteile anstelle der sonst üblichen Steuerungs- und Energietechnik benötige, schreibt Jennifer Lewis von der Harvard University in Cambridge zusammen mit Kollegen im Wissenschaftsjournal "Nature".

Trotz der Schwierigkeiten ist ihnen die Erfindung nun gelungen: "Octobot" benötigt keine Batterie, sondern bezieht seine Energie aus einem besonderen Treibstoff.

Solche Roboter könnten Begegnungen mit Menschen sicherer machen und sich in natürlichen Umgebungen besser anpassen als andere Roboter. Deshalb arbeiten Wissenschaftler schon länger an elastischen Robotern, doch bisher benötigten sie stets Drähte, Batterien und andere harte Bestandteile, um das Gerät zu bewegen.

Roboterkrake "Octobot"
Ryan Truby/ Michael Wehner/ Lori Sanders/ Harvard University

Roboterkrake "Octobot"

Das Team um Lewis wählte einen anderen Ansatz: Der Treibstoff besteht aus Wasserstoffperoxid (H2O2), das in Wasser gelöst ist. In einer kleinen Reaktionskammer sorgen Platinpartikel als Katalysatoren dafür, dass das Wasserstoffperoxid in Wasser und Sauerstoffgas zerlegt wird.

Das Gas hat ein erheblich größeres Volumen als die Flüssigkeit, in die es vorher eingebunden war. Deshalb strömt der Sauerstoff durch kleine Kanäle in die Arme des künstlichen Kraken, wo er kleine Kammern aufbläst und dadurch die Arme bewegt. Anschließend gelangt das Gas durch kleine Schlitze ins Freie.

Der Steuerungsmechanismus besteht aus Röhren und Quetschventilen, die wie Bestandteile eines Schaltkreises funktionieren. Zwei Einheiten bewegen jeweils vier Arme, die im Wechsel angeordnet sind (zwei auf jeder Seite).

Die Bewegung der Arme lässt den Roboter ein wenig hin- und herwackeln und dies bisher auch nur maximal acht Minuten lang.

Mögliche Anwendungsgebiete für weiche Roboter seien Wartung und Inspektion von Maschinen, Such- und Rettungsaktionen sowie die Erkundung unbekannter Gebiet, schreiben Barbara Mazzolai und Virgilio Mattoli vom Istituto Italiano di Tecnologia in Pisa in einem "Nature"-Kommentar.

boj/dpa

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