OECD-Prognose Klimaschutz kostet mehr als gedacht

Weil der Klimaschutz nur schleppend vorankommt, wird er teurer als bisher angenommen. Die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat deshalb ihre Kostenprognose erhöht. Rechnen soll sich der Kampf gegen die Erderwärmung aber weiterhin.


Dass alles irgendwie immer teurer wird, ist in der Wirtschaft ja eine Art Grundgesetz. Auch der Kampf gegen steigende Temperaturen auf der Erde ist davon betroffen. Nach Berechnungen der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) wird entschlossener Kimaschutz das erwartete Weltwirtschaftswachstum um 0,13 Prozent pro Jahr vermindern. Bislang war die OECD von 0,1 Prozent ausgegangen. Nach Berechnungen des Weltklimarats IPCC kostet die Rettung des Klimas 0,1 Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts.

Hintergrund der Korrektur sei das stärkere Wirtschaftswachstum gerade in den Schwellenländern in den vergangenen Jahren sowie Verzögerungen beim Klimaschutz, sagte OECD-Umweltdirektorin Helen Mountford am Montag in Berlin. Noch in ihrem gerade abgeschlossenen "Umweltausblick" habe die OECD angenommen, dass entschlossener Klimaschutz bereits 2008 beginnt. Nun rechnet sie damit erst für 2013. Je schneller mit wirksamen Gegenmaßnahmen begonnen werde, umso preisgünstiger lasse sich der Klimawandel bekämpfen, sagte Mountford.

Der OECD-Umweltausblick, der erstmals in deutscher Fassung präsentiert wurde, wirbt eindringlich für schnellen, entschlossenen Klima- und Umweltschutz. Mountford stellte darüber hinaus neuere, ergänzende Berechnungen vor. Ergebnis aller OECD-Szenarien: Klima- und Umweltschutz sind nicht nur bezahlbar, sondern auch ökonomisch sinnvoll, weil sie sich rechnen.

Zu einem solchen Ergebnis war im Oktober 2007 auch das Umweltbundesamt gekommen. Die geplanten Anti-CO2-Aktionen der Bundesregierung sollen bis 2020 satte fünf Milliarden Euro einsparen - trotz aller Investitionen und bei zugleich einem guten Drittel weniger Ausstoß.

Laut OECD ist ein gedämpftes Wachstum verschmerzbar, da bis 2030 immer noch eine knappe Verdoppelung der Weltwirtschaft angenommen wird. Außerdem ist Klima- und Umweltschutz, obwohl Verzögerungen die Maßnahmen teurer machen, laut OECD-Studie immer noch billiger als Nichtstun.

Dieses hätte dem Bericht zufolge katastrophale Folgen: Bis 2030 würden die Emissionen an Treibhausgasen um weitere 37 Prozent steigen, bis 2050 sogar um 52 Prozent. "Eine erhebliche Zahl der heute bekannten Tier- und Pflanzenarten wird wahrscheinlich ausgestorben sein", heißt es zudem. Die Zahl der Menschen, die unter akuter Wassernot leiden, würde bis 2030 um eine Milliarde auf 3,9 Milliarden steigen.

Gehandelt werden muss der Studie zufolge vor allem auf vier Feldern: Energieversorgung, Verkehr, Landwirtschaft und Fischerei. Dabei rät die OECD unter anderem zu Treibstoffsteuern und Straßenbenutzungsgebühren. Ingesamt seien die Preise für Verbrauch und Verschmutzung von Natur häufig zu niedrig, heißt es in dem Bericht.

Mountford betonte, dass aus Sicht der OECD die Industrieländer alleine wenig ausrichten können. Gerade beim Klimaschutz müssten die Schwellen- und Entwicklungsländer sobald wie möglich ins Boot geholt werden. Auch müssten möglichst alle Möglichkeiten zur Reduzierung von Treibhausgasen genutzt werden, also auch Atomkraft, sagte Mountford. Sie schränkte allerdings ein, dass dies im nationalen Ermessen liege.

Erst vor wenigen Tagen hatte China offiziell eingeräumt, dass das Land mittlerweile genauso viel CO2 ausstößt wie die USA. Ob die Menschheit den Ausstoß von Klimakillern drosseln kann, hängt nicht zuletzt davon ab, wie rasant wachsende Volkswirtschaften wie Indien oder China ihre Energiepolitik gestalten.

Die Umweltorganisation WWF betonte, der Umweltausblick bestätige die besorgniserregende Beschleunigung der Zerstörung der Erde. Die Situation werde immer dramatischer, und von einer Trendwende sei keine Spur. Der WWF begrüßte, dass die Appelle der Umweltschützer nun endlich auch auf Ebene der Wirtschaftsvertreter der Industrienationen gehört würden, warnte aber vor weiteren Verzögerungen.

hda/AP

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